Folge 10: Reden ist Gold: Warum Kommunikation bei Krebs so wichtig ist

Reden ist Gold: Warum Kommunikation bei Krebs so wichtig ist

Bei Krebs fällt uns die Kommunikation besonders schwer: Erfahren Sie von zwei ehemaligen Brustkrebspatientinnen, wo die größten Hürden liegen, was bei der Überwindung hilft und was Freundschaft und Offenheit bewegen können.
(EM-93151)

Über den Podcast

Inhaltsverzeichnis

(00:00 –01:49) Anmoderation: Warum fällt uns Kommunikation so schwer?
(01:50 – 05:50) Paula stellt sich und ihre Krebsgeschichte vor
(05:51 – 09:04) Alexandra stellt sich vor und spricht von ihrer Diagnose
(09:05 – 15:25) Paula und Alexandra erzählen ihre Kennenlerngeschichte
(15:25 – 18:20) Alex erzählt, wie es zum Podcast kam
(18:21 – 24:03) Tabuthema Krebs: Warum Alex und Paula Kommunikation so wichtig ist
(24:03 – 25:55) Raum zum Trauern – wie das Umfeld auf die Offenheit reagiert hat
(25:55 – 29:42) Schuld- und Schamgefühle: Was erschwert die Kommunikation?
(29:43 – 31:36) Freunde verlieren und neue gewinnen bei Krebs
(31:36 – 33:57) Jeder ist anders: Alex über ihre Erfahrungen und kommunikative Hürden bei Krebs
(33:57 – 34:32) Ausblick zur nächsten Folge
(34:32 – 37:51) Mit sich selbst im Reinen sein – der Schlüssel einer erfolgreichen Kommunikation?
(37:52 – 39:08) Fazit und Abmoderation

Transkript Folge 10:
Reden ist Gold: Warum Kommunikation bei Krebs so wichtig ist

Lars [00:00:00] Herzlich Willkommen zu „Mein Krebsratgeber zum Hören“. Mein Name ist Lars Schmidtke und gemeinsam mit meinen Gästen sprechen wir offen und ehrlich über Krebs und das Leben mit Krebs. Hören Sie rein, wenn Sie persönliche Geschichten, aber auch Expertenrat zum Umgang mit der Erkrankung erfahren möchten. Unser Podcast ist ein Podcast mit Betroffenen für Betroffene. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Podcast-Fans, ich begrüße Sie, und euch heute ganz herzlich zu einer neuen und hoffentlich spannenden Folge zu einem extrem wichtigen und gleichzeitig ganz alltäglichen Thema. Es ist das Thema Kommunikation und nicht irgendeine Kommunikation, sondern Kommunikation und Krebs. Und genau zu diesem Thema sind bei mir heute Alex und Paula, zwei Brustkrebs-Podcasterinnen, mit denen ich mich heute und auch in der kommenden Folge zu diesem wichtigen und sehr facettenreichen Thema austauschen möchte. Und könnt ihr mich hören, laut und deutlich? Hallo, Alex. Hallo, Paula.

Alex [00:01:07] Hallo.

Paula [00:01:08] Hi. Laut und deutlich.

Lars [00:01:09] Das ist doch wunderbar. Also ihr seid schon mal da. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Ihr zwei seid heute hier, weil ihr als Brustkrebsbetroffene und Podcasterinnen besonders viel Erfahrungen auf dem Gebiet Krebs und Kommunikation gesammelt habt. Ich glaube, ihr habt bis zu 70 Podcasts gemacht mit allem Möglichen, mit Gästen, mit Emotionen. Ich weiß nicht, vielleicht wurde auch gesungen und deshalb möchte ich gern von euch erfahren, warum ist Kommunikation so wichtig und warum sie uns in diesen entscheidenden, bestimmt auch sehr schweren Momenten dann oft so schwerfällt, woran das liegt. Aber bevor ich jetzt anfange, möchten wir ein bisschen was von euch erfahren, euch kennenlernen. Paula, magst du dich kurz vorstellen?

Paula [00:01:50] Natürlich, die obligatorische Vorstellungsrunde. Die leite ich sehr, sehr gerne ein. Lars. Vielen Dank, dass wir da sein dürfen.

Lars [00:01:56] Ja, sehr gern.

Paula [00:01:57] Mein Name ist Paula. Ich bin 35 Jahre alt, mit 30 Jahren bin ich das erste Mal an Brustkrebs erkrankt. Ich führe ein recht unaufgeregtes Leben, also ich bin verheiratet. Ich habe einen kleinen Sohn und ich komme aus Hamburg.

Lars [00:02:13] Und du machst Podcasts?

Paula [00:02:14] Genau. Und ich mache Podcasts mit meiner lieben Freundin Alex. Das stimmt.

Lars [00:02:19] Deine Diagnose Brustkrebs hast du vor wie langer Zeit bekommen? Wie lange ist das her?

Paula [00:02:24] 2017, im Alter von 30 Jahren.

Lars [00:02:27] Kannst du dich noch genau an diesen Tag erinnern, also die Woche, den Monat und wie es dir da gegangen ist? Was das mit dir gemacht hat?

Paula [00:02:34] Ja, die Sekunde sogar, vollkommen klar. Du hörst es, du siehst die Lippen des Arztes bewegen. Auf jeden Fall habe ich es mir so vorgestellt, weil ich habe sie telefonisch bekommen und es ist so ein bisschen, als würde die Welt kurz stillstehen. Du versuchst es einzuordnen: „Spricht der von mir? Sind wir jetzt in der richtigen Zeitzone? Was passiert hier gerade?“ Und wenn du realisierst, dass das deine Diagnose ist, dann ist es erstmal, wie so ein lauter Knall. So kann man das beschreiben. Das bleibt hängen, das sind so Meilensteine, völlig klar.

Lars [00:03:13] Das ist jetzt fünf Jahre her?

Paula [00:03:14] Genau.

Lars [00:03:15] Und was hat diese Zeit mit dir gemacht? Also die Zeit, als die Diagnose da war und die Therapie anfing?

Paula [00:03:23] Ja, also erstmal muss ich ganz ehrlich sagen, erstmal ist man so ein bisschen von Sinnen. Viele malen das Bild, man fällt und fällt und fällt. Das kann ich so unterstreichen. Was gibt es Schlimmeres, als so eine potenziell lebensverkürzende Diagnose zu bekommen? Mit einem kleinen Kind an der Hand und gefühlt vorgestern noch optimistisch in die Unendlichkeit der Zukunft geblickt zu haben. Die erste Zeit ist sehr, sehr schwer, weil wenn du die Diagnose bekommst, dann weißt du, dass du Krebs hast. Du weißt aber in dem Moment noch nicht wieviel. Du weißt nicht: Wo kann ich genau die Hoffnung ansetzen? Bin ich schon im Endstadium? Ist es übermorgen gefühlt schon vorbei? Oder besteht noch eine Aussicht auf eine Heilung? Oder wie komme ich da eigentlich wieder raus? Diese emotionale Orientierungslosigkeit macht es genau am Anfang so wahnsinnig schwer, und bei uns dreht es sich ja um Kommunikation.

Lars [00:04:27] In diesem Podcast, ja.

Paula [00:04:28] Genau. Aber auch in diesem Moment. Du musst ja irgendwann auch Menschen mitteilen, was dir da passiert ist. Auch deinem Mann zum Beispiel und du kannst nur das sagen, was du weißt, also dass du Krebs hast. Aber du hast noch keinen Fahrplan parat, weißt du? Das ist so ein pures, demütiges Gefühl, weil du instinktiv auch einen Trost reinsetzen willst, für dich selbst, aber auch für deine Angehörigen. Das ist ja vollkommen klar. Du möchtest etwas sagen wie: „Ich habe Krebs, aber wir schaffen das schon.“ Aber dieses „wir schaffen das schon“, kannst du zu dem Zeitpunkt nicht mehr glauben, also noch nicht glauben. Dieses „positiv sein“ hat verdammt viel mit Perspektiven zu tun, und die sind in dem Moment der Diagnosestellung eigentlich noch nicht da.

Lars [00:05:15] Aber du hast es geschafft? Das darf man so sagen?

Paula [00:05:18] Gott sei Dank. Das hoffen wir jeden Tag, wir wissen es am Ende des Tages nicht. Ich bin da immer vorsichtig, aber ich lebe so, als hätte ich es geschafft. Ich muss viel dabei ausblenden. So eine Therapie bringt ihre Kollateralschäden mit sich, das ist ja vollkommen klar. Ich lebe aber so, als hätte ich das geschafft, weil es für mich eine gute Lebensform ist und was morgen ist, oder bei der nächsten Nachsorgeuntersuchung, das kann ich jetzt in diesem Moment, wo wir miteinander reden, noch nicht beeinflussen und deswegen gehen wir jetzt einfach vom Besten aus, jeden Tag.

Lars [00:05:51] Sehr schön. Alex, jetzt möchten wir ein bisschen was von dir erfahren. Wie war das damals bei dir, und wie sieht es bei dir aktuell aus? Würdest du dich einfach mal vorstellen?

Alex [00:06:00] Ja, das mache ich sehr gerne, Lars. Danke schön. Bei mir war es auch 2017, dass ich die Diagnose bekommen habe. Bei mir war es, im Gegensatz zu Paula, die Unsicherheit, die Tage bevor die Diagnose gestellt worden war, weil es schon relativ klar war, dass ich wahrscheinlich Krebs haben werde und wie Paula soeben sagte, ich wusste aber nicht, womit ich es zu tun habe. Ist mein ganzer Körper vielleicht schon voll mit Krebs, oder wo stehen wir eigentlich? Und für mich war es ab dem Zeitpunkt der Diagnose, als hätte ich sowas wie einen Fahrplan. Es ist der und der Krebs. Man kann da was machen. Es sieht ganz gut aus mit den Heilungschancen: 80%. Daran habe ich mich festgeklammert. Ich bin damals wirklich rum gegangen, und habe gesagt: „Nein, hört zu, es ist alles gut. Es sieht so aus, als hätte es nicht gestreut. Wir haben einen Plan. Das machen wir jetzt und das wird schon gut werden.“ Vielleicht war das auch so ein bisschen, um es mir selbst auch schönzureden, zu sagen: „Das wird schon alles gut werden.“ Ich hatte auch zwei kleine Kinder und die Tage vor der Diagnose habe ich gedacht: „Oh Gott, meine Kinder verlieren ihre Mutter.“ Ab dem Zeitpunkt war für mich so ein Punkt, dass ich gesagt hab: „Nein und jetzt, jetzt nach vorne.“

Lars [00:07:10] Jetzt erst recht. Und das hast du die ganze Zeit auch so durchgehalten?

Alex [00:07:15] Nein, natürlich nicht. Es gibt dann immer wieder so kleine Meilensteine. Ich habe das ein bisschen wie so ein Projektplan bei der Arbeit angesehen, wo ich schön meine einzelnen Meilensteine abgehakt habe. Ich habe mich von Chemo zu Chemo durchgehangelt und am Anfang lief das auch genau nach Plan. Der Tumor ging ein bisschen zurück. Ich so: „Super, das schlägt an. Alles gut.“ Und das kam dann zwischendurch nach der OP, bei der das ganze Gewebe um den Tumor herum vorsichtshalber rausgenommen wird, oder zumindest wo der Tumor war und der Pathologe schaut noch mal drauf. Wenn keine Krebszellen gefunden werden, bekommst du eine PCR, eine pathologische Komplettremission, das ist das Offizielle „Sie sind jetzt krebsfrei“ zumindest zu diesem Zeitpunkt. Bei mir wurden da aber noch Krebszellen gefunden, und das war für mich ein bisschen so: „Moment mal, ich dachte, das wäre jetzt alles gut. In meinem Fahrplan war das nicht so vorgesehen.“ Und natürlich gibt es auch immer mal wieder Tage, wenn irgendwas nicht so gut läuft, du es nicht gut kannst. Also ich kenne niemanden, der freudestrahlend durch so eine Therapie geht. Da muss es einfach Höhen und eben auch Tiefen geben.

Lars [00:08:26] Aber man kann sagen, du bist jetzt krebsfrei? Momentan?

Alex [00:08:31] Ich bin da wie Paula. Ich möchte es auch nicht verschreien, weil ich offiziell nie dieses „krebsfrei“ bekommen habe, sage ich immer: „Ja, zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als wäre es gut.“ Wie Paula das so schön eben gesagt hat, hat das ganz viel mit „im Moment Leben“ zu tun, dass man sagt, jetzt ist gerade alles gut und wir sind positiv. Aber genauso weiß ich nicht, wie es bei der nächsten Untersuchung sein wird. Genauso wenig, wie du vielleicht weißt, ob du übermorgen vielleicht eine Diagnose bekommst.

Lars [00:09:01] Das stimmt. Danke, Alex, erstmal bis hier.

Lars [00:09:05] Ihr habt gemeinsam 2019 euren eigenen Podcast ins Leben gerufen. Also ihr habt einen eigenen Podcast, und der hat diesen unglaublich charmanten Namen: „2 Frauen, 2 Brüste.“ Das kann man sich gut merken. Und wie habt ihr euch kennengelernt? Was hat euch angetrieben, diesen Podcast auf die Beine zu stellen? Wie ist das passiert? Wer möchte was sagen? Ich frag mal Paula. Paula, sag mal.

Paula [00:09:32] Ja, gerne. Ja, also unsere Kennenlerngeschichte fruchtet so aus der Not heraus, aus der etwas ganz, ganz Schönes passiert ist. Man muss es sich so vorstellen, man bekommt die Diagnose und sitzt erstmal zu Hause, allein. In einer Onkologie, so einem Chemoraum sind häufig mehrere Stühle und mehrere Patienten. Von der Stimmungslage ist das kein Ort, wo man reingeht und sagt: „Ey, was macht ihr alle hier? Warum seid ihr hier? Wie geht es euch?“ Alles ist sehr, sehr gedeckt und das betrübt. Noch mehr trübe Gedanken. Das muss man einfach sagen. Da ist einfach eine Hemmstelle, zumindest bei mir war das so. Ich habe mich also auf die Suche gemacht, Menschen zu finden, die mir erzählen, wie denn so ein Alltag mit Krebs ist, weil, wenn du recherchierst, dann findest du überall Geschichten, die an einem ganz anderen Punkt ansetzen. Entweder bei der Diagnose, die hatte ich nun schon, oder am Ende: Sie hat es geschafft oder sie hat es nicht geschafft. Aber wie sieht eigentlich so ein Alltag mit Krebs aus, das wollte ich wissen.

Lars [00:10:41] Ja, wie geht man denn da los?

Paula [00:10:43] Genau. Wie geht man da los?

Lars [00:10:44] Ins Café? Oder wo geht man dahin?

Paula [00:10:45] Gute Fragen. Es ist schon so ein cafétaugliches Thema. Ich habe das auch mal gemacht. Also das Internet gehört zu unserem Sozialraum, ob wir wollen oder nicht, also wir erledigen viele Dinge online. Es gibt Menschen, die verlieben sich auch online. Im weitesten Sinne ist es mit Alex und mir auch so passiert. Also wir haben uns auf Instagram kennengelernt, bevor wir angefangen haben, aus völlig unterschiedlichen Gründen über unsere Erkrankung zu sprechen. In meinem Fall war es so, dass meine jüngere Schwester, die flotter gewesen ist, als ich, ich war auf Social Media gar nicht so aktiv, die gesagt hat: „Du Paula, vielleicht musst du auf Instagram niemanden finden, vielleicht musst du gefunden werden.“ Das implizierte, dass ich angefangen habe, über mein Leben zu erzählen. Also was mir gerade passiert ist.

Lars [00:11:31] Also was du so machst?

Paula [00:11:33] Genau, oder was mich gerade beschäftigt oder bekümmert.

Lars [00:11:36] Und da hast du den Krebs nicht rausgelassen?

Paula [00:11:38] Nein, den habe ich sogar ganz nach vorne hingestellt, ehrlich gesagt, ganz prominent sogar. Und das hat noch Jemand getan: Eine von diesen Frauen. Da tat sich eine riesige Community auf und eine dieser Frauen war doch tatsächlich Alex, und wir haben uns online kennengelernt. Wir sind ein online Date, und daraus ist eine großartige Freundschaft gewachsen, also man kann es nicht anders sagen. Und wir fingen an, uns so ein bisschen zu verfolgen. Also ich wusste…

Lars [00:12:04] Also man folgt sich? Also du der Alex und die Alex dir?

Paula [00:12:08] Genau. Also jeder erzählt, was man so macht, was einen bekümmert. Man fängt an, sich zu schreiben, man fängt an, sich zu folgen. Man fängt an, am Leben des Anderen teilzuhaben, weil unsere Präsenz auf den sozialen Medien war eine Abbildung unseres Alltags. Also wir haben im Tagebuchstil über unseren Alltag berichtet, und so war ich online irgendwie auch ein Teil von Alex‘ Alltag und Alex natürlich auch von meinem, und es gehörten noch zwei Freundinnen dazu, die uns auch sehr, sehr nahestehen, bis heute. Und wir haben uns dann live getroffen.

Lars [00:12:39] Das ist meine Frage gewesen: Also das heißt, Ihr habt euch erst mal nur online, also mit Fotos und ihr habt euch geschrieben, und nach welchem Zeitraum habt ihr euch dann das erste Mal getroffen?

Paula [00:12:50] Oh Alex, nach einem Jahr?

Alex [00:12:52] In Berlin war das Paula. Ja, da waren wir bei einem Event zusammen. Ich muss aber sagen, das war… Wir haben uns so intensiv ausgetauscht, wir hatten eine WhatsApp-Gruppe „die Busenfreundin“ und haben uns tagtäglich Filmchen geschickt und Sprachnachrichten und Videos. Wir waren uns ganz, ganz, ganz nah. Das war nur noch so das Sahnehäubchen obendrauf, dass man sich einmal wirklich in den Arm nehmen kann.

Lars [00:13:04] Ihr wolltet mal so ein schönes Wochenende in Berlin machen?

Paula [00:13:19] Es war auch eine Brustkrebsveranstaltung, weil in diesen Weiten der Social Media tat sich eine riesige Community auf, und es gab auch Veranstaltungen, und es war uns ein Bedürfnis, auch die anderen Communitymitglieder mal kennenzulernen, weil wir hatten ja nun diese enge Verbindung per WhatsApp. Aber die Anzahl der Erkrankten, die sich auf diesem Medium austauschen, ist ja immens groß. Auf so eine Veranstaltung sind wir dann gefahren, Alex und ich.

Alex [00:13:46] 2018 war das, im Sommer.

Paula [00:13:47] Ja genau. Ich weiß nicht genau, mindestens so acht Monate nach meiner Diagnose, August ungefähr. Und da haben wir uns live gesehen. Und es war, als würden wir uns schon ewig kennen. Und das ist so absurd, weißt du, Lars, weil man sich selbst ja so fremd ist. Du musst dir ja vorstellen, man transformiert sich ja irgendwie auch. Also in meinem oder auch Alex‘ Fall. Wir hatten ja plötzlich keine Haare mehr. Ich hatte auch keine Brüste mehr, meine wurden ja beide abgenommen. Du bist selbst im eigenen Körper noch so fremd. Und dann triffst du Jemanden, der aber auch diese Glatzen-Situation hat, und dem fühlst du dich aber richtig vertraut. Und das ist ein ganz magisches Gefühl, muss ich sagen. Man lernt sich ja nicht, wie es in der Freundschaft so ist: „Die Welt gehört uns, tschakalaka. Wir machen uns das schön“, sondern eigentlich haben wir uns in einer Krise kennengelernt, also ganz anders, als es sonst üblich ist. Und ja, also das war, wie Alex sagt, eigentlich das Sahnehäubchen, als hätte man sich schon ewig gekannt - eine große Liebe.

Lars [00:14:47] Und dann ging das aber weiter mit dem Instagram und mit der WhatsApp-Gruppe. Alex, wie ist es dann zum Podcast gekommen? Kannst du was dazu sagen?

Alex [00:14:57] Also ich würde noch gerne hinzufügen, dass das Besondere bei uns war, dass wir uns ja mit Glatze kennengelernt haben. Ich hatte keine Ahnung, was im Leben von Paula vorher passiert ist. Für mich war Paula das Mädel mit der Glatze aus Hamburg, und ich war die aus Köln mit der Glatze, und so kannten wir uns auch nur und haben erst hinterher gedacht: „Okay, so hat die also vorher ausgeschaut.“ Ich glaube, das ist nochmal was, dass man so eine Basis auch hat, so ein gemeinsamer Startpunkt.

Alex [00:15:25] Die Geschichte, wie das mit dem Podcast angefangen hat, ist, dass ich unheimlich viele Podcasts während der Therapie gehört habe.

Lars [00:15:31] Waren das Krebs-Podcasts? Oder was Anderes?

Alex [00:15:34] Auch. Es gab auch einen Krebspodcast aus England, den habe ich auch gehört. Aber auch so Podcasts habe ich gerne gehört, weil nämlich eine Nebenerscheinung ist, dass man eine sehr kurze Konzentrationsspanne hat, wenn man in der Therapie ist. Und ich konnte lange Texte nicht lesen. Ich konnte keine Bücher mehr lesen und Podcast war für mich so ein Medium, da dachte ich, das passt gerade einfach zu mir. Und ich hatte vorher einen Blog, da habe ich wie im Tagebuchstil das geschrieben, und das auch auf Instagram veröffentlicht. Aber in der Reha wollte ich dann den Blog umstellen, weil ich gedacht habe: „Jetzt haben wir da ein Tagebuch von über eineinhalb Jahren, das ist ja auch ein bisschen langweilig für jemanden, der sich da…

Lars [00:16:13] Wer soll das alles lesen?

Alex [00:16:15] Genau, wer soll das alles lesen? Und vor allem, wie findet man denn konkret was zum Thema Bestrahlung oder Tablettenchemo, oder was weiß ich - Fatigue, was es alles so gibt? Und ich hatte schon öfter darüber nachgedacht, einen Podcast zu machen. Aber das war mir… Ich wusste technisch nicht, wie das geht. Ich wusste, ich werde wieder in den Beruf einsteigen, und dann habe ich aber gehört, dass es eine Firma gibt, die dieses ganze Technische für einen abwickeln kann und da habe ich gedacht: „Okay, wenn das jemand anders für mich machen kann und ich wirklich nur sprechen muss, ich glaube, dann möchte ich diesen Podcast umsetzen.“ Und ich habe mich hingesetzt, in der Reha und habe ein Konzept geschrieben und habe gesagt, ich habe ihn damals „Busenfreundin - der Podcast“ genannt. Das gab es aber leider schon, den Namen und dann kam Paula auf die Idee „2 Frauen 2 Brüste“, oder gemeinsam. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam und ich habe auf jeden Fall Paula dieses Konzept geschickt. Nein, ich habe sie eigentlich auf einer Veranstaltung…

Lars [00:17:10] War es dir klar, dass dieser Podcast, dieses Konzept für euch beide ist? Hast du es für euch beide geschrieben? Oder erstmal nur so?

Alex [00:17:17] Also ich habe mir überlegt, ich möchte natürlich mit Jemanden mich unterhalten. Ich möchte nicht allein Podcast machen. Also wir waren dieses Kleeblatt an Busenfreundinnen, und dann habe ich mir so überlegt: Mit wem willst du das am liebsten machen? Ich hätte es mir mit allen gut vorstellen können. Aber Paula und ich, wir reden beide sehr viel und da dachte ich: „Paula, das ist mein erster Schuss“, weil das passt einfach sehr gut zusammen. Ich muss sagen, ich habe Paula auf einer Veranstaltung getroffen und habe ihr den Abend vorher gesagt: „Ich muss dir morgen was erzählen.“ Sie so: „Sag doch, was denn?“ Ich so: „Ich habe mir was überlegt. Ich sag dir’s morgen.“ Und dann hatten wir wirklich auf der Veranstaltung eine Minute, wo wir ungestört miteinander reden konnten. Und ich war nur so: „Paula, ich habe eine Idee. Ich will Podcast machen. Bist du dabei?“ Und sie hat überhaupt nicht weitergefragt, sie hat nur gesagt: „Ja, bin ich dabei.“ Weil ich glaube, sie sofort auch verstanden hat, was ich eigentlich machen wollte, und dann habe ich ihr das Konzept geschickt. Wir waren uns einig, und ich glaube zwei Wochen später haben wir schon den Trailer aufgenommen. Es ging ganz, ganz rasant.

Lars [00:18:20] Also ich habe ja schon mal in euren Podcast reingehört, also hier, und da und auch schon mal eine ganze Folge. Und ich muss sagen, das ist ja eine ziemlich bunte, spannende Mischung und deswegen habe ich mich umso mehr gefreut, dass ihr heute hier bei mir zu Gast seid, bei uns zu Gast seid, und ich möchte eure Einschätzung zum Thema Kommunikation bekommen. In eurem Podcast geht es auch in vielen Folgen um Zwischenmenschliches, Komisches, Schwieriges, aber auch tolle Momente. Aber was hat euch denn letztendlich bewegt, hier zwei Folgen konkret zum Thema „Kommunikation“ mit mir aufzunehmen? Was ist euch an diesem Thema so wichtig? Was führt dich da, Alex, Paula?

Paula [00:19:00] Wenn ich da direkt mal übernehmen kann, weil, als wir in den Vorarbeiten zu dieser Folge standen, also wir haben uns vorher ausgetauscht, in welche Richtung soll das gehen, und welches Thema können wir uns vorstellen, da brannte mir so eine Frage total unter den Nägeln, die würde ich dir gerne stellen, Lars.

Lars [00:19:15] Mir? Yes.

Paula [00:19:15] Ja, du machst das ja beruflich, diese Podcastgeschichte. Also du machst das ja professionell, sage ich jetzt mal. Und du stellst uns natürlich Fragen, die wir offen beantworten für Andere, richtig? Aber würdest du mich auch in der Bäckerei fragen? Oder in der Sauna? Oder in der Umkleidekabine danach?

Lars [00:19:36] Warum du dann zum Beispiel in der Therapie keine Haare mehr hast? Oder…? Ich steh jetzt neben mir…

Paula [00:19:40] Zum Beispiel so vieles. Zum Beispiel: „Wie war deine Diagnose? Ja, wie war der Moment?“ Würdest du mich das beim Bäcker fragen, während ich dich vielleicht vorlasse? Oder würdest du mich das auf einem Geburtstag fragen, oder würdest du das als unangemessen erachten?

Lars [00:19:58] Also wenn wir uns nur einmal sehen würden, also dann würde ich vielleicht lange gucken und das nicht fragen. Aber ich glaube, wenn wir uns öfter beim Bäcker sehen würden, würde ich es irgendwann fragen und fragen…

Paula [00:20:06] Ehrlich?

Lars [00:20:07] Ja, doch. Das bin ich dann schon. Also das möchte ich dann schon wissen. Das macht…

Paula [00:20:11] Also das ist mir in der Realität nicht passiert, dass ich mit Glatze beim Bäcker stand und mich jemand gefragt hatte: „Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich Krebs?“ Obwohl man da eigentlich darauf kommen würde, wenn ich da ohne Wimpern und Kopfbehaarung stehe. Das ist mir nie passiert. Also die Menschen waren freundlich zu mir. Gar keine Frage. Es ist nicht so, dass ich gemieden wurde. Aber es hat mich eigentlich nie jemand darauf angesprochen. Ich hatte häufig das Gefühl, ich bin die personifizierte Angst anderer Menschen.

Lars [00:20:43] Hast du dann gesagt: „Okay, dann fragen Sie es doch.“ Hast du so eine Situation gehabt?

Paula [00:20:50] Also ich bin nicht Wonder Woman. Auch wenn ich das manchmal gerne wäre. Ich bin auch mit Glatze zum Elternabend gegangen, weil ich mir einfach dachte, wenn andere Eltern ein Thema haben, dann sollen die mich doch fragen und vielleicht nicht mein Kind. Es hat keiner gefragt, da wurde mir klar: „Ich kann damit zu Hause so selbstbewusst umgehen mit dem Thema, wie ich das möchte, und trotzdem ist es irgendwie ein Tabu.“ Also es gibt irgendwo so eine Grenze. Also so eine imaginäre Grenze, die mich von einer normalen Frau, sag ich jetzt mal, zu einer Krebspatientin gemacht hat. Und es gibt da eine Grauzone, und ich habe mich gefragt: „Warum eigentlich? Warum ist das wohl so?“ Also man erwartet nicht Mitleid. Wir haben uns sehr oft zum Thema Kommunikation ausgetauscht, und haben einfach festgestellt, diese graue Zone, die beleuchten wir mal. Also wo ist denn das Tabuthema? Oder wo ist denn die Angst? Wir sind einfach zu dem Ergebnis gekommen, es beruht auf viel Unsicherheit oder Missverständnissen, oder auch Schutz. Also auch das ist ein Gedanke - ja, und deswegen ist es richtig.

Lars 00:21:56 Alex, wie war das bei dir? Hast du dir Gedanken gemacht, jetzt speziell für diesen Podcast, die beiden Folgen zum Thema Kommunikation?

Alex 00:22:04 Auf jeden Fall. Ich finde, es ist immer noch ein Riesentabu. Wie Paula auch sagt: „Wir sind der schlimmste Albtraum von vielen Menschen. Wir sind das, was einem im schlimmsten Fall passieren könnte, dass man Krebs bekommt, dass man mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert ist.“ Und ich bin damals ganz offen rausgegangen, und habe wirklich gedacht, „Okay, die Leute haben einen Kloß im Hals. Ich sage es jetzt einfach. Ich sage: „Hallo, ich habe Krebs. Wenn ihr Fragen dazu habt, bitte sprecht mich an.“ Um diesen Elefanten, der da im Raum steht, auch ein bisschen zur Seite zu schieben. Es ist aber immer noch so, dass manche Leute, also ich bin schon auch angesprochen worden darauf, aber die Leute wissen nicht wie. Sie haben Angst, dass sie in irgendwelche Fettnäpfchen reintappen, das Falsche sagen. Sie sagen dann lieber gar nichts, und deswegen ist es so wichtig, dass wir darüber reden, damit eben ein ganz normaler Umgang mit diesem Wort auch… Viele können das Wort ja noch nicht mal aussprechen, die umschreiben das dann immer so schön. Wenn sie dich ansprechen wollen, dann kommt das so: „Wie ist es denn so in deiner Situation?“ Aber einfach zu sagen: „Wie ist denn das mit Krebs oder wie ist denn Chemo? Erzähl doch mal, das Schaffen doch die Wenigsten?“

Lars [00:23:12] Du sagtest, du bist rausgegangen, also du bist zum Beispiel auf einer Familienfeier oder wie stelle ich mir das vor?

Alex [00:23:19] Ich bin wie so ein Marktschreier nach der Diagnose gewesen, und habe wirklich jeden angerufen, den ich kannte. Und wenn ich sie wirklich persönlich nicht erreicht habe, habe ich es hinterher sogar in WhatsApp-Gruppen reingeschrieben, und habe gesagt: „Leute nicht erschrecken, wenn ihr mich irgendwo auf der Straße trefft, ich habe jetzt bald eine Glatze. Ich habe Brustkrebs, sieht aber ganz gut aus, bitte sprecht mich einfach an, ich bin da ganz offen.“

Lars [00:23:40] Ich halte euch auf dem Laufenden.

Alex [00:23:42] Ja oder auch beim Kinderturnen, oder so. Also ich bin dann rein, es war Winter und ich habe dann offensichtlich eine Glatze gehabt, habe die Mütze abgenommen, habe gesagt: „Achtung nicht erschrecken, ich habe Brustkrebs, keine Haare.“ Nach dem dritten Mal ist es dann auch normal. Da wissen sie schon, „Ach ja, das ist die Mama, die Brustkrebs hat.“ Hoffentlich bin ich dann irgendwann auch wieder die Alex, und nicht nur die mit Brustkrebs.

Lars [00:24:02] Fanden das Alle gut? Das würde mich interessieren. Also gab es auch ein negatives Erlebnis?

Alex [00:24:08] Also das gab sicher negative Meinungen dazu, aber die wurden mir nicht mitgeteilt. Deswegen bin ich weiter einfach offensiv rausgegangen.

Paula [00:24:17] Aber du hattest doch diese Freundin, Alex, die doch gesagt hat: „Du bist so positiv.“ … Das fand ich irgendwie so krass.

Alex [00:24:22] Das stimmt. Stimmt. Eine Freundin von mir, die sagte: „Du, Alex, du warst so positiv mit dem Ganzen immer. Du warst immer so… wird schon alles gut. Du hast mir gar nicht den Raum in dem Moment gegeben, dass ich trauern durfte.“ Das fand ich ganz …. Also das war die Freundin, die mir die Haare abrasiert hat. Und die kam rein, und ich stand da mit so einem großen Loch auf dem Kopf oben, wo keine Haare mehr waren, und die war so am Heulen, und wir haben das kurz besprochen. Aber ich glaube, dass in dem Moment, weil ich wollte auch wahrscheinlich nichts Negatives hören in dem Moment, ich wollte mich in meinem Elan auch nicht stoppen lassen, und sie meinte: „Ich hätte vielleicht ein bisschen mehr Raum von dir gebraucht, um zu trauern.“

Lars [00:25:04] Und das hast du verstanden?

Alex [00:25:06] Auf jeden Fall. Du, wir sind alle anders. Das ist auch für dich eine ganz wichtige Erkenntnis in dem Ganzen. Wenn es für mich sich toll anfühlt, offen mit der Nachricht herauszugehen, und das Jedem auf die Nase zu binden, heißt das ja nicht, dass es nicht okay ist, es auch nicht zu kommunizieren, und das auch zu verbergen, die Krankheit. Ich meine, jeder muss da eben seinen Weg finden, der sich gut anfühlt. Und genauso ist es auch, dass mein Umfeld, das auch nicht alles so akzeptieren muss, wie ich das gerne haben wollte, sondern die haben ja auch Alle verschiedene Gefühle und Ansichten und Herangehensweisen, und das muss ich als Betroffener natürlich auch akzeptieren.

Lars [00:25:45] Und plötzlich ist da Jemand und sagt es, und jetzt muss ich einen Umgang damit finden, oder vielleicht auch keinen, was vielleicht auch nicht so gut ist.

Lars [00:25:55] Aber ihr habt absolut recht, weil ich habe mal recherchiert und festgestellt, also im Netz gibt es viele psychoonkologische Bücher, die ich da gefunden habe, aber ganz, ganz wenige, die sich konkret mit der Frage „Krebs“ und „Kommunikation“ beschäftigen. Da ist eine Riesenlücke. Also ich kann mir vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die in dieser Situation nicht wissen, oder überhaupt nicht wissen können, die diese Hürde, diesen Widerstand spüren, was man, wie sagen soll oder sagen darf, angesichts dieser Krankheit und vielleicht auch der emotionalen Achterbahnfahrt. Aber was sind eurer Meinung nach Gründe, warum uns diese Kommunikation so schwerfällt, also besonders bei Krebs? Paula, woran liegt das?

Paula [00:26:38] Wenn ich das gewusst hätte. 2017 als es losging mit der Krebserkrankung, das wäre so wertvoll gewesen. Aber ich bin leider erst irgendwie so durch diese Eigenerfahrung darauf gekommen. Weißt du, das ist wie Alex das sagt: „Kommunikation ist ein schwieriges Thema, weil man auch nicht alles sagen kann, und am Ende des Tages sind wir alle individuell.“ So. Uns ist aufgefallen, uns kann ich einfach mal so sagen, wenn du formulierst, dass du Krebs hast, ist das keine schöne Nachricht. Das ist, ich will das nicht gleichsetzen, aber es muss ja nicht immer Krebs sein, sondern es gibt ja auch andere Lebenskatastrophen: Ich habe mich getrennt, ich wurde gekündigt, ich …, weiß ich nicht, habe mich verschuldet. Wenn du das Jemandem mitteilst, dann gibst du so eine ganz große Palette an Verletzlichkeit erstmal in die Hand Anderer. Und die logische Erklärung, also so ein instinktives oder angelerntes Verhalten der anderen Menschen ist, sie versuchen diese Tatsache, sie versuchen dich zu trösten. Das ist ja auch zwischenmenschlich, du bist ja traurig, egal was passiert. Dieser Trost ist im Umgang mit Krebs schwierig, denn ich will ja nicht getröstet werden. Ich will auch kein Mitleid. Ich möchte erstmal diese Informationen loswerden, weil mehr weiß ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Ich habe Krebs, Punkt. Also ich weiß ja nicht, ob es gut aussieht. Ich versuche selbst daran zu glauben. Aber der Andere versucht mich jetzt zu trösten und sagt so was wie: „Hast du mal rote Beete Saft probiert? Das soll helfen.“ Oder sagt so was wie: “Meiner Tante ist das auch passiert. Ruhe in Frieden. Ach, das wollte ich gar nicht sagen. Ach Gott, ja.“ Ja, weißt du, das ist einfach so schwierig. Es ist schwierig, was dazu zu sagen, was Passendes also. Was auf jeden Fall nicht so gut ankommt, sind Ratschläge, weil die häufig so ein Schuld- und Schamgefühl auslösen, und auch Druck. Ja, du bist ja vielleicht gar nicht in jedem Stadium dieser Krankheit, weil die Krankheit ist ja ein Prozess. Du bist vielleicht nicht in jedem Prozesspunkt so empfänglich für diese Ratschläge. Wir sind einfach zu dem Ergebnis gekommen: Gewisse Dinge muss man weder trösten, noch muss man sie aufhalten, noch muss man sie aufheitern oder vielleicht auch relativieren, die Ernsthaftigkeit nehmen. Sowas wie: „Das Überleben eh so Viele.“ Sondern die Kunst im zwischenmenschlichen Umgang in Krisensituationen ist, gewisse Dinge gemeinsam auszuhalten. Wenn ich sage: „Ich habe Krebs“, dann ist es mir am allerliebsten, wenn mein Gegenüber sagt: „Paula, ich weiß jetzt gerade gar nicht, was ich sagen soll. Ich habe mit so einer Nachricht nicht gerechnet. Ich muss das verdauen.“

Lars [00:29:18] Ich brauch ein paar Tage

Paula [00:29:20] Genau. Dass man nicht floskelt, sondern dass man auch nicht in einer Absicht handelt, irgendwas auffangen zu müssen, sondern dass man einfach sich genauso verletzlich macht, wie ich, die es ja jetzt in den Raum stellen musste, und darauf kann man aufbauen. Das muss nicht die ganze Zeit so bleiben, aber so im ersten Moment.

Lars [00:29:43] Hast du in der Zeit Freunde verloren oder auch neue Freunde gewonnen?

Paula [00:29:48] Also ich habe Freunde verloren. Ja, es gibt Menschen, die können das nicht gut aushalten, also das Leid anderer Menschen. Das muss ich akzeptieren, da muss ich die Menschen gehen lassen. Ich war am Anfang wütend, also ich habe häufig gesagt: „Ach, wenn eine Freundschaft so eine Krise nicht aushält, dann war es wohl keine richtige Freundschaft.“ Dieser Gedanke tut mir eigentlich weh, weil das impliziert, dass ich mich auf Vertrauensbasis auf so viele Irrtümer in meinem Leben eingelassen habe. Und ich glaube einfach, also ich lebe zumindest besser damit, wenn ich sage: „Nicht Jeder kann damit gut umgehen und es aushalten.“ Ich habe Freunde verloren, ich musste auch Freundschaften auf „Reset“ setzen. Ja, also es gab während der Erkrankung keinen Kontakt, aber es war mir trotzdem so wichtig, ja, weil ich einfach gesagt habe: „Ok, diese Krankheit, das war ein Hindernis für Alle, aber wir mögen uns ja trotzdem. Warum können wir jetzt nicht trotzdem zusammen ins Kino gehen? Ins Restaurant?“, Es ist nicht hopp oder top, also es gibt Freundschaften, die auf „Reset“ sind. Und was eigentlich das Schönste ist, also die schönste Erfahrung ist, ich habe wahnsinnig viele Menschen kennengelernt, auch auf einer Ebene, wie ich es ja nicht zuvor kannte, weil ich war vorher “pumperlgsund“. Und das bedeutet mir sehr, sehr viel. Also es haben sich auch Freundschaften wieder reaktiviert, durch die Erkrankung. Es haben sich viele Menschen gemeldet, mit denen ich vorher gar keinen Kontakt hatte, und da konnten wir auch wieder anknüpfen. Also da ist so eine zwischenmenschliche, riesengroße Palette an Möglichkeiten da. Und ja, Viele sind auch mit… Also habe ich auch sehr traurig empfunden und ich war enttäuscht, sag ich mal. Ich war enttäuscht, ich kann es heute aber gehen lassen, ich kann es überziehen lassen.

Lars [00:31:35] Alex, wie war das bei dir? Worin bestehen deiner Meinung nach die größten Schwierigkeiten in der Kommunikation bei Krebs? Siehst du es so ähnlich wie Paula? Oder war es so?

Alex [00:31:46] Ja, ich würde sagen, Paula hat das schon sehr gut zusammengefasst. Manchmal sind es diese Floskeln, die, was weiß ich, ein „Hey, es wird schon alles gut werden.“, die bei mir was auslösen. Wo ich sag: „Woher weißt du das? Nichts ist gut. Ich habe jetzt gerade Krebs.“ Aber das ist immer wieder und ich wiederhol mich da, Jeder ist anders. Also was bei mir zum Beispiel gut ankommt an Sprüchen oder an Mitgefühl, das bringt Jemand anders vielleicht auf die Palme. Also da gibt es auch keine Patentlösung. Ich find es eigentlich ganz gut, wie Paula das gesagt hat, dass man einfach sagt: „Hey, Moment. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“, oder so, oder „Ich bin einfach für dich da.“, also sowas. Man muss auch betrachten: „Wer ist der Andere, mit dem ich mich austausche?“ Also ist es vielleicht Jemand, dem ich das vielleicht auch gar nicht zumuten möchte, dass ich also, was weiß ich, wenn ich das meiner Mutter sage, ich möchte nicht, dass die sich unnötig noch mehr Sorgen macht, als sie sich eh schon macht. Vielleicht habe ich deswegen auch eine andere Art der Kommunikation, als wenn ich es meiner Nachbarin erzähle, wo ich weiß, die kann das schon ab. Das ist schon ganz wichtig, weil es ist einmal die Beziehung untereinander und wie du auch sagtest eben, es sind Freundschaften, die vielleicht in einer anderen Lebensphase ganz gut gepasst haben, und die aber der jetzigen Lebensphase plötzlich gar nicht mehr passen, und ich sag mal so: „Nebendarsteller, die dann plötzlich solche Hauptrollen bei mir bekommen haben, womit ich gar nicht gerechnet hätte.“ Also Kindergartenmamas, die plötzlich gesagt haben: „Du, wir machen jetzt ein Playdate. Ich weiß doch, du hast übermorgen Chemo, wir nehmen deine Kinder.“ Wo ich unheimlich dankbar bin, auf so einen Pragmatismus zu sagen: „Ich pack einfach jetzt mal mit an“, und ich glaube, was auch ganz wichtig ist, dass man sich selbst ja auch verändert, in so einer Krankheit. Also es muss nicht unbedingt nur die Krankheit sein, weswegen vielleicht auch eine Freundschaft oder eine Kommunikation nicht funktioniert, sondern ich verändere mich ja auch. Das ist ja für mich auch ein Prozess, die Krankheit, und ich bin dann nicht mehr so, wie vorher und vielleicht ist das auch der wahre Grund, weswegen manche Freundschaften dann nicht mehr so gut passen, oder man eben auch keine gute Kommunikation findet.

Lars [00:33:57] Also was man auf alle Fälle merkt, anhand eurer Antworten. Es gibt da einige Tücken zum Thema „Kommunikation“ und genau das sollte uns darin bestärken, bei diesem Thema noch mal genauer hinzuschauen, und zwar in der nächsten Folge würde ich gerne mit euch vertiefen, was es denn mit dem berühmten „Kloß im Hals“ und bestimmten Vermeidungstaktiken im Gespräch auf sich hat, und außerdem würde ich gern von euch erfahren, wie das eigene Körpergefühl mit dem Thema „Kommunikation“ zusammenhängt. Also liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Podcast-Fans unbedingt einschalten zur nächsten Folge.

Lars [00:34:32] Und, liebe Paula, liebe Alex, ich würde euch gerne zum Abschluss dieser Folge mit einer These konfrontieren. Und zwar: Nur wer seine Bedürfnisse gut kennt, der kann auch erfolgreich kommunizieren. Ist das richtig oder falsch, was meinst du, Alex?

Alex [00:34:48] Ich glaube, das ist auf jeden Fall richtig, oder es ist zumindest ein Funken Richtigkeit dabei. Es ist so: „Ich muss mit mir im Reinen sein“, das ist so eine Floskel, das ist so daher gesagt. Wer ist das schon mit sich selbst? Aber wenn ich schon selbst verunsichert bin, wie kann ich denn dann überhaupt Jemand anders mitteilen, was meine Bedürfnisse sind, weil darum geht es ja oft. Es geht darum, dass ich mitteile, was ich mir wünsche, was gesagt werden soll. Ich würde mich freuen, wenn ihr das und das machen würdet, sagen würdet: „Hallo, bitte ruf mich doch mal an.“ Dazu muss ich natürlich erstmal wissen: „Möchte ich das überhaupt?“ Also es ist absolut auch okay, wenn man sagt: „Nein, ich möchte eigentlich überhaupt keinen Kontakt gerade haben.“ Ich konnte zum Beispiel niemanden bei mir zu Hause empfangen. Ich konnte es einfach nicht. Ich wollte den Leuten nicht auf die Füße treten und sagen: „Ich muss dich rausschmeißen, weil nach 15 Minuten geht es mir leider nicht so gut und das ist so eine…,“ das kann man dann auch falsch verstehen. Also natürlich liegt es auch an mir, ich muss das kommunizieren und das ist, glaub ich, das Allerwichtigste. Man muss kommunizieren, also man muss die eigenen Bedürfnisse und die Gedanken, ich will auch ungern sagen „muss“ - nein, wenn es sich richtig anfühlt, dann sollte man das mitteilen, weil wie gesagt: „Jeder ist anders.“

Lars [00:35:58] Sich diese Räume zu schaffen? Paula, wie siehst du das?

Paula [00:36:04] Ich sehe das absolut genauso. Da liegt vielleicht auch das Problem, oder das Tabuthema. Ja, also was sind denn die Bedürfnisse eines Krebskranken, der sich gerade auf die Reise der Therapie begibt? Ich wusste das selbst nicht. Die Bedürfnisse ändern sich auf so vielen Ebenen, während gleichzeitig die Zeit vermutlich stillsteht. Ja, also überall dreht sich die Welt weiter, aber ich bin jetzt im Chemoraum, und empfang eine Chemotherapie und alle meine Bedürfnisse ändern sich. Mein Bedürfnis nach Nähe ändert sich, mein Bedürfnis nach Nahrung, nach Kosmetik, nach Songs. Also es ist… Alles ändert sich. Ich kenne es am Anfang selbst nicht, und vielleicht bin ich auch Diejenige, die als Patientin, die gerade nicht gut kommunizieren kann, weil sie all das, was gerade passiert, nicht gut in Worte bringen kann. Und ich glaube, dass muss man eher berücksichtigen. Also ja, grundsätzlich stimmt das, aber die Bedürfnisse muss ich erst mal wieder neu an mir entdecken oder festigen, und was auch noch mal ganz wichtig ist, und ich glaube, das passt zu Alex‘ Beitrag: kein Bedürfnis ist ja auch ein Bedürfnis. Also das darf man nicht vergessen. Wenn ich eine Grenze setze und sage: „Ich kann gerade nicht oder ich möchte gerade nicht oder ich bin einfach müde oder erschöpft oder ich möchte mich auch gerade nicht aufheitern lassen.“ Ich muss auch mal alle schlechten Gedanken durchdenken. Das ist manchmal auch notwendig, eine Grenze zu setzen, ist genauso wichtig, wie offen nach außen zu gehen und zu sagen: „Tschaka, hier bin ich und übrigens habe ich Brustkrebs.“ Also kein Bedürfnis ist auch ein Bedürfnis, und an jeden Erkrankten merkt euch das auf so vielen Ebenen der Krebserkrankung. Also ein „Nein“ ist auch vollkommen ok, auch wenn ihr euch verpflichtet fühlt vielleicht auch den Anderen aufzufangen, oder so. Aber für euch: „Bleibt bei euch.“

Lars [00:37:51] Ja, ganz, ganz lieben Dank, Alex und Paula, für diesen spannenden Auftakt. Denn ich finde, ihr habt hörbar und spürbar gemacht, wie wichtig Kommunikation ist, und wo manchmal eben der sogenannte Schuh klemmen kann. Und ich denke, dass sich viele Menschen da draußen sehr verstanden gefühlt haben, und ich freue mich wirklich sehr, das Thema mit euch beim nächsten Mal in unserer nächsten Folge vertiefen zu können. Ganz, ganz lieben Dank. Ich sage Tschüss, Alex. Tschüss, Paula.

Paula [00:38:19] Vielen Dank, dass wir da sein durften. Tschüss.

Alex [00:38:19] Tschüss.

Lars [00:38:22] Tschüss, Alex, bis bald. Und ich bin gespannt auf eure Tipps beim nächsten Mal und eure Einschätzungen zu den Knackpunkten: Körpergefühl, Wahrnehmung, Hemmungen und das ganze Spektrum was dazugehört. Und bis dahin wünsche ich uns allen eine erholsame Zeit und danke Ihnen und euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, fürs Einschalten. Gerne bis zum nächsten Mal. Bleiben Sie gesund. Bis bald. Vielen Dank, dass Sie heute dabei waren. Wir freuen uns auf Anregungen, Ideen oder Themenvorschläge für „Mein Krebsratgeber zum Hören“ oder möchten Sie ihre Geschichte mit uns teilen? Schreiben Sie uns gerne eine e-Mail. Im Beschreibungstext finden Sie alle weiteren Informationen und Adressen.

Lars [00:33:05] Sabine, super! Ich kann Ihnen gar nicht genug für diese Einblicke danken, denn auch für mich war es das allererste Mal, sich so ganz konkret mit dem Thema Tod zu beschäftigen und hier mit Ihnen darüber zu sprechen. Ich hatte auch ein bisschen Angst davor, das muss ich gestehen, denn ich bin sehr froh, dass Sie sich hier bei uns, mit uns. geöffnet haben. Mit diesem Gespräch haben Sie nicht nur mir Perspektiven aufgezeigt für den Fall, dass meine Familie oder ich in diese Situation kommen, sondern auch vielen anderen Menschen da draußen. Und da möchte ich sagen, ganz, ganz toll, und da können Sie richtig stolz sein. Also, dass wir das jetzt hier so gemacht haben. Dankeschön!

Sabine [00:33:44] Ja, danke auch.

Lars [00:33:46] Denn das muss man sagen, Sie sind der beste Beweis dafür, dass das Thema Tod kein Tabu in unserer Gesellschaft darstellen sollte. Ich habe absolut großen Respekt vor Ihrem heutigen Besuch und wünsche Ihnen alles, alles erdenklich Gute und viel Kraft für alles das, was kommt, liebe Sabine. Machen Sie es gut, ja, tschüss!

Sabine [00:34:05] Nochmal vielen Dank, dass ich hier sein konnte. Es war ein sehr schönes Gespräch und ich hoffe, dass viele Zuhörer und Zuhörerinnen viel mitnehmen konnten. Das würde mich dann auch freuen.

Lars [00:34:15] Tja, und an dieser Stelle danke ich auch Ihnen natürlich für das Einschalten, für das Zuhören, für das Downloaden, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, und kann glaube ich im Namen von uns allen sagen, dass wir heute viel gelernt haben. Ich bin gespannt auf die nächste Folge und verabschiede mich für heute und sage tschüss und bis bald. Machen Sie's gut!

Lars [00:34:36] Wir freuen uns auf Anregungen, Ideen oder Themenvorschläge für „Mein Krebsratgeber zum Hören“. Oder möchten Sie Ihre Geschichte mit uns teilen? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail. Im Beschreibungstext finden Sie alle weiteren Informationen.

Referenzen

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Onko Internetportal: Professionelle psychologische Betreuung bei einer Krebserkrankung (Stand: 23.08.2018). Abrufbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebs-und-psyche/professionelle-psychologische-betreuung-bei-einer-krebserkrankung.html. Letzter Zugriff am 17.12.2019
Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland, Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut für 2017/2018, Robert Koch-Institut (Hrsg). Berlin, 2021. Abrufbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2021/krebs_in_deutschland_2021.pdf?__blob=publicationFile. Letzter Zugriff am 15.07.2022
Leitlinienprogramm Onkologie (AWMF, Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Stiftung Deutsche Krebshilfe): Patientenleitlinie – Psychoonkologie, Psychosoziale Unterstützung für Krebspatienten und Angehörige. Berlin, 2016. Abrufbar unter https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html. Letzter Zugriff am 17.12.2019
Schulz H et al.: Psychoonkologische Versorgung in Deutschland: Bundesweite Bestandsaufnahme und Analyse, Wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (2018). Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Hrsg). Abrufbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Berichte/PsoViD_Gutachten_BMG_19_02_14_gender.pdf. Letzter Zugriff am 17.12.2019
Starostzik C: Depressionen, Mythos Krebsrisiko? Ärzte Zeitung Online (Hrsg). Veröffentlicht am: 04.11.2013. Abrufbar unter: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Mythos-Krebsrisiko-268337.html. Letzter Zugriff am 17.12.2019.
Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (dkfz): Psychische Einflüsse auf die Krebsentstehung. Gibt es die Krebspersönlichkeit? Macht Unglück krank? (Stand: 02.10.2019). Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/psyche-und-krebsrisiko.php#inhalt3. Letzter Zugriff am 17.12.2019.
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