Was ist eine Depression?
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Was ist eine Depression?

Was ist eine Depression?

Wir alle haben mal schlechte Tage, an denen die Welt einfach trübe erscheint, sich Beschwerden wie Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit oder Interessenverlust breitmachen und wir uns dafür auch noch selbst die Schuld geben. Doch wenn aus den Tagen Wochen oder gar Monate werden, ist aus einer grauen Phase möglicherweise eine Depression geworden. Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die oftmals weit unterschätzt wird. Sollten Sie den Verdacht haben, an einer Depression erkrankt zu sein, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Denn eine Depression ist gut behandelbar, insbesondere wenn sie früh erkannt wird.

Fakten über Depression

  1. Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die heute gut behandelbar ist.
  2. Die meisten Betroffenen werden wieder gesund.
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  3. Sie trifft keine Schuld! An einer Depression kann jeder erkranken.
  4. In der Mehrzahl der Fälle benötigen die Betroffenen zur Bewältigung der Depression ärztliche Hilfe.

Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung zu suchen und Hilfe anzunehmen! Eine Blinddarmentzündung oder ein gebrochener Arm kann schließlich auch nicht ausgesessen oder mit eisernem Willen besiegt werden.

Icon Ausrufezeichen  - Initiative #GemeinsamGegenDepression
Jeder Fünfte ist betroffen

Fast 20 % aller Menschen sind von Depression betroffen – das ist erstaunlich viel.

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Icon Batterie  - Initiative #GemeinsamGegenDepression
Auch junge Menschen leiden

Depression kennt kein Alter. Bereits Kinder und junge Erwachsene können von psychischen Problemen betroffen sein.

Icon: Weiblichkeit - Initiative #GemeinsamGegenDepression
Frauen sind öfter betroffen

Frauen sind zwei bis drei Mal häufiger von einer Depression betroffen als Männer

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Icon: Sanduhr  - Initiative #GemeinsamGegenDepression
Erstbehandlung erfolgt oft viel zu spät

Im Durchschnitt vergehen elf Monate, bevor Menschen, die an einer Depression leiden, eine:n Ärztin oder Arzt aufsuchen.

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Icon: Pfeil zurück  - Initiative #GemeinsamGegenDepression
Rückfallrate ist sehr hoch

Die Wahrscheinlichkeit eines depressiven Rückfalls, insbesondere in den ersten 6 Monaten nach Beendigung der Akuttherapie, liegt bei 80 %.

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Verlaufsformen einer Depression

Bei der unipolaren Depression handelt es sich um die häufigste Form der Erkrankung. Sie verläuft in Phasen: In den depressiven Episoden zeigen die Patient:innen deutliche Symptome der Krankheit, während sie dazwischen beschwerdefrei sind. In der depressiven Episode treten über mindestens zwei Wochen folgende Hauptsymptome bei den Betroffenen auf: depressive, gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdbarkeit (auch nach kleinen Anstrengungen) und Aktivitätseinschränkungen. Zudem können als Nebensymptome auftreten: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen, Schlafstörungen und reduzierter Appetit.

Manche Menschen durchleben nur eine einzige depressive Episode, andere erkranken wiederholt in ihrem Leben (rezidivierende depressive Störung).

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Mehr Informationen zu den Symptomen finden Sie auf der Seite „Symptome und Diagnose einer Depression“.

Die bipolare affektive Störung, auch bekannt als manisch-depressive Erkrankung, zeichnet sich durch beschwerdefreie Phasen im Wechsel mit depressiven und manischen Episoden aus. In den manischen Phasen sind die Betroffenen euphorisch, sehr aktiv und reizbar. Es können Schlaf- sowie Konzentrationsstörungen vorkommen. Häufig erleben Betroffene in dieser Hochphase eine veränderte Wahrnehmung.

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Eine weitere Form der Depression ist die Dysthymie. Diese Erkrankung verläuft chronisch, es gibt keinen eindeutigen Wechsel zwischen beschwerdefreien und depressiven Episoden. Bei der Dysthymie sind die depressiven Symptome nicht so stark ausgeprägt, dauern aber mindestens zwei Jahre ohne Unterbrechungen an.

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Abbildung zur Verlaufsform der Depressionsformen - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Gut zu wissen – Depression und Borderline-Syndrom

Beim Borderline-Syndrom handelt es sich nicht um eine Form der Depression, sondern um eine Persönlichkeitsstörung. Aufgrund von extremen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen stehen die Betroffenen unter einer enormen innerlichen Anspannung, fühlen sich zerrissen und haben ein verzerrtes Selbstbild. Durch riskantes Verhalten, Drogengebrauch und Selbstverletzungen wird versucht, die Anspannung zu reduzieren. Das Borderline-Syndrom tritt selten allein auf: Häufig wird es unter anderem von Depressionen begleitet.

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Depression ist nicht gleich Depression

Je nach Lebensabschnitt und Geschlecht kann eine Depression andere Formen annehmen. Sie kann psychologische, soziale oder biologische Ursachen haben. Meist ist es eine Kombination aus mehreren Faktoren

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. Mehr Informationen dazu gibt es in den Kapiteln „Ursachen einer Depression“ und „Formen einer Depression

Dementsprechend besteht die Behandlung bei schwereren Verläufen meist aus Medikamenten, wie zum Beispiel Antidepressiva und einer begleitenden Psychotherapie.

Wenn es Ihnen gerade schlecht geht und Sie sich in einer akuten Krise befinden, können Sie bei der kostenfreien Telefonseelsorge (0800 1110111 oder 0800 1110222), beim ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder auch direkt 112 anrufen

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. Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung – scheuen Sie sich daher nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Häufigkeit von Depressionen

Die Depression mit ihren verschiedenen Formen ist eine weit verbreitete Krankheit, die in Häufigkeit und Schwere oft unterschätzt wird. Etwa jeder fünfte Mensch in Deutschland erkrankt in seinem Leben, zumindest zeitweise. Frauen sind circa doppelt so häufig betroffen wie Männer. International sind die Zahlen ähnlich. Das Risiko während seines Lebens an einer Depression zu erkranken beträgt 16 – 20 %. In Deutschland erkranken innerhalb eines Jahres etwa 6,2 Millionen Menschen an einer Depression.

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Abbildung zur Häufigkeit von Depressionen - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Die konkreten Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen und ihres Umfelds sind gravierend. Hinzu kommt das Stigma einer psychischen Erkrankung, die den Umgang damit weiter erschwert und im Alltag zum Problem werden kann. Aus Angst davor kann es zu einer verzögerten Behandlung kommen.

Hauptsymptome einer Depression
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  • Antriebslosigkeit
  • Traurigkeit und Gefühlstaubheit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Verlust des Interesses an Dingen, die einem früher Freude bereitet haben

Zusatzsymptome einer Depression
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  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Selbstschädigung/Suizidgedanken
  • Schlafstörungen
  • Appetitverlust
  • Schlafstörungen

Mehr dazu finden Sie im Kapitel „Symptome und Diagnose einer Depression“.

Tipp: Wenn Sie einige dieser Symptome schon seit längerer Zeit – mehr als zwei Wochen

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– an sich feststellen und befürchten, erkrankt zu sein, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Diese können Sie beraten und gegebenenfalls an eine:n Spezialist:in, z.B. eine:n Psychotherapeut:in, überweisen.

Die 5 Säulen der Behandlung
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Zu den wichtigsten Säulen der Therapie zählen sowohl die Pharmakotherapie als auch die Psychotherapie.

Drei weitere Säulen, auf denen der Behandlungserfolg fußt, sind:

Icon: Gehirn - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Das eigene Denken
Wie sehr wir Herr:in unserer eigenen Gedanken sind, ist unklar. Gesichert ist aber, dass die Psychotherapie dabei helfen kann, ungünstige Denkmuster aufzudecken und durch hilfreiche zu ersetzen.

Icon: Hammer - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Das eigene Handeln
Wenn die Schwere schwindet, ist es Zeit, den Schwung zu nutzen, einige gesunde Verhaltensweisen zu etablieren und den Heilungsprozess zu unterstützen. Viel kann durch Bewegung, Achtsamkeit, Dankbarkeit und gesundes Essen erreicht werden.

Icon: Umfeld  - Initiative #GemeinsamGegenDepression

Ein unterstützendes Umfeld
Dieser Punkt richtet sich in besonderem Maß an die Angehörigen und Freunde: Sie können Ihren Beitrag dazu leisten, den Betroffenen ein unterstützendes Umfeld zu bieten.

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Referenzen

S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression, 2. Auflage. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.leitlinien.de/themen/depression/2-auflage
Brazilian Journal of Psychiatry, veröffentlicht online, 3. August 2020, Prevalence and correlates of major depressive disorder: a systematic review. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7678895/, Abgerufen im September 2021
World Health Organization (WHO). 3 out of 4 people suffering from major depression do not receive adequate treatment. Verfügbar unter: https://www.euro.who.int/en/media-centre/sections/press-releases/2017/3-out-of-4-people-suffering-from-major-depression-do-not-receive-adequate-treatment, Abgerufen im September 2021
Ärzteblatt. Depressionen: Hohes Rückfallrisiko. Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/126718/Depressionen-Hohes-Rueckfallrisiko, Abgerufen im September 2021
Neurologen und Psychiater im Netz. Krankheitsbild bzw. Erscheinungsformen von Depression. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/depressionen/krankheitsbild
Bundesverband für Gesundheitsinformationen und Verbraucherschutz. Diagnose Depression. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.bgv-depression.de/diagnose.html
gi gesundheitsinformationen.de. Formen der Depression. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.gesundheitsinformation.de/formen-der-depression.html
Neurologen und Psychiater im Netz. Krise/Notfall: Akute psychische Krise. Abgerufen am 31.03.2022 von https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/krise-notfall/akute-psychische-krise
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