Umgang mit der Krebsdiagnose

Umgang mit der Krebsdiagnose

Was können Sie selbst aktiv tun?

  • Lassen Sie sich nicht entmutigen – eine positive Grundeinstellung hilft im Umgang mit der Krankheit.
  • Sorgen Sie für gute Erlebnisse und versuchen Sie, sich in Ihrer behandlungsfreien Zeit auch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Wenn die Behandlung anschlägt und Ihre Werte wieder im Akzeptanzbereich liegen, werden Sie sich wahrscheinlich besser fühlen und Sie können sich wieder mehr Ihrem normalen Alltag widmen. Das ist auch sehr wichtig für Ihre seelische Genesung.
  • Setzen Sie sich Ziele, die Ihnen wichtig sind. Kleine Schritte können für den Anfang reichen und ein Erfolgserlebnis kann sich schneller einstellen.
  • Nehmen Sie der Erkrankung die Chance, immer im Fokus zu stehen. Sprechen Sie am besten mit Ihren Angehörigen oder Ihnen nahe stehenden Personen darüber und igeln Sie sich nicht ein.
  • Eine Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen und die Teilnahme an Veranstaltungen mit anderen betroffenen Personen können Ihnen eine Hilfe sein.

Die Phasen der Verarbeitung von Krebs (adaptiert nach dem Trauermodell von Elisabeth Kübler-Ross)[1]

Nach der Diagnose können Sie im Laufe der Zeit einige verschiedene emotionale und stimmungsabhängige Phasen durchlaufen. Das ist ganz normal. Die Abschnitte treten nicht zwingend alle auf. Sie können auch in einer unterschiedlichen Reihenfolge kommen. Das kann daran liegen, dass Sie wahrscheinlich nicht alle Phasen mit der gleichen Intensität durchleben werden.

Diese Phase ist wichtig, da sie für Ihre Seele einen Schutzmechanismus darstellt. Sie geht meist mit einer großen Fassungslosigkeit einher, weil man nun tatsächlich selbst vom Krebs betroffen ist. Der Gedanke daran scheint unerträglich. In dieser Zeit ist es kaum möglich, richtige Entscheidungen zu treffen.

Wichtig ist hier: Sprechen Sie mit jemandem und nehmen Sie Hilfe an. Es ist nicht immer gesagt, dass jeder Ratschlag auch eine gute Empfehlung ist, aber sicherlich filtern Sie automatisch wichtige und hilfreiche Informationen aus all den Gesprächen, die Sie führen werden. Es kann sehr hilfreich sein, sich in dieser Phase an einen Psychoonkologen oder eine Psychoonkologin oder eine entsprechende Beratungsstelle zu wenden. Diese stehen Ihnen bei der Verarbeitung der Diagnose zur Seite und können weitere Hilfestellungen geben. Geben Sie sich in dieser Phase Zeit, den ersten Schock zu verarbeiten. Erstellen Sie dann einen Plan, um festzulegen, mit welchen Schritten Sie beginnen möchten.

Nach der ersten Phase, dem Nicht-wahrhaben-Wollen, folgt oft die Phase des Zorns/Ärgers. Es kann ein Gefühl von Wut auf sich selbst und auf die Umwelt auftreten. Auch in dieser Phase ist die Akzeptanz der Erkrankung noch in weiter Ferne. Tief im Innersten wissen Sie vielleicht, dass Sie die Situation akzeptieren müssen. Das kann auch der Grund sein, warum Sie mit Zorn und Ärger reagieren.

Versuchen Sie, sich einen freien Kopf zu verschaffen, um nicht dem Unmut Ihres Zornes die Zügel zu überlassen. Gehen Sie an die frische Luft und versuchen Sie, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Situation so hinzunehmen, wie sie ist. Lenken Sie sich mit Hobbys ab, die Sie normalerweise auf andere Gedanken bringen.

Langsam befinden Sie sich auf dem Pfad zur Akzeptanz der Erkrankung. Es können Verhandlungen beginnen, die Sie mit sich selbst führen, um für sich eine akzeptable Gegenleistung auszuhandeln, mit der Sie die Situation besser akzeptieren können.

Geben Sie sich Zeit und machen sich eine Liste mit Zielen, die Sie in Zukunft erreichen wollen, und für die es sich lohnt, sich der Erkrankung zu stellen und weiterzumachen. Versuchen Sie, damit aus dem Hamsterrad von Hadern, Sorgen und Ängsten herauszukommen. Sehen Sie der Krebserkrankung ins Auge und stellen Sie klar, dass Sie der Boss sind. Sie behalten die Macht über Ihren Körper. Der Krebs ist nur ein gelegentlicher Begleiter, der sich an Ihr Leben anpassen muss, nicht umgekehrt.

Depressive Verstimmungen können gelegentlich, müssen aber nicht auftreten. Häufig werden sie durch anstrengende Therapien und nervenaufreibende Gespräche ausgelöst, die Ihnen zusätzlich Kraft rauben. Da nicht immer gleich die erste Behandlung zum erwünschten Ergebnis führt, spielen möglicherweise auch immer wieder Angst und Frustration eine Rolle als Auslöser der Depressionen.

Gehen Sie ans Licht und halten Sie sich möglichst viel in der freien Natur auf, wenn es das Wetter und Ihr Allgemeinzustand zulassen. Verbringen Sie Zeit mit Ihren Liebsten und versuchen Sie, dabei die Gedanken an die Erkrankung in den Hintergrund zu schieben. Sollte es etwas geben, was Ihnen in so einer Phase besonders gutgetan hat, dann vermerken Sie es in dem Buch „Trauern: Phasen und Chancen des psychischen Prozesses“, um beim nächsten Mal darauf zurückzugreifen. Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich nicht durch fehlgeschlagene Behandlungen frustrieren. Einen Plan B zu verfolgen ist bei dieser Erkrankung keine Seltenheit und von Nutzen.

In dieser Phase haben Sie die Erkrankung eventuell so hingenommen, wie sie ist, und haben es vielleicht auch geschafft, den Krebs als Teil von Ihnen zu akzeptieren. Sie fangen nun langsam an, für sich den bestmöglichen Weg zu gestalten.

Bis hierher haben Sie es nun geschafft. Nehmen Sie sich Ihre Liste zur Hand und verwirklichen Sie eines der Ziele, das Sie schon immer erreichen wollten. Lassen Sie es sich gut gehen und gönnen Sie sich und Ihrem Körper etwas Gutes. Er wird wahrscheinlich sehr dankbar sein!

Keine Angst vor der Angst

Umgang mit einem nicht immer angenehmen, aber lebensnotwendigem Gefühl

Mit der Diagnose Krebs kommen häufig nicht nur viele Fragen, sondern auch Ängste auf Betroffene und ihre Angehörigen zu.

In einem Gespräch zwischen Dr. Phil. Frank Schulz-Kindermann und den Betroffenen Frau Oldenburg und Herrn Weegen wird ein Überblick über generelle Formen und Funktionen der Angst in Zusammenhang mit Krebserkrankungen gegeben. Wertvolle Tipps für den Alltag helfen dabei, Wege aus der Krise zu finden.

Das Tutorial entstand in Zusammenarbeit mit yeswecan!cer im Rahmen der YES!CON 2021.

Das Video „Keine Angst vor der Angst“ ist hier unter dem Abschnitt "YES!CON 2.0 – Workshops & Tutorials".

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Portrait Dr. Daniela Meger-David - Expertin für Psychoonkologie
Ihre Expertin für seelische Begleitung bei Krebs

Als Expertin im Bereich Psychoonkologie hilft Ihnen Frau Dr. Meger – David bei Ihren Fragen zur Auswirkung von Krebs auf die Psyche und dabei die Erkrankung zu verstehen bzw. zu bewältigen.

Die richtigen Ziele setzen

Lebensqualität bei einer Krebserkrankung

Eine Krebserkrankung bedeutet einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen. Oft können gewohnte Aktivitäten nicht mehr ausgeführt werden. Dies kann zu einer hohen Frustration führen, wodurch sich die Lebensqualität zunehmend verschlechtern kann.

Ältere und jüngere Frau lachen gemeinsam

Für viele hilfreich: Das Augenmerk auf die aktuellen Möglichkeiten richten, weniger auf Vergangenes und Verlorenes.

Um dem entgegenzuwirken kann es helfen, den Fokus nicht auf Vergangenes, sondern auf das Hier und Jetzt zu lenken. Vielleicht gelingt es dadurch, die eigene Definition von Lebensqualität an die neue Situation anzupassen.

Umdenken als erster Schritt

Nach einer Operation oder während einer Chemo- oder Strahlentherapie geht es zunächst darum, sich körperlich und psychisch neu einzuschätzen.

Dabei kann der Blickwinkel von „Was geht nicht mehr?“ hin zu „Was geht heute?“ bewusst verschoben werden. Es tut oftmals gut, das, was gesund ist und die Fähigkeiten, die erhalten geblieben sind, zu spüren und sich ihrer bewusst zu sein.

Es gilt sich innerhalb der eigenen Möglichkeiten andere Projekte und/oder Ziele zu setzen. Dabei bietet die Erkrankung unter Umständen auch neue Chancen. So können zum Beispiel Dinge in Angriff genommen werden, für die bisher nie Zeit war. Was könnte das bei Ihnen sein?

Auf diese Weise kann man wieder etwas mehr Kontrolle über sein Leben zurückgewinnen und es aktiv gestalten. Wichtig ist für viele auch, sich genügend Zeit für sich, Partner:in, Familie und Freund:innen zu nehmen und Momente zu fördern, in denen es nicht um die Krebserkrankung geht. So kann man auch selbst zur Verbesserung der Lebensqualität trotz Krebserkrankung beitragen.

Familie schaut in die Ferne. Mein Krebsratgeber Podcast Logo
Podcastfolge 13: Lebensqualität bei Lungenkrebs

In dieser Podcast-Folge geht es um eine Krebsdiagnose in der Familie sowie den Umgang mit der neuen Situation. Thomas und seine Frau Dorothea erzählen, wie sie trotz Thomas’ Lungenkrebserkrankung ein erfülltes, glückliches Leben führen und geben wertvolle Tipps für andere Betroffene.

Buchempfehlungen: Erfahrungsberichte von Krebspatient:innen

Erfahrungsberichte anderer Krebspatient:innen können helfen, das eigene Schicksal zu verarbeiten und neue Aspekte der Lebensqualität zu entdecken. Hier ein paar Buchempfehlungen unserer Expert:innen:

  • „Leben trotz Krebs – eine Farbe mehr: Interviews zu einem gelingenden Leben nach Krebs“ von Elmar Reuter
  • „Den Krebs bewältigen und einfach wieder leben“ von Tanja Diamantidis
  • „Jetzt ist heute: Mein Leben nach der Diagnose“ von Kora Decker
  • „Dem Tod ins Gesicht gelacht: Mein Kampf gegen den Krebs“ von Tanja Topac
  • „Das Jahr, in dem ich nur spazieren ging: Diagnose Krebs: Ein Überlebensbericht“ von Michael Lohmann und Andrea Jox
  • „Der König aller Krankheiten: Krebs – Eine Biografie“ Dieses Buch des Onkologen Siddhartha Mukherjee nähert sich auf spannende und unterhaltsame Art dem Thema Krebs aus einem anderen Blickwinkel.

Beziehung zwischen Ärzt:in und Patient:in

Mündige Patient:innen

Entscheidend für eine richtige Diagnose und die optimale Therapie ist die Kommunikation zwischen Ärzt:in und Patient:in. Dabei hat sich die Rolle der Patient:innen in dieser Beziehung in den letzten Jahren stark geändert. Immer häufiger wird erwartet, dass Patient:innen mehr Eigenverantwortung zeigen und sie bekommen deshalb mehr Mitbestimmungsrechte. Ärzt:innen sprechen von „mündigen Patient:innen“. Aber auch Patient:innen möchten mehr in die Behandlung und Entscheidungen eingebunden werden. Denn heute ist klar: Treffen Ärzt:in und Patient:in gemeinsam Entscheidungen über die Behandlung, so kann sich dies positiv auf die Therapietreue und den Behandlungserfolg auswirken.

Ärztin und Krebs-Patientin diskutieren Therapieoptionen

Das Leitbild informierter Patient:innen hat sich, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten, die das Internet für das Gesundheitswesen bietet, gebildet. Immerhin gehören Gesundheitsinformationen zu den meist gesuchten Themenfeldern im World Wide Web. Patient:innen werden immer mehr Möglichkeiten geboten, sich eigenständig über ihre Erkrankung zu informieren. Dabei reicht das Angebot von einfachen Informationen zu der Erkrankung, über Tipps und Tricks während der Behandlung, bis zu Anwendungen der Therapieüberwachung. Solche Informations- und Kommunikationstechnologien werden im Gesundheitswesen unter dem Begriff „E-Health“ (electronic health) zusammengefasst. Der steigende Einsatz dieser Technologien prägt die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Wenn es um die Zukunft der Medizin und Versorgung der Patient:innen geht, ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema eine der wichtigsten Aufgaben. „Die Digitalisierung wird die weitere Entwicklung unseres Gesundheitswesens in entscheidender Weise prägen […].“, so der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Dabei sprechen Expert:innen der Digitalisierung viel Potenzial zu, die Patient:innenversorgung zu verbessern. Doch auch Patient:innen sind davon überzeugt, dass E-Health den Austausch mit Ärzt:innen vereinfachen wird, berichtet die Techniker Krankenkasse.

E-Health-Angebote verbessern die Beziehung zwischen Ärzt:in und Patient:in

Mehrere Studien bestätigen eine Tendenz zu positiven Resultaten bei der Nutzung von E-Health-Angeboten: Laut Bitkom hilft die Recherche im Internet zu Gesundheitsthemen 74 % der Menschen souveräner gegenüber Ärzt:innen aufzutreten und 48 % verstehen ihren Arzt oder Ihre Ärztin durch die Recherche besser.[2]

So berichten 44 % der Besucher:innen großer Gesundheitsportale, die Anweisungen ihrer Ärzt:innen zu ihren Medikamenten deutlich besser zu verstehen und befolgen zu können. 22 % finden, die Kommunikation mit den Ärzt:innen sei besser geworden[3], so der Bericht der EPatient Survey, einer jährlichen Befragung von Gesundheits-Surfer:innen und Patient:innen im Internet im deutschsprachigen Raum. Insgesamt zeigte sich eine Verbesserung Beziehung zwischen Ärzt:innen und Patient:innen durch die eigenständige Informationssuche der Patient:innen.

Die Auswahl an E-Health-Angeboten ist vielfältig

E-Health umfasst jedoch weit mehr als Gesundheitsportale, die Patient:innen zur Informationsbeschaffung nutzen. So bieten neue Technologien die Möglichkeit, Patient:innen aktiv an ihrer Behandlung teilnehmen zu lassen. Es ist unter anderem in der Krebstherapie ist es von großer Bedeutung, Kommunikationsprozesse zu optimieren und effizienter zu gestalten. Patient:innen mit bösartigen Erkrankungen sind häufig verunsichert, nicht zuletzt was ihre Therapie anbelangt. Ein wichtiges Ziel für viele Betroffene ist es, die Sicherheit ihrer Therapie zu verbessern und den eigenen Krankheitsverlauf besser zu verstehen und einschätzen zu können. Viele Behandlungen werden mittlerweile ambulant durchgeführt, sodass behandelnde Ärzt:innen ihre Patient:innen nur selten sehen und somit der Austausch fehlt. Um diesem Anliegen nachzukommen und die Therapiesicherheit zu verbessern, gibt es z. B. Webplattformen, auf denen Patient:innen anonym Gesundheitsdaten zur Begleitung ihrer Krebstherapie eintragen können. Nutzer:innen werden so dabei unterstützt, den eigenen Therapieverlauf zu beobachten und wird darauf hingewiesen, wenn es angebracht ist, den Rat des behandelnden Arztes bzw. der behandelnden Ärztin einzuholen.

Ein Beispiel ist der „Onkobutler“, eine von Dr. Wöhr, Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und internistische Onkologie, entwickelte Webplattform.

Auch therapiebezogene Apps haben in den letzten Jahren immer mehr Anklang bei den Patient:innen gefunden. Mittlerweile nutzen etwa 7% Medikamenten-Apps. Laut Angaben des EPatient Survey 2021 steigt auch die Nachfrage nach Online-Sprechstunden auf 14%. Noch beachtlicher ist nur die Nutzung von Online-Kursen zu Gesundheitsthemen mit 29% aller Befragten.[4]

Dies sind nur einige Beispiele der zahlreichen E-Health-Anwendungen. Entscheiden Sie sich dazu, eines dieser Angebote in Anspruch zu nehmen, wäre eine vorherige Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ratsam. Gemeinsam überlegen Sie, ob die jeweilige digitale Anwendung Ihre Therapie unterstützen kann. Denn solche Anwendungen können auch eine Gefahr darstellen. Beispielsweise, wenn sie falsch eingesetzt werden oder falsche Informationen enthalten – nicht alle Angebote sind sicher und von Ärzt:innen entwickelt. Lassen Sie sich daher von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beraten.

Der Erfolg der Therapie hängt auch von den Patient:innen ab

Warum Therapietreue bei der Behandlung so wichtig ist

Heute werden etwa ein Viertel aller neu entwickelten Zytostatika oral verabreicht.[5] Für Sie als Patient:in hat das große Vorteile, beinhaltet aber auch eine gewisse Verantwortung. Es liegt an Ihnen, Ihre Medikamente regelmäßig und wie vom Arzt oder von der Ärztin verschrieben einzunehmen. Man spricht dabei von Adhärenz.

Krebs-Patient mit Schleife um Finger - Symbol für Therapietreue

Unter Adhärenz wird die Einhaltung der gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin besprochenen Vorgehensweise hinsichtlich der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten sowie der Berücksichtigung der verordneten Dosis und Dauer der Therapie verstanden. Jede Abweichung kann ein Risiko darstellen und Einfluss auf das Therapieergebnis haben. Wer seine Medikamente nach vorheriger Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin selbst einnimmt, genießt oftmals ein deutlich höheres Maß an Unabhängigkeit und Flexibilität. Dabei ist maximale Adhärenz wichtig, damit die Therapie die gewünschte Wirkung erzielen kann.

Den Therapieerfolg nicht riskieren

Es gibt viele Ursachen für eine verringerte Adhärenz. Gründe hierfür können sein, dass ein spürbarer Therapieerfolg zunächst ausbleibt oder Patient:innen sich wegen der Nebenwirkungen der Therapie immer schlechter fühlen. Eine Ursache kann aber auch darin bestehen, dass sich die Patient:innen krankheitsfrei fühlen, sodass der trügerische Gedanke aufkommen kann, es gäbe zum Beispiel eine vorzeitige Heilung und die Therapie könne beendet oder unterbrochen werden. Ein weiterer denkbarer Grund: Im Alltag vergisst man leicht die regelmäßige Einnahme, wenn diese sich über einen längeren Zeitraum hinzieht. Ein veränderter Alltag, beispielsweise im Urlaub oder in anderen besonderen Situationen, kann die regelmäßige Einnahme zusätzlich erschweren.

Informieren und unterstützen

Situationen wie diese können bei einer eigenständigen Einnahme immer wieder vorkommen. Dann ist es wichtig, geeignete Ansprechpartner:innen zu haben: Diese können entweder die behandelnden Ärzt:innen oder auch das Pflegepersonal sein. Klären Sie im Vorfeld ab, an wen Sie sich im Zweifelsfall wenden können, um in schwierigen Situationen zu wissen, was es zu tun gilt. Aufkommende Fragen sollten Sie sich am besten notieren, z. B. in einem Tagebuch, um diese spätestens beim nächsten Termin klären zu können. Aber Sie können auch selbst einiges tun, um dem Vergessen entgegenzuwirken. Erinnerungshilfen wie ein Wecker, eine App mit entsprechender Funktion und/oder ein Wochendispenser bieten sich hier an. Ebenso können feste Rituale, wie beispielsweise die Tabletteneinnahme nach dem Zähneputzen, unterstützend wirken.

Sprechen Sie neben Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin auch das Pflegepersonal in der Praxis oder Klinik auf das Thema an. Sicherlich bekommen Sie dort weitere Hilfsangebote für eine optimale Adhärenz.

Sexualität und Krebs – das Liebesleben nicht beiseiteschieben

Krebs ist keine ansteckende Krankheit

Krebs ist nicht ansteckend und wird damit auch nicht sexuell übertragen. Allerdings kann es durch die Übertragung bestimmter Krankheitserreger (HIV oder HPV) zu einer Krebserkrankung kommen. Daher ist die Wahl des richtigen Verhütungsmittels von besonderer Bedeutung. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Prinzipiell spricht nichts dagegen, dass Krebspatient:innen sexuell aktiv sind. Ein befriedigendes Sexualleben trägt in der Regel zum Erhalt der Lebensqualität bei und hilft, eine Partnerschaft zu festigen.

Mögliche Auswirkungen der Krebstherapie auf das Sexualleben

Während einer Krebstherapie kann sich das Sexualleben der Patient:innen in mehrfacher Hinsicht ändern. Die Störungen können im Bereich des Verlangens, der Erregung, des Orgasmus und der Zeugung liegen.

Dennoch kann ein ausgeglichenes Sexualleben Patient:innen und deren Partnerschaft guttun, auch wenn Krebsmedikamente und -therapieformen die Libido verändern können. Die Wirkung auf die Libido hängt oftmals davon ab, welches Organ von dem Tumor befallen ist, und auch das sexuelle Vorleben der Patient:innen spielt eine Rolle.

Bei Tumoren im kleinen Becken (Gebärmutter-, Gebärmutterhals-, Eierstock-, Darm- oder Blasenkrebs) oder in den äußeren Genitalorganen (z. B. Vulvakarzinom) kann es beim Sex zu Schmerzen oder Blutungen kommen. Außerdem greifen manche Krebstherapien die Keimzellen (Spermien, Eizellen) an, weshalb eine sichere Verhütung erforderlich sein kann. Im Falle einer medikamentösen Krebstherapie (z. B. Chemotherapie) sollte man die Notwendigkeit und Dauer einer sicheren Verhütung mit Krebsspezialist:innen besprechen. Abgesehen davon besteht kein Grund zur Besorgnis, wenn man während und nach einer Krebsbehandlung sexuellen Kontakt pflegt.

Die häufigsten Probleme infolge der Therapie sind:

Durch Medikamente, ein verändertes Körpergefühl, einen veränderten Hormonhaushalt oder seelische Belastungen kann sich sexuelle Lustlosigkeit einstellen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, sondern reden Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über die Gründe sowie über Wünsche und Bedürfnisse.

Als Nebenwirkung, durch den Tumor oder eine Operation, können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. Nach einer Operation sollten Sie die ärztlich empfohlene Zeit der sexuellen Enthaltsamkeit einhalten.

Schmerzen nach Ablauf dieser Zeit können bei Männern vor allem durch Entzündung oder Reizung der Prostata und der Harnwege, bei Frauen vor allem durch eine verkürzte Scheide, gereizte Scheidenschleimhaut und psychische Beschwerden auftreten. Bei beiden Geschlechtern können Narben der Auslöser für Schmerzen sein. Ein Besuch bei medizinischen Expert:innen ist in allen Fällen ratsam.

Narben können mit speziellen Pflegeölen geschmeidig gemacht werden, die Scheidenschleimhaut mit speziellen Cremes und Gleitgels beruhigt und geschützt werden. Außerdem können Gymnastik, Massagen und Physiotherapien das Allgemeinbefinden verbessern.

Infolge der verschiedenen Therapien kann es zu Scheidentrockenheit und einer entzündeten Schleimhaut kommen. Lassen Sie sich von Ihrem Frauenarzt bzw. Ihrer Frauenärztin beraten und nutzen Sie beispielsweise rezeptfreie Gleitgels, die wasserlöslich, unparfümiert und farblos sind.

Nach einer Operation kann es außerdem zu einem Elastizitätsverlust der Scheide kommen. Halten Sie sich in einem solchen Fall unbedingt an die empfohlene Dauer der sexuellen Enthaltsamkeit. Durch manche Therapien kann es außerdem zu Vaginalinfekten kommen. Achten Sie auf Hygiene und lassen Sie sich von einem Arzt oder einer Ärztin behandeln. Unter Umständen wird auch der Partner oder die Partnerin behandelt, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.

Erektionsstörungen können durch körperliche Ursachen wie geschädigte oder durchtrennte Nerven oder Blutgefäße, einen geschädigten Penisschwellkörper oder einen zu niedrigen Testosteronspiegel, aber auch durch psychische Belastungen auftreten. In einem solchen Fall sollten Sie eine:n Urolog:in oder auch eine:n Sexualtherapeut:in zu Rate ziehen.

Sexualität ist etwas Natürliches und kann dazu beitragen unser Wohlbefinden zu verbessern. Deshalb sollten Sie sich nicht von Ihrem Schamgefühl davon abhalten lassen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Probleme zu sprechen.

Ausführliche Informationen zum Thema Sexualität bei Krebs bieten die Ratgeber „Krebs und Sexualität“ für Männer und für Frauen des Deutschen Krebsforschungszentrums.

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Dieser Text entspricht den redaktionellen Standards der JanssenWithMe und wurde von einem Mitglied des redaktionellen Beirats der JanssenWithMe geprüft. Lernen Sie hier den medizinischen Beirat unserer Redaktion kennen.

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Referenzen

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