Geschichte von Nicole
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Geschichte von Nicole

Portrait von Nicoles


Ich bin

Nicole


Alter: 44
Beruf: Bürokauffrau
Das sollten andere wissen: Depressionen sind keine Laune, sondern eine ganz normale Erkrankung, die jeden treffen kann, gegen die man aber etwas tun kann.
Mein Leitsatz: Früher habe ich gesagt: Nobody is perfect. Heute sage ich: Jeder ist auf seine Art perfekt.
Das hat mir geholfen: Ich halte die Psychoedukation für sehr wichtig. Mir hat es am meisten geholfen, die Hintergründe der Erkrankung besser zu verstehen.

„Ich bin schon früh, kurz nach Beendigung meiner Ausbildung zur Bürokauffrau mit 20 Jahren, Mutter geworden. Schon damals fühlte ich mich oft nicht gut, habe das aber nicht weiter hinterfragt. Ich dachte immer, man muss stark sein und durchhalten, was immer auch passiert. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass eine Krankheit dahinterstecken könnte.“

Da die Arbeitssituation an ihrem Heimatort schwierig war, zog Nicole mit ihrem Partner und ihrem Baby in ein anderes Bundesland, wo beide recht schnell einen Arbeitsplatz fanden.

„Ab dem Zeitpunkt ging es mir immer öfter psychisch schlecht. Ich fühlte mich zunehmend im Alltag überfordert. Kleinigkeiten brachten mich zum Weinen und ich litt immer häufiger unter Angstzuständen und Panikattacken.“

Weil Nicole oft und lange krank war, verlor sie mehrfach ihren Arbeitsplatz, konnte sich aber immer wieder aufrappeln und eine neue Stelle finden. Den Tiefpunkt erreichte sie, nachdem sie nach der Trennung von ihrem Partner als Alleinerziehende und Vollzeit arbeitend auf sich allein gestellt war und ihren Alltag nicht mehr bewältigen konnte. Komplett überlastet kam es zum Zusammenbruch.

„Eines Nachts hatte ich eine besonders heftige Panikattacke. Es ging es mir so schlecht, dass ich mitten in der Nacht meine Mutter angerufen habe. Sie hat dann den Notarzt alarmiert und ich wurde ins Krankenhaus gebracht. Körperlich wurde bei mir nichts gefunden, aber ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen.“

In der Klinik sprach Nicole erstmals mit Ärzten und Schwestern über ihre Symptome. In der Klinik wurde auch die Diagnose gestellt. Sie wurde auf ein antidepressives Medikament eingestellt und machte dort auch ihre ersten Therapieerfahrungen. Damit ging es Nicole nach und nach besser. Dennoch hatte sie das Gefühl, zu wenig darüber zu wissen, was der eigentliche Grund für ihre Beschwerden war.

Nicole vor verschiedenen Fotohintergründen

„Ich glaube, es hätte mir sehr geholfen, wenn man mir bereits damals genauer erklärt hätte, was mit mir wirklich los war. Ich fühlte mich überhaupt nicht aufgeklärt.“

Nach dem Klinikaufenthalt ging es Nicole zunächst besser, aber nach einiger Zeit kehrten die Symptome zurück. Sie fühlte sich ständig müde, antriebslos und erschöpft und bekam ihren Haushalt nicht mehr in den Griff. Vor zweieinhalb Jahren verstarb dann ihr neuer Partner, den sie in der Zwischenzeit kennengelernt hatte. Aus Angst davor, erneut in ein tiefes Loch zu fallen, begab sich Nicole auf Anraten ihres Psychiaters in eine Tagesklinik. Damit wendete sich für Nicole das Blatt.

„Ich habe die erstaunliche Erfahrung gemacht, dass mir vieles leichter fällt, seitdem ich die Erkrankung wirklich angenommen und als Teil von mir akzeptiert habe. Ich habe gelernt, dass ich gar nicht so sein muss, wie ich glaube, sein zu müssen. Ich bin einfach, wie ich bin, und mit dieser Einsicht geht es mir viel besser. Ich verurteile mich nicht mehr dafür, dass ich nicht immer funktioniere.“

Nicole, die weiterhin in medizinischer Behandlung ist, geht es heute meistens gut. In Krisen, die immer mal wieder auftreten können, greift sie auf Tools aus ihrem sogenannten „Glückskoffer“ zurück, den sie mit ihrer Therapeutin zusammengestellt hat. Dazu gehören z. B. Meditation oder die Besinnung auf ihre kreativen Hobbys wie Nähen, Malen oder Fotografieren. Neben ihrer inzwischen erwachsenen Tochter stehen ihr auch gute Freundinnen zur Seite, die sie in der Tagesklinik kennengelernt hat und mit denen sie sich regelmäßig austauscht. Sie weiß auch, dass sie sich jederzeit bei ihrem Psychiater melden kann. Dies vermittelt ihr etwas mehr Sicherheit.

„Ich würde jedem Betroffenen den Tipp geben, sich intensiv mit den Hintergründen der Erkrankung zu beschäftigen, um sie besser zu verstehen. Dies hat mir sehr dabei geholfen, besser mit der Situation umgehen zu können.“

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