Folge 7: Mythen und praktische Ernährungstipps bei Krebs

Mythen und praktische Ernährungstipps bei Krebs

Im zweiten Teil zum Thema Ernährung räumen die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Camilla Leithold und der Betroffene Alexander Böhmer mit Ernährungsmythen auf und geben noch mehr Tipps rund um die Ernährung während einer Krebsbehandlung.
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Über den Podcast

Inhaltsverzeichnis

(00:00 - 00:25) Jingle.
(00:25 – 01:04) Anmoderation der Podcastfolge.
(01:05 – 05:01) Krebsdiäten – Welche es gibt, was sie bedeuten und was die Wissenschaft dazu sagt.
(05:02 – 06:49) Vorsicht bei Online-Recherche, Tipps in Sozialen Medien und bei „gut gemeinten Ratschlägen“.
(06:50 – 09:22) Gründe und Motivation für Alex Ernährungsumstellung.
(09:23 – 12:19) Praktische Tipps für den Ernährungsalltag während einer Krebsbehandlung.
(12:20 – 14:39) Wichtiger Tipp: Betroffene freuen sich oft darüber, bekocht zu werden.
(14:40 – 16:20) Problem Flüssigkeitszufuhr: Welche Alltagstricks helfen.
(16:21 – 17:58) Alex über die Herausforderung, während der Behandlung viel zu trinken.
(17:59 – 19:00) Was tun bei einer starken Gewichtsabnahme?
(19.01 – 23:17) Anregungen und Ideen für den Austausch zwischen Angehörigen und Betroffenen, Essen als verbindendes Element.
(23:18 – 27:32) Umgang mit Übelkeit: Behandlung und weitere Hilfestellungen.
(27:33 – 28:46) Abschied

Transkript Folge 7:
Mythen und praktische Ernährungstipps bei Krebs

Lars [00:00:01] Herzlich Willkommen zu: „Mein Krebsratgeber zum Hören.“ Mein Name ist Lars Schmidtke und gemeinsam mit meinen Gästen sprechen wir offen und ehrlich über Krebs und das Leben mit Krebs. Hören Sie rein, wenn sie persönliche Geschichten, aber auch Expertenrat zum Umgang mit der Erkrankung erfahren möchten. Unser Podcast ist ein Podcast mit Betroffenen für Betroffene.

Lars [00:00:24] In der vergangenen Folge haben wir mit der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Camilla Leithold und dem Betroffenen Alexander Böhmer über Ernährungsgrundlagen bei Krebs gesprochen und heute möchten wir das Thema Ernährung gemeinsam vertiefen, und zwar mit Frau Dr. Camilla Leithold. Wir hatten uns auf das „Du“ geeinigt, also Camilla, und mit Alexander Böhmer, Alex. Wir versuchen praktische Tipps zu geben und mit einigen Mythen aufzuräumen.

Lars [00:00:53] Ein herzliches Hallo. Hallo Camilla, hallo Alex, hört Ihr mich?

Camilla [00:00:56] Ja hallo, vielen Dank, dass ich wieder dabei sein darf.

Alex [00:00:58] Hallo Lars, hallo Camilla, ich freue mich auch. Danke schön.

Lars [00:01:01] Das Fazit der letzten Folge war, dass Ernährung ganzheitlich betrachtet werden sollte. Als Nahrungsquelle für den Körper, aber auch als Inspirationsquelle für den Geist. Insgesamt also ein wichtiger Faktor für unsere Lebensqualität. Camilla, immer wieder werden Krebspatienten, -patientinnen mit besonderen Ernährungsformen oder auch Diäten konfrontiert. Was sind das für Diäten und was sagt die Wissenschaft dazu?

Camilla [00:01:27] Also bei Krebsdiäten gibt es, wenn man das so unterteilen möchte, eigentlich zwei Arten von Krebsdiät. Die einen sagen: „Du hast Mangel an einem bestimmten Nährstoff und wahrscheinlich ist durch diesen Mangel auch deine Erkrankung entstanden, und wenn du den Mangel behebst, zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel zu dir nimmst, dann wirst du wieder gesund.“ Und dann gibt es eine andere Richtung an Krebsdiäten, die sagen, der Tumor muss ausgehungert werden. Und dann gibt es zum Beispiel Ansätze, es gibt zum Beispiel die Gassmann-Diät, da soll man ganz viele Frucht- und Gemüsesäfte zu sich nehmen, man soll kein Fett zu sich nehmen, kein Eiweiß, also keine feste Nahrung, weil die Idee dahinter ist, dass der Tumor eventuell mit fester Nahrung etwas anfangen kann, also dadurch wächst, aber mit flüssiger Nahrung kann er nichts anfangen und verhungert dann. Oder man soll ganz viel rote Beete essen. Ein bis zwei Kilo täglich rote Beete, das sind solche Ideen, da sind vielleicht besondere Inhaltsstoffe drin in der roten Bete, die dem Tumor dann an den Kragen gehen. Und man hört das schon, das ist eine Diät, für die man sich eigentlich sehr überwinden müsste. Und wir haben es ja in der vorangegangenen Folge für alle die da schon eingeschaltet haben, es ist gar nicht so einfach als Tumorpatient so eine Diät umzusetzen, weil man die Therapie hat, man hat auf der einen Seite einen höheren Energiebedarf, muss viel Energie zu sich nehmen, also kann eigentlich gar nicht darauf verzichten, hat dann die Nebenwirkungen der Therapie, die es manchmal unmöglich machen, ausreichend zu essen. Und dann kommt noch so eine Einschränkung, die sagt: Du darfst wirklich nur Fruchtsäfte trinken oder du musst jeden Tag zwei Kilo rote Beete essen, da wird einem schon vom Zuhören manchmal übel und man denkt, das kann man gar nicht machen und schon gar nicht in der Therapiesituation. Und wissenschaftlich basieren diese Krebsdiäten auch nicht auf fundierten Erkenntnissen oder auf Studien, was man dazu weiß sind, dass es eigentlich nur Fallberichte gibt. Also jemand, der gesagt hat, ich hatte einen Tumor, ich habe diese Diät durchgesetzt und ich bin geheilt. Und das ist natürlich ein Ansporn, dass die Krebsdiäten auch immer weiterverbreitet werden, weil so ein Einzelschicksal was berichtet hat, dass jemand, der schon von den Ärzten aufgegeben wurde, durch die Durchführung der Krebsdiät wieder geheilt wurde, das ist natürlich total toll. Man weiß natürlich in der Situation nicht, wie vielen das eigentlich geschadet hat und bei wie vielen das nicht funktioniert hat. Und zum Beispiel weiß man von der ketogenen Diät, das hat man vielleicht schon mal gehört? Vielleicht kennt Ihr das auch?

Lars [00:03:40] Ich habe es noch nicht gehört, ja sag.

Camilla [00:03:40] Ketogene Ernährung - ketogene Diät ist auch im Gesundheitsbereichen in aller Munde. Da geht es so darum, dass man auf Glukose verzichtet und auf Kohlenhydrate und seinen Speiseplan so sehr fett und eiweißreich gestaltet. Prinzipiell ist das gar keine schlechte Sache, die Idee dahinter ist, dass man dem Tumor den Zucker entzieht, damit er nicht mehr wachsen kann. Und es gibt Studien zur ketogenen Diät, die wurden jetzt neulich auch ausgewertet, da gibt es eine ganz tolle Leitlinie zur Komplementärmedizin und die haben alle Studien ausgewertet und haben auch gesagt, wenn man so eine ketogene Diät durchführt, dann hat das keinen Effekt zum Beispiel auf das Überleben. Man lebt dadurch nicht länger und als Nachteil haben sie noch gesagt, dass bei Leuten, die normalgewichtig sind oder die untergewichtig sind durch so eine strikte Diät, wo man sich wirklich viel verbietet, die Patienten eher in eine Mangelernährung rutschen. Also wenn die Patienten sowieso schon normal oder untergewichtig sind und die Diät noch zusätzlich einhalten, rutschen sie in eine Mangelernährung und das ist das, was zumindest mit Studien gut bewiesen ist. Die Mangelernährung, die müssen wir vermeiden, weil das ist wirklich ein Punkt…

Lars [00:04:44] Weil es dann doch eher schadet.

Camilla [00:04:47] Der schadet extrem, ja also vor allem weil man als Mangelernährter vor allem die Muskelmasse verliert, unsere aktive Körpermasse, ja wir fühlen uns dann schlapp und können uns nicht mehr bewegen und sind dann in einem Teufelskreis drin und ja verlieren die Lebenskraft mit der Muskelmasse.

Lars [00:05:02] Alex, ich frage Dich, hast Du von diesen Diäten schon mal was gehört oder hast schon mal eine ausprobiert?

Alex [00:05:08] Also gehört habe ich schon ganz, ganz viel davon und umgesetzt habe ich nichts davon. Während der Erkrankung, sogar schon vor der ersten Therapie, sind viele Bekannte oder auch ja Fremde auf mich zugekommen und haben mir da Tipps gegeben in Richtung Ernährung und das mit der roten Beete, was die Camilla eben gesagt hat, wurde mir auch ganz oft empfohlen. Ja, aber dadurch, dass von so vielen Leuten so viele unterschiedliche Ideen und Tipps gekommen sind, weiß man einfach nicht mehr, was man glauben soll. Und deswegen habe ich nichts umgesetzt, weil es einfach viel zu viel Input war und alles, ja man wusste einfach nicht, wie seriös ist das jetzt.

Lars [00:05:44] Also Du selber hast das dann eher abgelehnt, oder wie war das? Wer hat Dir das geraten, wer kam da auf Dich zu?

Alex [00:05:50] Das war sehr, sehr viel online. Also ich bewege mich ja sehr aktiv auf Instagram, da sind sehr viele Leute auf mich zugekommen mit diesen Ideen. Also wirklich Fremde und hier bei mir im Ort tatsächlich, wenn ich einkaufen war oder sind auch Leute auf mich zugekommen, die das empfohlen haben oder die das mal gehört haben. Ich glaub die meisten meinen es wirklich gut, aber es gibt tatsächlich gerade online auch Leute, die da sehr fest und überzeugt sind, und einen auch wirklich überzeugen wollen. Und ich glaube, dass vielen Leuten eben gar nicht bewusst ist, Camilla hat ja eben auch gesagt, dass da wirklich auch Gefahren mit einhergehen, Gefahren der Mangelernährung oder der Unterernährung. Und ich glaube, das ist ganz Vielen gar nicht bewusst. Und ich glaube, wenn man ja da wirklich jemanden von überzeugen kann, und der dann ganz streng an so eine Diät sich irgendwie hält und danach lebt, das kann bestimmt auch in die Hose gehen, deswegen ist es ja schon fast gefährlich eigentlich, wenn man sich da ja beraten lässt von jemandem, der vielleicht nicht ausgebildet dafür ist, wie jetzt Camilla zum Beispiel.

Lars [00:06:48] Du hast in der letzten Folge von Deinen Gewichtsschwankungen in der Zeit also vor, während und nach der Diagnose erzählt. Und dann hast Du deine Ernährung umgestellt. Kannst Du sagen, was Dich zu dieser Ernährungsumstellung bewogen hat, und wer hat Dich da unterstützt? Aktiv?

Alex [00:07:05] Also der Grundgedanke war tatsächlich, dass ich abnehmen wollte. Ich wollte einfach wieder so aussehen, wie vor der Erkrankung und diese ja überschüssigen Krebskilos loswerden.

Lars [00:07:14] Ok, wieviel Kilo waren das dann ungefähr, die die letzte Folge nicht gehört haben?

Alex [00:07:17] Ich habe 35 Kilo zugenommen in den 12 Monaten und dann davon sind 30 jetzt wieder weg. Also ich bin quasi jetzt wieder so wie vorher, ungefähr.

Lars [00:07:27] Und Du hast Dich unwohl gefühlt?

Alex [00:07:29] Ja, ich wollte wieder in den Spiegel gucken und wieder so aussehen wie vor der Erkrankung. Ich wollte nicht mehr bei jedem Blick in den Spiegel daran erinnert werden, dass ich so stark zugenommen habe durch diese Erkrankung, durch den Bewegungsmangel, während dem ich im Krankenhaus lag und so, das ist ja alles keine schöne Erinnerung und ich wollte einfach wieder so aussehen wie vorher. Und als ich dann die ersten Kilos verloren habe, und angefangen habe mich gesund zu ernähren oder ja sehr gemüsereich und so, habe ich natürlich auch gemerkt, dass es mir besser geht, also rein körperlich, dass ich mehr Energie habe und dass es mir leichter fällt mich zu bewegen gerade mit der Prothese und das hat mich natürlich dann nochmal motiviert. Ich habe das zusammen mit meiner Mutter angefangen diese Ernährungsumstellung,

Lars [00:08:11] Sie unterstützt Dich?

Alex [00:08:14] Ja, genau und wir haben das dann zusammen durchgezogen hier zu Hause und meine Mutter hat auch schön abgenommen. Wir fühlen uns damit einfach wohler und merken, auch wenn man mal unterwegs ist und sich nicht ganz so ernähren kann, wie man vielleicht möchte, wenn man mehrere Tage irgendwo unterwegs ist, dass uns das auch fehlt, diese gesunde Ernährung.

Lars [00:08:32] Also Dir und Deiner Mutter? Ja, also was machst Du? Du zählst Kalorien oder wie macht sich das bemerkbar, wie hast Du es verändert?

Alex [00:08:40] Also wir essen sehr, sehr, sehr viel Gemüse und ich esse auch keinen Fisch und kein Fleisch mehr. Das hat aber mehr was mit dem Tierleid zu tun, als mit meiner Ernährung.

Lars [00:08:51] War das schwer für Dich das so umzustellen, oder ist es einfach so: Du hast diese ganzen großen Vorteile und Du sagst, das fällt mir total leicht?

Alex [00:08:58] Ich muss sagen, die ersten zwei Wochen fand ich schon schwierig und anstrengend, weil es einfach ganz, ganz anders war als meine Ernährungsweise vor dieser Umstellung. Aber ich habe mich superschnell dran gewöhnt, als ich dann eben gemerkt habe, wieviel besser es mir geht und wieviel fitter ich mich fühle, ist es natürlich noch mal ein extra Ansporn, dass weiterzumachen und mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

Lars [00:09:20] Wahnsinn, ganz toll. Camilla, Alex hat uns jetzt verraten, wie er das anstellt. Kannst Du da was ergänzen?

Camilla [00:09:27] Ja, ich finde das auch ganz klasse. Was mir nur wichtig ist: Alex ist ja jetzt nach der Therapie, ich hatte in der vergangenen Folge schon mal gesagt, es gibt so eine Ernährungsform, die vor der Therapie stattfindet, also die normale Ernährung, bis man da die Diagnose bekommt, dann gibt es eine Ernährung, die man anwendet, wenn man die Therapie hat und wenn man dann wieder über sich und seinen Körper frei bestimmen kann und in der Phase der Heilung ist oder als geheilt gilt, dann kann man sich normal ernähren und die Ernährung umstellen. Das hat Alex gemacht und hat gesagt, er möchte sich orientieren, ein gesundes Körpergewicht erreichen, das ist genau das, was auch die Empfehlungen dazu sagen und ich finde das ganz klasse, wie er das durchgesetzt hat. Natürlich ist eine gemüsereiche und obstreiche Ernährung ganz, ganz klasse. Aus meiner Sicht, als Ernährungswissenschaftlerin, muss man natürlich nicht auf eiweißreiches Fleisch und den Fisch verzichten, das macht Alex aus anderen Gesichtspunkten und ja im Grunde genommen ist es auch immer super, wenn man das nicht in Eigenregie plant, wie Alex das mit seiner Mutter durchzieht. Und wenn man da einfach noch jemanden hat, der mit im Boot sitzt, ist das sehr, sehr hilfreich, sonst ist es manchmal auch nicht nachhaltig. Man nimmt sich vielleicht was vor und alle anderen sitzen aber da und essen was ganz anderes oder überhaupt, wenn man die Schwierigkeit hat, noch mal eine andere Portion für jemand anderen zu kochen oder sich das nicht aufteilen kann.

Lars [00:10:39] Hast Du da spezielle Tipps für Krebsbetroffene und dann auch ihre Familien?

Camilla [00:10:44] Genau, also wenn man den glücklichen Umstand hat, dass man in einer Partnerschaft lebt oder in der Familie lebt, dann soll man sich da die Unterstützung holen. Wenn man das nicht hat, dann hat man vielleicht Freunde im Umfeld, die man fragen kann, und in Phasen, wo man schlechter sich ernähren kann, wo es einem schwieriger fällt, dass man deren Unterstützung einfordert oder um Hilfe bittet. Dass man vielleicht auch zusammen mal Essen geht oder sich das Essen vor die Tür stellen lässt, oder Essen bringen lässt und dann ist es natürlich wichtig, dass man sich ein bisschen damit beschäftigt, was vertrage ich gerade, was kann mir gerade guttun, wie sorge ich für Abwechslung auf dem Teller. Zum Beispiel orientiert man sich an dem Essen, das gerade Saison hat. Also an dem Gemüse und an dem Obst, das bei uns vielleicht gerade im Moment Saison hat, was regional ist. Damit ich mal wieder auf neue Ideen für den Speiseplan komme, und wenn man jetzt Probleme hat zum Beispiel, wenn man häufig Therapien hat, häufig beim Arzt sitzt, und längere Wartezeiten hat, das man sich dann auch immer etwas einpackt zum Mitnehmen, was man vor Ort essen kann, zwischendurch. Da eignen sich Nüsse. Studentenfutter gibt es auch in guten Abpackungen oder man hat immer sein Döschen dabei, wo ein kleiner Snack drin ist, der einem ein bisschen Energie gibt. Oder man plant Mahlzeiten ein bisschen längerfristig vor, weil man die Möglichkeiten hat und einen größeren Gefrierschrank hat. Dann kann man immer mal mehrere Portionen kochen, wenn man sich sowieso schon in die Küche stellt und kocht da nicht eben für eine Portion, sondern mal 5 Portionen und friert das immer ein, sodass man auch in den Phasen, wo man sich körperlich nicht so fit fühlt, sich das ganz, ganz einfach macht ein gutes Essen zu bekommen, indem man einfach ja auf die eingefrorene Ware zurückgreift. Aber das muss nicht unbedingt selbst gekocht sein, das darf natürlich auch ein Tiefkühlprodukt sein, was jemand anders gekocht hat.

Lars [00:12:20] Alex, wie war das während Deiner Therapie, also mit dem Essen? Was war da die größte Herausforderung für Dich?

Alex [00:12:27] Ich würde sagen, die Mundschleimhautentzündung, also die Mukositis, die hat es mir am schwersten gemacht, was zu essen. Und auch vielleicht das nicht ganz so leckere Essen im Krankenhaus, was nicht unbedingt Appetit anregend wirkt, aber ganz kurz, um auf das einzugehen, was die Camilla gesagt hat, sich Unterstützung zu holen von Freunden oder Bekannten. Es ist ja auch tatsächlich so, dass ganz viele Leute helfen wollen aber gar nicht so genau wissen wie. Ich glaube, ich werde nichts häufiger gefragt, als von Angehörigen, die sagen, wie kann ich irgendwie meinem Vater helfen oder meiner Nachbarin helfen und ich glaube, wenn man sich da als Krebspatient überwindet, für viele ist es nämlich eine Überwindung, zu sagen: „Ich würde mich total freuen, wenn du mir was kochst“, dann ist allen geholfen. Der Krebspatient bekommt was zu Essen und die Angehörigen oder Bekannten haben auch das Gefühl, sie konnten was tun. Also da würde ich gerne alle dazu ermutigen miteinander zu sprechen und da auch ganz ehrlich zu sein: „Ich brauche Hilfe beim Kochen oder ich würde mir wünschen, dass du dich für mich in die Küche stellst“, weil manchmal fühlt man sich einfach nicht danach, wenn man unter Therapie ist und möchte vielleicht nicht in der Küche stehen und mit Lebensmitteln hantieren, weil man eh schon so ein bisschen mit Übelkeit zu kämpfen hat. Ich glaube, dass das ein super Weg ist, auch für Angehörige, das Gefühl zu haben, ich konnte irgendwie was tun, was Praktisches. Ja, wollte ich nur kurz so einwerfen, das fand ich superwichtig.

Lars [00:13:47] Ja, sehr gut. Und wie hast Du das während der Therapie im Krankenhaus gemacht? Also was waren das für Tricks, also wenn die Entzündung im Mund ein bisschen zurückging, wie hast Du es da gemacht? Worauf hattest Du Appetit?

Alex [00:13:59] Ja, wir hatten leider keine Küche, keine Küche für Patienten, deswegen blieb nicht viel übrig. Ich wurde ja auch in Münster behandelt und wohne in Köln. Das heißt, da lagen zwei Stunden Autofahrt zwischen, deswegen konnte man auch schwer zu Hause was kochen, das irgendwie mitbringen. Das haben meine Eltern zwar manchmal gemacht, tatsächlich, aber meistens haben wir was zu essen bestellt und das dann liefern lassen, weil ich das Krankenhausessen nicht ertragen konnte, wenn ich schon das orangene Tablett gesehen habe, worauf das Essen serviert wurde, sage ich mal: „Boah da war es schon vorbei“, deswegen mussten wir leider meistens bestellen.

Lars [00:14:34] Aber Du hattest Appetit?

Alex [00:14:35] Meistens schon, tatsächlich ja, und einfach auch Hunger.

Lars [00:14:38] Ich würde jetzt noch mal kurz auf das Thema Flüssigkeitszufuhr zu sprechen kommen, Camilla, damit haben ja sehr viele Menschen, selbst die, die jetzt nicht an Krebs erkrankt sind ihre Schwierigkeiten. Hast Du einen Tipp, wie man trotz vermindertem Durstgefühl oder erhöhtem Bedarf mehr trinken kann? Also auch, wenn man es soll?

Camilla [00:14:58] Ja, also es empfiehlt sich ja anderthalb bis zweieinhalb Liter zu trinken pro Tag also die anderthalb beziehen sich auf gesunde Patienten, die zweieinhalb oder das hat dann eigentlich kein Ende auf Patienten, die vielleicht auch unter Therapie sind, die bisschen mehr Wasser zuführen müssen, weil sie auch die Stoffwechselprodukte ausschwemmen müssen oder wenn man Fieber oder Durchfall hat, dann erhöht sich da auch der Bedarf oder einfach nur bei warmen Wetter. Ja, also das ist immer so eine Zahl. Die macht dann vielen Bauchschmerzen, die das nicht so können zu trinken und ich finde es gut, wenn man die Möglichkeit immer hat zu trinken, also wenn man am Schreibtisch sitzt, wenn man am Küchentisch sitzt oder auf der Couch, dass man immer eine Karaffe voll mit Wasser stehen hat oder mit dem Getränk, was man trinken möchte, kalten Tee, warmen Tee, dass man sich selber auch erlaubt, da die Bandbreite anzupassen und auch sagt: „Ich trinke mal eine Apfelschorle“, du bekommst direkt Durst, das ist gut.

Lars [00:15:43] Da kriegt man direkt Durst.

Camilla [00:15:44] Du bekommst direkt Durst. Das ist gut.

Lars [00:15:46] Genau, ich schenke mir hier was ein ins Glas, ein bisschen Wasser.

Camilla [00:15:49] Ansonsten muss es nicht das stille Wasser sein. Manchen tut auch das Sprudelwasser gut, wenn sie nicht gerade die Mukositis haben, oder man ergänzt das Wasser und macht eine Zitronenschale rein oder eine Orangenschale, also eine Orangen- oder Zitronenscheibe meine ich. Gurke, Minze, da kann man sich so überlegen, auf was man Appetit hat und das einfach mal ausprobieren, ob einem das gut tut. Und für viele gibt es auch Getränke-Apps. Das sind die, die vielleicht ein bisschen eher technisch affin sind, da gibt es tatsächlich Apps, die man sich runterladen kann und einen auch ans Trinken erinnern, wenn man selber schon nicht auf die Idee kommt.

Lars [00:16:21] Alex, wie war das bei Dir mit dem Trinken? Hat das geklappt?

Alex [00:16:25] Ich hatte ehrlich gesagt auch fast gar keinen Durst mehr, weil ich auch während der Chemo mir immer gewässert wurde, sozusagen durch die Infusion. Also das war wirklich literweise Wasser, was da am Tag durch mich durchgelaufen ist und ich habe auch wahrscheinlich nicht genug getrunken während der Therapie und habe dann gedacht, ich trinke lieber das worauf ich Lust habe, und das war dann eben kein Wasser, sondern sowas anderes.

Lars [00:16:50] Andere Getränke, also Softgetränke, so hört sich das an.

Alex [00:16:55] Zum Beispiel ja oder so Trinkpäckchen oder so also meistens auch so kleine Sachen irgendwie, die eher vielleicht sogar für Kinder sind, aber das war dann irgendwie was, was ich gut trinken konnte. Ich habe mich nur immer, ich weiß noch während der Therapie und auch an dem Tag, nachdem die Chemo abgestöpselt wurde, sozusagen, habe ich mich immer so aufgequollen gefühlt, als hätte ich gerade 2 Liter Wasser in mich reingekippt und ich fand es so schlimm, das Gefühl was zu trinken.

Lars [00:17:22] Wie ist das in dem Fall, Camilla? Wenn man dieses Gefühl hat, dann ist der Flüssigkeitshaushalt, der stimmt dann?

Camilla [00:17:28] Ich denke man sollte schon aufs Durstgefühl hören, obwohl man immer sagt, dass das Durstgefühl eigentlich erst dann kommt, wenn es schon zu spät ist, aber bei der Therapie und wenn man Chemotherapie bekommt, um den Körper gut zu wässern, bekommt man halt viel Flüssigkeit, dann ist das nicht so entscheidend, also eher in den Zeiträumen zwischen der Therapie, dass man viel trinkt und dass man vielleicht das dann auch schlückchenweise nur macht, also nicht gleich ein ganzes Glas, sondern einfach mal ein Schluck, damit die Schleimhaut wieder befeuchtet ist. Damit da auch wieder ein gutes Mundgefühl herrscht, also auch da darf man auf seinen Körper hören.

Lars [00:17:58] Camila, hast Du ein paar Tipps? Wie ist es bei starkem Gewichtsverlust? Was kann man da machen? Also wenn man während der Therapie so viel Gewicht verliert, wie, mit welchen Tricks kann ich da arbeiten?

Camilla [00:18:08] Also wenn es wirklich so ein starker Gewichtsverlust ist, würde ich mir auf jeden Fall Hilfe holen. Vielleicht in Form von Ernährungsberatung, aber für die kurzfristige, kurze Hilfe. Man kann natürlich die Ernährung, die man so zu sich nimmt, ein bisschen anreichern, also die Extraportion Eiweiß, die Extraportion Fett, das macht man zum Beispiel so, wenn man etwas kocht. Ja, mein Standardbeispiel sind immer Eierkuchen zum Beispiel oder Kartoffelpüree. Die lassen sich prima ergänzen, indem man noch mal ein extra Stück Butter reinmacht oder einen Schuss Sahne dazu rührt. Und Sahne und Butter sind so ganz gute Hilfsmittel, um ein bisschen mehr Energie und ein bisschen mehr Eiweiß auch ins Essen zu kriegen, damit man nicht so ein starkes Kaloriendefizit hat. Aber wenn man wirklich sehr, sehr viel Gewicht verliert und sich nicht mehr wohlfühlt, dann muss man immer sofort seinen Arzt darüber informieren und darf auch nicht zu lange warten, weil der Gewichtsverlust, das sind meistens Muskeln und das schadet uns langfristig sehr.

Lars [00:19:01] Alex, ich frag Dich noch mal, wie war das bei Dir? Was hat Dir geholfen, wenn Du, weiß nicht, Beschwerden, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder keinen Durst hattest? Mit welchen Tricks hast Du da gearbeitet?

Alex [00:19:10] Ich muss gerade schmunzeln über die Kartoffelpüree Geschichte. Meine Tante hat mir nach meiner ersten Chemo, da war ich fast zwei Wochen im Krankenhaus, hier zu Hause was gekocht und das war das erste richtige Essen, was ich wieder zu mir genommen habe, und das war Kartoffelpüree und ich glaube Brokkoli oder so. Und das Kartoffelpüree, das war glaube ich fünfzig-fünfzig Kartoffeln und Butter, das war so buttrig.

Lars [00:19:32] Ok.

Alex [00:19:36] Aber ich habe es gegessen und ich fand es toll. Deswegen muss ich gerade grinsen. Ja, ich glaube als Tipp würde ich sagen, dass man vielleicht guckt, dass man gemeinsam isst und eben das, worauf man Lust hat. Wenn man mit Freunden oder mit Familie am Tisch sitzt, dann fällt einem immer noch ein bisschen leichter was zu essen, weil das ganze ja dann auch irgendwie schön wird und nicht nur Nahrungsaufnahme ist.

Lars [00:19:59] Und was sollte man lieber nicht tun?

Alex [00:20:01] Ich glaube, wenn man sich zu viel Druck macht oder auch Druck gemacht bekommt von Angehörigen, das kommt auch tatsächlich manchmal vor, dass Leute sagen: „Du musst jetzt was essen.“ Das ist natürlich nur Sorge, aber ich glaube, das lässt dann auch nur das letzte Fünkchen Appetit erlöschen. Also wenn man da ohne Druck rangeht, und vielleicht versucht, das Ganze auf Genuss und Spaß auszulegen, ist es vielleicht leichter. Das ist natürlich schwierig. Man kann auch die Angehörigen verstehen, die sich natürlich Sorgen machen, aber wenn man einfach nicht kann, es bringt ja auch nichts sich zum Essen zu zwingen und sich dann später wieder zu übergeben, also vielleicht lieber was Kleines essen und sich darüber freuen, als sich zu etwas Großem zu zwingen.

Lars [00:20:41] Ich frag Dich noch mal, Camilla: „Welche Tipps hast Du abschließend für Betroffene und ihre Angehörigen?“

Camilla [00:20:48] Also ich kann da eigentlich nur einhaken in das, was Alex sagt. Wenn man Unterstützung sich holen kann, dann sollte man die auf jeden Fall auch annehmen, auch seinen inneren Stolz vielleicht überwinden und sagen: „Nein ich find das schön, dass sich jemand um mich kümmert, schön, dass jemand auf mich zukommt, mir Hilfe anbietet.“ Und dann muss man auch die Kommunikation ganz gut pflegen. Also jeder hat so seine Vorstellung von der Therapie, der Patient steht natürlich im Mittelpunkt, aber die Angehörigen sind so drum rum, und die haben ihre Vorstellung: „Ich würde mir wünschen, dass du mehr essen könntest.“ Und da geht das manchmal ein bisschen auseinander mit der Kommunikation. Also auch da ist Reden an allererster Stelle, das erste Gebot, dass man sich darüber austauscht, wie die Vorstellungen sind, wie die Wünsche. Vielleicht daneben noch ist es wichtig, sich Hilfe einzugestehen oder sich einzugestehen, dass man vielleicht in manchen Teilen hilfsbedürftig ist, dass man vielleicht nicht nur Hilfe beim Essen zubereiten braucht, sondern vielleicht auch eine psychologische Unterstützung. Ja, das ist überhaupt nicht schlimm, wenn man das weiß, dass man sich da entsprechend Hilfe holen kann. Oder einem fällt auf, der Haushalt ist nicht mehr so geführt, wie vorher. Und das belastet vielleicht noch zusätzlich, weil man schon immer ein ordentlicher Mensch war. Auch dann kann man sich das Eingestehen und vielleicht eine Haushaltshilfe holen. Also Kommunikation das A und O. Reden Sie mit ihren Angehörigen, was Sie bedrückt und was Sie belastet und die Angehörigen sollten genauso sagen, in welcher Situation sie sich fühlen und dann kommt man am ehesten auf einen Nenner.

Lars [00:22:12] Alex, ich glaube, das kannst Du auch so unterstreichen, oder?

Alex [00:22:15] Auf jeden Fall, ja. Also ich hatte keine Probleme damit, mir und auch vor anderen zu sagen, ich brauche Hilfe, ich kann es nicht mehr alleine. Aber ich weiß von ganz vielen anderen Krebspatienten, dass sie große Probleme damit haben. Und ich meine, es ist keine Schande zu sagen: „Bitte hilf mir dabei“ oder auch einfach nur Hilfe zuzulassen, denn ganz oft wird sie ja auch angeboten. Und ich glaube, dieses vielleicht „was gekocht bekommen und dann zusammen essen“ ist eine super Möglichkeit, auch Hilfe zuzulassen. Das hilft glaube ich sogar auf beiden Seiten. Nicht nur dem Krebspatient, sondern eben auch dem Angehörigen, weil er das Gefühl hat, er kann was tun. Ja, und die psychologische Hilfe. Ich find es richtig toll, Camilla, dass Du das angesprochen hast, können übrigens auch Angehörige in Anspruch nehmen. Nicht nur der Krebspatient selbst, sondern auch Angehörige haben Anspruch auf eine Sitzung beim Psychoonkologen, das Wissen ganz viele nicht. Denn Krebs betrifft natürlich den Patienten, aber auch die ganze Familie. Und ich finde es ganz wichtig zu erwähnen, dass auch die Angehörigen die Möglichkeit haben, sich psychotherapeutische Unterstützung zu holen.

Lars [00:23:17] Ja, Alex ein super Hinweis, total wichtig. Ich gehe noch mal ein Stückchen zurück. Alex, wie war das bei Dir mit diesen Beschwerden, mit der Übelkeit? Was hast Du da gemacht, als da nichts mehr ging?

Alex [00:23:28] Ich muss sagen, ich habe mich ein bisschen allein gelassen gefühlt mit dieser Übelkeits-Geschichte, weil mir nichts wirklich geholfen hat, außer eben Medikamente und ich hätte da gerne selber ein bisschen was tun können. Aber man weiß halt einfach als Laie nicht wie. Aber vielleicht hat Camilla ja Tipps und Ideen als Expertin.

Lars [00:23:46] Da gehe ich von aus.

Camilla [00:23:48] Also zum einen ist es gar nicht so schlimm, dann wirklich die Medikamente in Anspruch zu nehmen, ganz im Gegenteil. Bevor man das riskiert, dass einem übel ist und dass man ständig bricht, muss man mit dem Arzt mal besprechen, wie die Antiemese aussieht. Also die Antiemese, das ist das Fachwort für die Medikamente, die man einnimmt, damit es einem nicht schlecht wird. Weil das einfach die Chemotherapie bedingt. Die Chemotherapie sorgt dafür, dass es uns schlecht wird und dafür bekommt man Medikamente und einfach mit dem Ziel auch, dass man weiter Essen kann, dass es einem gut geht und Übelkeit ist ja wirklich ein ganz, ganz furchtbares Gefühl. Das will man ja nicht haben. Das ist sehr stark belastend und die Lebensqualität schränkt sich da sehr ein. Also in erster Linie muss man gucken, ob man wirklich medikamentös gut versorgt ist und wenn der Arzt da sagt: „Ja, Sie sind da bestens versorgt und aufgestellt“, dann gibt es noch so ein paar Sachen, die man selber machen kann, die einem vielleicht helfen. Dann überlegt man vielleicht, woher kommt denn die Übelkeit? Bei manchen ist die vielleicht auch ein bisschen mit Angst verbunden, mit dem Gefühl, oh je, jetzt muss ich da wieder zur Therapie und ich habe Angst und ich weiß nicht, wie sieht es nächste Woche aus und wie geht es mir dann? Dann hilft es vielleicht, wenn man sich auf solche Atemtechniken fokussiert. Die werden häufig auch beim Yoga umgesetzt und einfach mal tief atmen, tief einatmen und frische Luft in sich aufnehmen. Ja, das hilft schon manchmal, um so ein bisschen Angstgefühle und Spannungen zu lösen. Wenn das nichts hilft und die Angst dahinter gar nicht so das Problem ist, dann kann man es versuchen mit Minze, Ingwer oder Zitrone. Also das sind tolle Lebensmittel, die haben schöne ätherische Öle. Je nachdem auf was man Lust hat, also Ingwer ist natürlich so ein Gewürz, das kann man vielleicht für einen kurzen Zeitraum ertragen. Aber Zitrone und Minze, das hilft den meisten auch ganz gut, das einfach einzuatmen oder ins Wasser zu tun, oder in ein Stückchen Zitrone reinzubeißen, um diese Übelkeit zu bekämpfen. Und was man noch machen kann, man kann Akupressur machen.

Lars [00:25:34] Ok.

Camilla [00:25:35] Am Handgelenk, ungefähr so einen Daumen breit unter dem Handgelenk, unter der Handgelenksfurche gibt es so einen Punkt, wenn man den drückt, der heißt P6-Punkt, der Nei Guan, da kann man reindrücken, und der soll helfen bei Übelkeit. Diesen Punkt zu drücken……

Lars [00:25:48] Egal an welcher Hand?

Camilla [00:25:50] Genau, an beiden Händen sind das diese Punkte. Vielleicht kennt Ihr das von der Reiseübelkeit, da gibt es solche Bänder, die man sich um die Hand machen kann. Und da gibt es an dem Band einen Knopf dran und der drückt dann dauerhaft auf diesen P6-Punkt. Und manchen hilft das auch, also da gibt es schon Sachen, die man selber in die Hand nehmen kann.

Alex [00:26:04] Mir hat es auch super geholfen. Ich hatte das in der Grundschule immer. In der Grundschule auf Klassenfahrt musste ich die immer anziehen, weil mir im Bus immer schlecht geworden ist, hat mir auch geholfen.

Camilla [00:26:12] Es hat Dir geholfen, ja? Und jetzt? Hast Du es dann noch mal ausprobiert in der Therapie?

Alex [00:26:16] Nee, das war so aus meinem Kopf raus. An sowas denkt man erstmal nicht.

Camilla [00:26:21] Ja genau, wenn Du mal wieder unter Übelkeit leidest, egal aus welchem Grund, ist es vielleicht eine Lösung.

Alex [00:26:27] Ich werde mich dran erinnern.

Camilla [00:26:29] Genau. Also da gibt es auch Studien dazu.

Lars [00:26:31] Dass, das hilft?

Camilla [00:26:31] Dass das wirklich hilft, genau.

Lars [00:26:33] Alex, kommt Dir ein bisschen was davon bekannt vor, was Camilla gerade gesagt hat? Also hattest Du Sprudelwasser mit Zitrone oder Ingwer?

Alex [00:26:41] Ich habe tatsächlich das Krankenhauswasser mit so einem Zitronensaft gemischt, weil ich es irgendwann einfach nicht mehr ertragen konnte, diesen Geschmack immer vom selben Wasser. Aber es ist auch im Krankenhaus gar nicht so leicht, an ja zum Beispiel Ingwer zu kommen. Wenn man jetzt nicht davon ausgeht, dass nicht jeden Tag jemand vorbeikommt, der für einen Einkaufen geht, dann muss man sich echt vorbereiten vielleicht. Also da kann man, wenn man so einen Leitfaden hat, kann man sich natürlich auch gut vorbereiten.

Camilla [00:27:09] Ja, also es muss nicht unbedingt frischer Ingwer sein. Es gibt auch gute Aromaöle, die müssen eine gute Qualität haben und hundert Prozent rein sein, dann sind das auch Öle, die man so einatmen kann, die man in der Tasche haben kann, wenn man das weiß.

Lars [00:27:20] Ja, Wahnsinn. Total viele praktische Tipps, Camila. Danke schön.

Camilla [00:27:23] Ja, sehr gerne.

Alex [00:27:24] Danke schön. Hätten wir doch mal vorher gesprochen.

Lars [00:27:29] Alex, gibt es irgendwas, was Du noch sagen möchtest? Betroffenen draußen, was Dir auf der Seele brennt.

Alex [00:27:34] Ja, hat nichts mit dem Thema Ernährung zu tun, aber haltet durch, das Leben wartet und bleibt tapfer.

Lars [00:27:39] Ja, Camilla, das letzte Wort für Dich?

Camilla [00:27:43] Das letzte Wort, ich kann da gar nichts dazu ergänzen. Ich finde das ganz toll, wieviel Mut Alex aufbringt, wieviel Mut er anderen gibt, und möchte Alex´ Wort so stehen lassen.

Lars [00:27:51] Danke schön, sehr gut. Ja ganz, ganz lieben Dank, Frau Dr. Leithold, liebe Camilla, und lieber Alex, ich denke, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen können sich jetzt dank all dieser vielen hilfreichen Tipps jetzt viel konkreter vorstellen, an welchen Stellen der eigenen Ernährung sie gemeinsam mit ihren Familien positiv schrauben können. Ich nehme eine ganze Menge mit, also nicht nur das Sprudelwasser, sondern auch ein paar andere, viele wertvolle Tipps zum Thema Grundumsatz, Einkaufen, Flüssigkeitsaufnahme. Insgesamt finde ich eine sehr schöne Folge und ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal. Ich verabschiede mich von Euch beiden. Danke Camilla, danke Alex. Danke schön.

Camilla [00:28:33] Vielen Dank. Bis bald.

Lars [00:28:35] Und von Ihnen zu Hause, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wo auch immer Sie uns gerade hören, morgens auf dem Weg zur Arbeit, beim Kochen oder auch kurz vorm Einschlafen, machen Sie es gut. Bis bald.

Lars [00:28:47] Vielen Dank, dass Sie heute dabei waren. Wir freuen uns auf Anregungen, Ideen oder Themenvorschläge für „Mein Krebsratgeber zum Hören“ oder möchten Sie Ihre Geschichte mit uns teilen? Schreiben Sie uns gerne eine e-Mail. Im Beschreibungstext finden Sie alle weiteren Informationen und Adressen.

Referenzen

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (dkfz): Psychische Faktoren als Ursache für Krebs - was hält die Bevölkerung von dieser Theorie? (Stand 29.08.2017). Abrufbar unter: https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/dkfz-pm-17-43-Psychische-Faktoren-als-Ursache-fuer-Krebs.php. Letzter Zugriff am 15.07.2022
Onko Internetportal: Professionelle psychologische Betreuung bei einer Krebserkrankung (Stand: 23.08.2018). Abrufbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebs-und-psyche/professionelle-psychologische-betreuung-bei-einer-krebserkrankung.html. Letzter Zugriff am 17.12.2019
Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland, Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut für 2017/2018, Robert Koch-Institut (Hrsg). Berlin, 2021. Abrufbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2021/krebs_in_deutschland_2021.pdf?__blob=publicationFile. Letzter Zugriff am 15.07.2022
Leitlinienprogramm Onkologie (AWMF, Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Stiftung Deutsche Krebshilfe): Patientenleitlinie – Psychoonkologie, Psychosoziale Unterstützung für Krebspatienten und Angehörige. Berlin, 2016. Abrufbar unter https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html. Letzter Zugriff am 17.12.2019
Schulz H et al.: Psychoonkologische Versorgung in Deutschland: Bundesweite Bestandsaufnahme und Analyse, Wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (2018). Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Hrsg). Abrufbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Berichte/PsoViD_Gutachten_BMG_19_02_14_gender.pdf. Letzter Zugriff am 17.12.2019
Starostzik C: Depressionen, Mythos Krebsrisiko? Ärzte Zeitung Online (Hrsg). Veröffentlicht am: 04.11.2013. Abrufbar unter: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Mythos-Krebsrisiko-268337.html. Letzter Zugriff am 17.12.2019.
Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (dkfz): Psychische Einflüsse auf die Krebsentstehung. Gibt es die Krebspersönlichkeit? Macht Unglück krank? (Stand: 02.10.2019). Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/psyche-und-krebsrisiko.php#inhalt3. Letzter Zugriff am 17.12.2019.
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