Folge #6 – Dem Tabu keine Chance geben

Tabuthema Prostatakrebs – heute reden wir!

Moderator Lars Schmidtke: Prostatakrebs-Vorsorge? Ich? Warum das denn? Ich bin doch gesund. Und genau diese Aussage hören wir oft von Männern, wenn diese auf das Thema Prostatakrebs-Vorsorge angesprochen werden. Mein Name ist Lars Schmidtke, und ich freue mich, Sie heute zu einem neuen Podcast der Initiative Deine Manndeckung zu begrüßen. Aber warum eigentlich wiegt dieses Tabu noch so schwer? Ist es Angst vor einem unangenehmen Eingriff? Kursieren da zu viele Bilder im Kopf vor einer unangenehmen Untersuchung? Wird die Vorsorge von Männern als Schwäche empfunden? Oder hat es etwas mit einer vermeintlichen Übertretung männlicher Intimität zu tun? All diese Fragen möchten wir heute in unserem neuen Podcast thematisieren und dieses Tabu ein Stück weit abbauen helfen. In Deutschland ist eine Früherkennungsuntersuchung bei Männern ab 45 Jahren vorgesehen. Doch nur wenige Männer nehmen diese beim Urologen auch wahr. Was für viele Frauen eine Selbstverständlichkeit ist, fällt Männern aber häufig total schwer. Woran kann das liegen? Darüber möchten wir heute sprechen, und zwar mit dem Urologen Herrn Dr. Sascha Triebner, um Männern hoffentlich die Angst und die Scham zu nehmen.

Früherkennung: entscheidend für die Heilungschancen

Moderator Lars Schmidtke: Herr Dr. Triebner, herzlich willkommen. Ich freue mich, Sie heute zur neuen Podcastfolge von TACHELES der Initiative Deine Manndeckung von Janssen Deutschland begrüßen zu dürfen. Schön, dass Sie bei uns sind und sich mit uns dem männlichen Tabuthema Prostatakrebs-Vorsorge widmen.

Dr. Sascha Triebner: Vielen Dank für die freundliche Begrüßung.

Moderator Lars Schmidtke:Lieber Herr Dr. Triebner, es wäre klasse, wenn Sie sich kurz vorstellen und uns mitteilen, warum die Prostatakrebs-Früherkennung Ihnen so wichtig ist.

Dr. Sascha Triebner: Ja, mein Name ist Dr. Sascha Triebner. Ich bin seit 13 Jahren Urologe, seit neun Jahren in der eigenen Praxis mit zwei ganz netten Kollegen. Und gerade auch die Vorsorgeuntersuchung ist elementarer Bestandteil unserer täglichen Arbeit und auch extrem wichtig, weil eine frühe Erkennung über die Heilungschancen entscheidet. Wir haben in Deutschland pro Jahr circa 60000 Prostatakarzinom-Neuerkrankungen und leider auch pro Jahr 13000 Todesfälle, auch wenn die Tendenz der Todesfälle leicht sinkend ist. Und das hat natürlich auch mit der Früherkennung und der Vorsorgeuntersuchung zu tun.

Moderator Lars Schmidtke: Ich höre da 60000 neue Fälle. Könnten Sie oder wissen Sie das aus dem Kopf, was ist das für ein Alter der Männer, die dort erkranken? Im Durchschnitt? Zwischen?

Dr. Sascha Triebner: Im Durchschnitt zwischen 55 und 60, aber es geht natürlich schon um die 45 los, auch wenn das da selten ist. Und jetzt geht es aber natürlich nach oben, bis auf 80 und über 80 ist noch alles mit dabei.

Einfach lästig oder Angst – ab zur Vorsorge, Männer!

Moderator Lars Schmidtke: Da beginne ich doch gleich mal mit der entscheidenden Frage. Und zwar: Woran könnte es liegen Ihrer Meinung nach, dass die Prostatakrebs-Früherkennung nach wie vor so ein starkes Tabuthema bei Männern ist?

Dr. Sascha Triebner: Da spielen meiner Meinung nach viele Faktoren eine Rolle. Angst vor dem Unbekannten ist sicherlich ein Thema. Wir Männer neigen immer dazu, vor etwas Angst zu haben, was wir nicht kennen, wenn wir nicht wissen, was uns bei dieser Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchung erwartet. Und dazu kommt auch noch, dass wir Männer dazu neigen, uns immer stark und unbesiegbar zu fühlen. Und viele Männer sagen auch: „Ich habe jetzt 40 Jahre lang keinen Arzt gebraucht, mir geht es gut, warum soll ich jetzt zum Arzt gehen?“

Die erste Vorsorge ist der richtige Schritt

Moderator Lars Schmidtke: Und wie können wir Männern die Angst vor dieser Untersuchung nehmen?

Dr. Sascha Triebner: Naja, am besten tatsächlich durch die erste Vorsorge selbst. Wir erleben immer wieder, dass die Männer danach wesentlich entspannter sind, wenn sie wissen, was auf sie zukommt. Dass die Vorsorge gar nicht schlimm ist. Und sie genießen es, das Gefühl zu wissen, dass alles in Ordnung ist. Ich höre das immer wieder von Männern, dass sie sagen, wenn sie nach der Vorsorge aus der Praxis gehen, dass sie einfach ein wahnsinnig gutes Gefühl haben, wenn sie wissen, es ist alles in Ordnung. Wichtig ist auch, das Thema Vorsorge in der Öffentlichkeit und in Medien häufiger zu thematisieren, weil viele Männer wissen zum Beispiel gar nicht, ab welchem Alter die Vorsorge beim Urologen vorgesehen ist. Und da fehlt einfach noch Aufklärung.

Moderator Lars Schmidtke: Und genau deswegen sitzen wir beide hier zusammen für diesen Podcast.

Dr. Sascha Triebner: Ganz genauso ist es.

Ohne Scham offen reden: Erfahrungen austauschen

Moderator Lars Schmidtke: Spielen denn auch Ängste bezüglich einer möglichen Erkrankung eine Rolle? Also dass man quasi Angst hat vor einem schlechten Ergebnis? Und wie können diese Ängste aus Ihrer Sicht den Männern genommen werden?

Dr. Sascha Triebner: Ja, das ist tatsächlich auch immer wieder ein Thema. Das erleben wir auch immer und immer wieder. Man muss letztlich den Männern erklären, wieso die Früherkennung so wichtig ist und dass Prostatakrebs, wenn er eben früh genug erkannt wird, meistens heilbar ist. Außerdem geht es bei der Vorsorge ja nicht nur um bösartige Erkrankungen, sondern auch um banale Dinge wie eine vergrößerte Prostata, die auch Probleme machen kann. Oder Nierensteine. Auch so was können wir dann entdecken.

Moderator Lars Schmidtke: Aber trotzdem: Es fällt den Männern ja oft schwer, sich mit anderen über dieses Thema Prostatakrebs-Früherkennung auszutauschen. Und ich vermute, Scham ist da ein Grund dafür. Wie ist Ihre Erfahrung als Experte, aber auch als Mann? Sprechen Sie mit Patienten, Freunden und Familie offen und regelmäßig über Scham vor dieser Untersuchung?

Dr. Sascha Triebner: Ja, das ist gerade aktuell auch für mich wirklich ein Thema. Ich bin im letzten Jahr 40 Jahre alt geworden und höre immer häufiger im Freundes- und Bekanntenkreis, dass über das Thema Vorsorge auch gesprochen wird. Und ich als Urologe werde da natürlich auch immer wieder angesprochen und das finde ich aber auch sehr, sehr gut. Ich bin froh über jede Frage, die da gestellt wird, weil in Gesprächen kann man mit vielen falschen Vorstellungen aufräumen. Und wie schon gesagt, es ist immer wieder gut, wenn die Vorsorge möglichst häufig thematisiert wird, weil dadurch auch Männer dazu gebracht werden, sich gedanklich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, die sonst nicht so gern über diese Themen sprechen. Ich höre aber auch immer häufiger von Patienten, dass unter Männern, zum Beispiel in Sportvereinen oder ähnlichen, zunehmend auch über das Thema Vorsorge gesprochen wird. Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Moderator Lars Schmidtke: Und nicht nur über Fußballergebnisse.

Dr. Sascha Triebner: Auch wichtig.

Wie sinnvoll eine noch frühere Früherkennung ist

Moderator Lars Schmidtke: Wäre es denn aus Ihrer Sicht sinnvoll, diese Untersuchung für Männer viel früher zu Beginn, also beim Urologen anzubieten, sodass die Hemmungen gar nicht erst aufgebaut werden? Und ja, also ähnlich wie bei den Frauen, die zum Frauenarzt gehen, dass eine Selbstverständlichkeit wird, dass man einfach zu Urolog:innen geht als Mann.

Dr. Sascha Triebner: Ja, die Frage ist tatsächlich schwierig zu beantworten. Es ist ja schon länger immer wieder ein Thema, eine sogenannte Jungensprechstunde auch beim Urologen einzuführen, um genau diese Thematik anzugehen. Ich glaube, rein medizinisch macht die Vorsorge ab 45 schon Sinn, weil das das Alter ist, wo eben Erkrankungen wie Prostatakrebs, aber auch vergrößerte Prostata und Ähnliches einfach zunehmen. Davor ist es einfach schwierig, die jungen Männer auch diese ganze Zeit bei der Stange zu halten, weil man eigentlich wenig Themen hat, die man besprechen kann oder muss. Und ich weiß nicht, ob das funktioniert. Zudem kommt noch dazu, dass wir gerade in der Urologie eigentlich einen Ärzt:innen-Mangel haben, der sich auch in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Und ich glaube, es ist schwierig für die Urolog:innen, das zu leisten, wenn man jetzt die Vorsorge noch mal 20 Jahre nach vorne zieht.

Fazit – Information hilft gegen Angst vor dem Ungewissen

Moderator Lars Schmidtke: Also könnte man zusammenfassend sagen, dass die Angst vieler Männer vor der Untersuchung im Zuge der Prostatakrebs-Vorsorge oft unbegründet ist und sozusagen eine reine Kopfsache. Deshalb kann man nur allen Männern sagen – und das möchte ich jetzt tun: Schafft euch diese Angst ganz einfach vom Hals, indem ihr euch vollständig informiert. Zum Beispiel hier auf www.deine-manndeckung.de. Gleichzeitig ist unsere Webseite auch bei den Shownotes verlinkt, also hier bei dem Podcast. Dort könnt ihr euch genau informieren, welche Vorteile eine Früherkennung haben kann. Lieber Dr. Triebner, wir und ich bedanken uns sehr für das Gespräch. Toll, dass Sie so offen und authentisch über das Thema Prostatakrebs-Vorsorge gesprochen haben. Vielen Dank fürs Mitmachen.

Dr. Sascha Triebner: Vielen Dank!

Moderator Lars Schmidtke: Liebe Zuhörer:innen. Ich hoffe, diese Folge hat Ihnen gefallen und Sie konnten einiges lernen und für sich persönlich mitnehmen. Wir freuen uns, wenn Sie bei der nächsten Folge wieder reinhören. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bleiben Sie gesund. Ach, und gehen Sie zur Vorsorge.

Referenzen

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