Depressionen und Beziehung – eine Belastungsprobe?

Depressionen und Beziehung – eine Belastungsprobe?

Eine Depression kann – wie jede andere Erkrankung auch – eine Beziehung beeinflussen und belasten. Denn Partner:innen, Familie und Freundeskreis nehmen die depressionsbedingten Veränderungen wahr und müssen zunächst lernen, sie zu verstehen und damit umzugehen. Depressive Erkrankungen sind in der Regel gut behandelbar, sodass Ihre Beziehung nicht langfristig dadurch beeinflusst werden muss. Vor allem wenn Unterstützung von den Menschen aus Ihrem Umfeld vorhanden ist, kann die Herausforderung gemeinsam bewältigt werden.

Machen Sie sich jedoch bewusst: Ihr:e Partner:in ist Ihr:e Vertraute:r und nicht Ihr:e Therapeut:in.

Einfluss einer Depression auf Sex[1][2]

Liebe, Sex und Zärtlichkeit gehören zu einer erfüllenden Partnerschaft dazu. Sexualität ist ein wichtiger Teil des Lebens. Wenn es hier zu Beeinträchtigungen kommt, kann sich das negativ auf die Partnerschaft und Lebensqualität auswirken. Bei einer Depression ist häufig die Libido, also die Lust auf Sex, reduziert. Dies ist sowohl ein Symptom der Erkrankung als auch manchmal eine Folge der Medikation. Selbst die körperlichen Funktionen, die Fähigkeit zu sexueller Erregung und zum Orgasmus, können beeinträchtigt sein.

Sprechen Sie am besten ganz offen und ehrlich mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über Ihre Gefühle. Nur weil Sie in der jetzigen Phase während Ihrer Erkrankung weniger Lust auf Sex verspüren, muss das nicht bedeuten, dass Sie Ihre:n Partner:in weniger attraktiv oder liebenswert finden. Für den:die Partner:in ist es wichtig dies zu verstehen, um sich nicht zurückgewiesen zu fühlen. Sie können ihre Zuneigung ebenso gut durch Kuscheln, durch Küsse oder Umarmungen zeigen.

Wenn Sie mit Ihrem Sexualleben unzufrieden sind, sollten Sie dies auch im ärztlichen Gespräch thematisieren. Es ist wichtig, dass die Therapie auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Gab es eventuell schon vorher Probleme in dieser Richtung? Sexualität hat große Bedeutung für die Psyche und kann auch für die Entwicklung einer Depression mitverantwortlich sein.

Was hilft der Beziehung bei Depressionen?

Folgendes können Sie und Ihr:e Partner:in tun, um Ihre Beziehung zu festigen:

  • Anerkennung der Erkrankung
  • Zusammenhalten und motivieren
  • Sich zuhören, dabei offen und ehrlich kommunizieren
  • Nähe und Hilfe zulassen
  • Sich klarmachen, was durch die Therapie schon besser ist
  • Sich keine Vorwürfe machen
  • Probleme gemeinsam angehen
  • Gegenseitig nicht überfordern

Gut informierte Angehörige sind eine Entlastung

Wenn Sie sich in der Lage fühlen, dann ermutigen Sie Ihre:n Partner:in und Ihre Angehörigen sich umfassend über Depressionen zu informieren. Dies kann zu einem besseren Verständnis der Angehörigen für Ihre Situation und ihr Verhalten beitragen. Aber vergessen Sie auch nicht, selbst auf dem Laufenden über den Umgang mit Depressionen zu bleiben: Fragen Sie Ihre:n Therapeut:in zum Beispiel nach Tipps für eine gesunde Ernährung. Oder informieren Sie sich darüber, wie Sie Ihren Arbeitsalltag so gestalten können, dass er Ihnen guttut.

Mögliche Folgen für die Partnerschaft [3]

Laut einer Umfrage berichtete fast die Hälfte der Betroffenen, dass es aufgrund der depressiven Erkrankung zu einer Trennung in ihrer Partnerschaft gekommen ist. Andererseits gaben etwa 40 % der Befragten an, dass die Beziehung zu ihrem:ihrer Partner:in durch ihre Depression intensiver geworden ist und sich gefestigt hat.

Angehörigen gelingt es offenbar gut sich zu informieren: Nur etwa jeder dritte Befragte gab an, sich schlecht über die Erkrankung informiert zu fühlen. Andererseits fühlten sich in Beziehungen 80 % der Betroffenen von ihrem:ihrer Partner:in unverstanden und bekamen Vorwürfe zu hören.

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Referenzen

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