Behandlung einer Depression
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Behandlung einer Depression

Behandlung einer Depression

In der Regel wird bei einer mittleren bis schweren Depression eine medikamentöse Therapie mit einer Psychotherapie kombiniert, deren Wirkung sich ebenfalls über einen längeren Zeitraum entfaltet. Die Heilung ist ein Prozess, der mehrere Monate in Anspruch nehmen und zu Rückfällen führen kann.

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Die richtige Therapie finden

Eine Therapie braucht Zeit, geben Sie sich diese. Auch wenn viele von einer Depression Betroffene bereits nach relativ kurzer Zeit – in etwa zwei bis drei Wochen nach Beginn einer medikamentösen Therapie – eine Verbesserung ihrer depressiven Symptome verspüren, gehört zur Wahrheit auch, dass ebenfalls viele Betroffene erst das Medikament finden müssen, das bei ihnen verlässlich gegen die Krankheit wirkt. Erfreulicherweise gibt es heutzutage eine Reihe sehr wirksamer Medikamente, sodass fast jede:r eine Therapie finden kann, die anschlägt.

Übersicht der Therapieverfahren #GemeinsamGegenDepression

Pharmakotherapie – Die Behandlung mit Medikamenten
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Behandlung: Pharmakotherapie – Die Behandlung mit Medikamenten #GemeinsamGegenDepression

Die Behandlung einer depressiven Episode mit antidepressiven Medikamenten ist ein wichtiger Bestandteil der meisten Therapien von mittelgradiger und schwerer Depression. Darunter versteht man Arzneimittel, die bestimmte Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, und damit Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen und so die psychische Verfassung verändern. Die heutigen Psychopharmaka zeigen in der Regel eine hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit.

Wichtige Grundlage jeder Therapie ist ein vertrauensvolles Gespräch zwischen Ärztin oder Arzt und Patient:in, um offen über alle Bedenken zu sprechen und persönlichen Nutzen und evtl. Nebenwirkungen eines Wirkstoffs einander gegenüberzustellen. Ziel sollte es sein, über eine individuelle Therapielösung gemeinsam zu entschieden.

Psychopharmaka sind eine Hilfe bei schweren Depressionen

Gerade bei schweren Depressionen sind Antidepressiva besonders hilfreich. Denn diese befähigen die Betroffenen wieder, aus ihrer Zurückgezogenheit herauszukommen und für psychotherapeutische Behandlung sowie andere Unterstützungsangebote besser zugänglich zu werden.

Die gängigen Medikamente, die sogenannten klassischen Antidepressiva zielen auf eine Erhöhung von Botenstoffen (Monoaminen) im synaptischen Spalt ab (z.B. Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) und tragen dazu bei, das aus der Balance geratene chemische Gleichgemacht im Gehirn wiederherzustellen. Diese sogenannten klassischen Antidepressiva beruhen auf der Monoaminhypothese als neurobiologische Ursache einer Depression (erfahren Sie mehr unter "Ursachen").
Bei modernen Therapien steht die Wirkung auf die Neuroplastizität des Gehirns im Fokus. Hierbei kann die Fähigkeit des Gehirns unterstützt werden, neue Synapsen zu bilden oder zu verdichten. Eine Zunahme synaptischer Verbindungen kann damit insgesamt zu einer bessern Vernetzung im Gehirn beitragen.


Die Chance auf einen Therapieerfolg ist gut: Nach sechs Monaten Behandlung sind 50–63 % der Erkrankten symptomfrei, nach zwölf Monaten sind es sogar 76 %.

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Allerdings geht man davon aus, dass es in etwa der Hälfte der Fälle im Laufe des Lebens zu einer weiteren depressiven Phase kommt.
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Vielen Patient:innen helfen die gängigen Antidepressiva sehr gut, jedoch kann bei manchen Betroffenen das gewünschte Therapieziel nicht erreicht werden. Es bedarf neuer Wirkansätze in der antidepressiven Therapie. Erfahren Sie mehr unter Ursachen "Neuroplastizität".


Generell wirken Antidepressiva stimmungsaufhellend und antriebssteigernd. Die zahlreichen Wirkstoffe unterscheiden sich aber in ihren konkreten Wirkungen und Nebenwirkungen. Zudem reagiert jede:r Patient:in ein wenig anders auf Psychopharmaka.

Biologische Therapien können bei leichten Depressionen helfen

Johanniskraut

Johanniskraut ist ein freiverkäufliches, pflanzliches Antidepressivum. Neuere Studien bescheinigen ihm eine ähnliche Wirksamkeit wie der häufig verschriebenen SSRI Citalopram. Zudem scheint es sich gut zur Behandlung von leichten Verläufen zu eignen. Das ist bedeutsam, denn viele der anderen Antidepressiva wirken zwar gut bei mittelgradigen und schweren Verläufen – nicht aber bei leichten. Da allerdings Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt sind, sollte die Einnahme zuvor mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen sein.

Lichttherapie
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Saisonale Depressionen oder Winterdepressionen werden durch Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit hervorgerufen. Wird dafür gesorgt, dass genug Licht in die Augen gelangt, verbessern sich die Beschwerden. Die entsprechenden Lampen für die Lichttherapie sind zwar bezahlbar, die Kosten werden jedoch nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Sonnenbank eignet sich übrigens nicht zur Behandlung, da sie nur ultraviolettes Licht ausstrahlt, welches sehr schädlich für die Augen ist. Deswegen muss auf der Sonnenbank eine Schutzbrille getragen werden. Mehr zu den verschiedenen Formen der Depression finden Sie im Kapitel „Formen der Depression“.

Schlafentzugs – und Wachtherapie

Diese Therapieoption kann ergänzend zur antidepressiven Behandlung eingesetzt werden. Durch Schlafentzug in der zweiten Nachthälfte kann ein antidepressiver Effekt häufig bereits am nächsten Tag beobachtet werden, wobei der Effekt in der Regel kurz anhaltend ist.

Weitere Therapien

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT)
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Die Elektrokonvulsionstherapie (auch Elektrokrampftherapie) wird überwiegend bei Betroffenen mit sehr schwer ausgeprägter depressiver Episode oder therapieresistenter depressiver Störung eingesetzt. Hierbei wird ein kurz dauernder (ca. 30-60 Sek.) epileptischer Anfall im Gehirn ausgelöst. Dadurch, dass die Behandlung in einer kurzen Vollnarkose und unter Einsatz von muskelentspannenden Medikamenten durchgeführt wird, ist die Behandlung für den Patienten nicht schmerzhaft.

Wie funktioniert die Psychotherapie?

Die Wahl der passenden Therapieform #GemeinsamGegenDepression

Es gibt zahlreiche psychotherapeutische Ansätze für die Behandlung einer Depression, die sich auf den ersten Blick zwar stark ähneln, aber doch auch entscheidende Unterschiede aufweisen. Das klassische Bild des:der erzählenden Patient:in auf der Couch mit dem:der schweigend nickenden Therapeut:in dahinter trifft nur auf wenige Varianten, wie die analytische Therapie, zu.

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Für die Behandlung der Erkrankung eignen sich insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sowie die systemische Therapie. Diese vier Varianten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Gesprächspsychotherapie und die interpersonelle Psychotherapie sind ebenfalls gute Optionen bei Depression. Allerdings erfolgt die Behandlung mittelgradiger bis schwerer Depression in der Regel im Zusammenspiel mit einer medikamentösen Therapie.

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Psychotherapie hilft besonders gut, wenn man überzeugt mitarbeitet. Die Wahl der passenden Therapieform ist daher entscheidend.

Den verschiedenen Ansätzen ist das Ziel gemeinsam, im Gespräch mit den Betroffenen ein psychisches „Problem“ zu fassen, um dieses anschließend auf die eine oder andere Weise aufzulösen. Nicht alle eignen sich für jeden Persönlichkeitstyp gleich gut, deshalb lohnt es sich, sich vorher eingehend zu informieren und den richtigen Ansatz gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.

Die (kognitive) Verhaltenstherapie

Dabei handelt es sich um eine weit verbreitete und gut untersuchte Form der Psychotherapie, die sich auf konkrete aktuelle Probleme konzentriert. Die Grundidee der Therapie ist die Annahme, dass unser Denken auch unser Fühlen und Handeln beeinflusst.

Tendieren Gedanken zum Beispiel dazu, gewisse Situationen immer negativ zu interpretieren, so wie: „Ich bekomme keine Antwort auf meine Textnachricht: Dieser Person scheine ich egal zu sein“. Dann wird diese Interpretation schlechte Gefühle nach sich ziehen und dadurch auch den Umgang mit dieser Person beeinflussen. Diese nachteiligen Denkmuster wurden erlernt und können demnach auch durch neu erlernte – realistischere, positivere – Denkmuster ersetzt werden. Anstelle von: „Dieser Person bin ich egal“ tritt dann: „Diese Person hat wieder ganz schön viel um die Ohren.“

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Die analytische Psychotherapie

Die analytische Psychotherapie geht auf Sigmund Freud zurück und nimmt an, dass es normales und krankhaftes Verhalten gibt, welches seinen Ursprung in inneren, unbewussten Konflikten nimmt. Um diese Konflikte aufzuspüren, werden das Unterbewusste und die Vergangenheit der Betroffenen analysiert. Durch das Verständnis des Entstehens und des wiederholten Durchlebens soll es zu einer Verbesserung der Beschwerden kommen.

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Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie hat sich aus der analytischen Therapie heraus entwickelt. Sie geht von einem „zentralen Konflikt“ aus. Über das bewusste Durchleben von Zusammenhängen und Ursachen des zentralen Konflikts soll dieser aufgelöst und die Symptome dadurch abgemildert werden und so zum Heilungsprozess beitragen.

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Die verschiedenen Psychotherapieformen #GemeinsamGegenDepression

Die systemische Therapie

Menschen sind nicht allein auf der Welt, sondern leben in einem sozialen Gefüge mit anderen Menschen, mit Familie und Freund:innen. Dieses individuelle System aus Verbindungen und ihren Dynamiken stehen bei dieser Therapie im Vordergrund. Der:die Therapeut:in hilft dabei, das System zu analysieren, Gründe für die aktuellen Probleme zu finden und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

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7 Stationen auf dem Weg zur Überwindung der Depression
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7 Stationen auf dem Weg zur Überwindung der Depression #GemeinsamGegenDepression

Mit dem Beginn der Therapie werden ihre Symptome langsam wieder verschwinden. Das kann allerdings mehrere Wochen dauern und auch die Reihenfolge kann bei jeder Person variieren. Aber mit jeder erreichten Station werden sie mehr Kraft haben und die nächste leichter erreichen. Helfen Sie dabei mit: nehmen sie Ihre Medikamente regelmäßig und verpassen Sie keine Psychotherapie-Termine.

Icon Mond - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 1: Erholsamer Schlaf

Mit einem besseren, erholsameren Schlaf werden Sie wieder genug Energie für den nächsten Tag tanken können. Gut ausgeruht geht alles viel leichter von der Hand und auch der Schlaf-wach-Rhythmus normalisiert sich dadurch. Mit den richtigen Maßnahmen zur Schlafhygiene wird diese Entwicklung unterstützt: Gehen Sie nur schläfrig ins Bett und vermeiden Sie Einnicken vor dem Fernseher sowie Tagesschlaf von mehr als 30 Minuten. Nutzen sie bestenfalls weder Computer noch Handy oder Tablet im Bett und stehen Sie immer zur ähnlichen Zeit auf.

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Icon Rettungsring - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 2: Weniger Angst

Oft gehen Depressionen mit Ängsten einher. Dank der Therapie werden sie mehr und mehr schwinden.

Icon Sanduhr - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 3: Momente des Wohlbefindens

Ruhe kehrt zurück. Die Gemütslage wird stabiler und Phasen des „sich wohlfühlen“ werden zunehmend häufiger. Diese Entwicklung nehmen Sie bewusst wahr.

Icon Essen - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 4: Der Appetit normalisiert sich

Essen – insbesondere gesunde Ernährung – stärkt Körper und Geist. Beobachten Sie wie sich Ihr Appetit normalisiert. Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken werden weniger. Ihr Körper wird Ihnen sagen, was er braucht. Allerdings: Ein sehr starker Appetit kann eine Nebenwirkung der Medikamente sein. Sprechen Sie gegebenenfalls mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Icon Sonne - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 5: Besseres Selbstwertgefühl

Mehr Energie und Aktivitäten geben Ihnen das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Das hebt die Stimmung und das Selbstwertgefühl kehrt Stück für Stück zurück.

Icon Glühbirne - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 6: Die Zuversicht wird stärker

Mit Zufriedenheit im Hier und Jetzt kehrt Freude auf den nächsten Tag zurück. Das macht zuversichtlich für die Zukunft.

Icon Zahnrad - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Station 7: Klare Gedanken

Die Nebelschwaden der Grübelei und der dunklen Gedanken lösen sich auf. Sie nehmen wieder aktiv am Leben teil und planen Ihre Zukunft.

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Referenzen

S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression, Langfassung, 2. Auflage, Version 5; S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage. Version 5 (dgppn.de) (letzter Zugriff 09.02.2022)
TK – Die Techniker Krankenkasse. Herbst- und Winterblues. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/wohlbefinden/herbst-und-winterblues-2016428
gi – gesundheitsinformation.de. Wie wirksam sind Psychotherapien? Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wirksam-sind-psychotherapien.html
Therapie.de. Was bezahlt die Krankenkasse? Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.therapie.de/psyche/info/fragen/wichtigste-fragen/was-bezahlt-die-krankenkasse/
gi – gesundheitsinformation.de. Kognitive Verhaltenstherapie. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.gesundheitsinformation.de/kognitive-verhaltenstherapie.html
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Patientenratgeber. Ein- und Durchschlafstörungen. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.dgsm.de/fileadmin/patienteninformationen/ratgeber_schlafstoerungen/2021-09-21_Ein-_und_Durchschlafstoerungen.pdf
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