ADHS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen

Was ist ADHS und wie häufig ist es bei Erwachsenen?

Früher wurde die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, als eine Kinderkrankheit angesehen. Heute weiß man jedoch, dass ADHS eine neurologische Entwicklungsstörung ist, die in der Kindheit beginnt und bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben kann. Die Kern- oder Hauptsymptome der ADHS sind

  • Unaufmerksamkeit,
  • Impulsivität und/oder
  • motorische Unruhe/Hyperaktivität.
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Bei etwa einem von 20 Kindern und Jugendlichen (5%) wird ADHS festgestellt – am häufigsten bei Jungen.

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Im Erwachsenenalter hingegen gibt es diesen Geschlechtsunterschied im Auftreten von ADHS nicht mehr.
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Tendenziell ist die Prävalenz von ADHS bei Kindern etwas höher als bei Erwachsenen, wobei dies nicht ausschließlich auf die Verminderung der Symptomatik im Erwachsenenalter zurückzuführen ist.
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Eine Metaanalyse, die weltweite Daten einbezieht, geht davon aus, dass 2,5 % der Erwachsenen an ADHS leiden.
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ADHS tritt bei Erwachsenen in der Regel nicht neu auf. Die für ADHS typischen Auffälligkeiten bestanden meistens schon in der Kindheit. Doch möglicherweise wurden sie damals nicht als ADHS erkannt.

Freunde unterhalten sich über ihre ADHS Erkrankung

Viele der betroffenen Männer und Frauen wissen nicht, dass ihre Probleme auf ADHS zurückzuführen sind. Denn ADHS zeigt sich im Erwachsenenalter nicht immer eindeutig über die genannten Kernsymptome, sondern oft mit ganz eigenen Merkmalen. So ändert sich meist das Erleben der ADHS-Symptome im Laufe der Entwicklung: Hyperaktivität wird durch Gefühle von "innerer Unruhe" und Unzufriedenheit ersetzt. Unaufmerksamkeit kann sich als Schwierigkeit bei der Erledigung von häuslichen oder beruflichen Tätigkeiten äußern, z. B. beim Ausfüllen von Formularen, dem Merken von Terminen oder dem Einhalten von Fristen.

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Das Gefühl, den Anforderungen im Alltag und Beruf nicht gerecht zu werden, lässt viele Betroffene an sich zweifeln. Sie halten sich selbst für minderwertig und fühlen sich oft ausgegrenzt.
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ADHS kann die Partnerschaft sowie das Familien- und Berufsleben erheblich belasten und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich beeinträchtigen. Die richtige Diagnose und eine wirksame Behandlung können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu stärken, das eigene Verhalten besser zu steuern und den Alltag erfolgreich zu managen.

Wenn Sie vermuten, dass Sie ADHS haben oder ein Familienmitglied möglicherweise an dieser Störung leidet, ist es gut zu wissen, dass es Unterstützung gibt. Wenden Sie sich am besten an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin und lassen Sie sich ggf. an eine Fachperson für ADHS überweisen. Dazu zählen u. a. Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, für Neurologie, für psychosomatische Medizin sowie Psychotherapeut:innen

Symptome

Wie äußert sich ADHS bei Erwachsenen?

Noch bis vor 20 Jahren war man überzeugt, dass sich ADHS mit der Pubertät auswächst. Jedoch weisen mehr als die Hälfte der Betroffenen auch als Erwachsene noch ADHS-Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und/oder Hyperaktivität auf.

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Allerdings müssen nicht alle Kernsymptome bei allen Erwachsenen mit ADHS gleichermaßen auftreten. Bei manchen überwiegen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, bei anderen ist impulsives Verhalten vorherrschend. Zudem sind die Ausprägungen vielfach anders als in der Kindheit:

Erwachsene mit ADHS haben oft das Gefühl, alles gleichzeitig intensiv wahrzunehmen. Manche beschreiben es als „Gedankenkarussell“ oder „Orchester“ im Kopf. Das führt dazu, sich immer wieder ablenken zu lassen, wodurch Betroffene zum Beispiel oft Dinge verlieren oder verlegen.

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Vielen fällt es beispielsweise schwer, Gesprächen zu folgen. Sie selbst formulieren häufig sehr ausschweifend, wobei sie sich in Details verlieren können. Müssen sie exakte Anweisungen befolgen, werden vielfach Einzelheiten nicht beachtet oder Flüchtigkeitsfehler gemacht.
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Aufgaben, die länger anhaltende Konzentration erfordern, fällt Betroffenen oft schwer.
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Typisch ist aber auch, dass sich Erwachsene mit ADHS "hyperfokussieren", sobald sie etwas sehr interessiert oder ihnen sofortige Befriedigung verschafft, z. B. Computerspiele. Bei solchen Aktivitäten kann die Konzentration stundenlang anhalten, und zwar auf eine sehr fokussierte Weise.
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Impulsives Verhalten kann sich bei Erwachsenen mit ADHS beispielsweise durch häufiges „Ins-Wort-fallen“ bei Gesprächen und sprunghafte Themenwechsel zeigen. Viele haben Schwierigkeiten zu warten, bis sie an der Reihe sind. Ihre Frustrationstoleranz kann sehr gering sein. Dann können sie ihre Emotionen nicht kontrollieren und fahren beim kleinsten Anlass aus der Haut. Ihr impulsives Verhalten und die damit verbundenen zwischenmenschlichen Konflikte haben oft Folgen für die Beziehungen zu Familie, Freund:innen, Kolleg:innen und Vorgesetzten. Es kann zudem ernsthafte Auswirkungen auf die persönlichen Finanzen haben, wenn spontane und unüberlegte Ausgaben zu Schulden führen. Manchmal äußert sich impulsives Verhalten auch in Form von Essanfällen, um die innere Unruhe zu bekämpfen.

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Die Symptome der ADHS sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und müssen auch nicht gleichzeitig vorliegen. Die Beeinträchtigung durch ADHS und der Langzeitverlauf können bei jedem anders sein

Das für Kinder mit ADHS typische „zappelige“ Verhalten äußert sich im Erwachsenenalter häufig auf subtilere Weise. Auch wenn Erwachsene mit ADHS nach außen einigermaßen ruhig erscheinen, herrscht in ihrem Innern die meiste Zeit des Tages Unruhe und Anspannung.

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Diese zeigt sich beispielsweise darin, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind, wirklich zur Ruhe zu kommen. Daher kommt es oft zu Einschlafstörungen und zum Konsum von Alkohol oder Medikamenten um „Herunterkommen“.
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Andere versuchen ihre innere Unruhe zu mildern, indem sie exzessiv Sport treiben.
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Da die motorische Unruhe im Erwachsenenalter meist nicht mehr so ausgeprägt ist wie bei Kindern, wird oft nur von einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS) gesprochen.

Bei Erwachsenen mit ADHS können die Symptome so unspezifisch und vielfältig sein, dass die dahinterliegende Erkrankung nicht immer erkannt wird. Viele Betroffene halten die Auffälligkeiten außerdem für einen Teil ihrer Persönlichkeit und wissen nicht, dass es sich um die Symptome einer behandelbaren, neurobiologischen Funktionsstörung im Gehirn handelt.

Lesen Sie hierzu auch „Wie entsteht ADHS?“

Was sind Begleiterkrankungen und mögliche Folgen von ADHS?

Die meisten Erwachsenen mit ADHS leiden an weiteren psychischen Störungen, z. B. an Depressionen, Angsterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Alkohol- und Drogenabhängigkeit.

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Jugendliche mit ADHS beginnen in der Regel früher zu rauchen und konsumieren insgesamt mehr Tabak als Gleichaltrige.
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Die Raucherquote ist bei Personen mit ADHS fast doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.
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Im Erwachsenenalter werden zudem vermehrt Essstörungen beobachtet. Auch scheint ein Zusammenhang zwischen ADHS und starkem Übergewicht zu bestehen.
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In einer Studie konnte ein Restless-legs-Syndrom bei etwa einem Drittel der erwachsenen ADHS-Patienten festgestellt werden.
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Insgesamt scheinen Erwachsene mit ADHS ein erhöhtes Risiko für verschiedene körperliche Erkrankungen zu haben.

Folgen bei Erwachsenen mit ADHS
ADHS kann tiefgreifende Auswirkungen haben

Beeinträchtigungen durch ADHS können sich in allen Lebensbereichen finden. So können beispielsweise Lernschwierigkeiten, der Abbruch einer Ausbildung, unzureichende Leistungen im Beruf, häufige Jobwechsel, finanzielle Probleme, Kauf-, Spiel- und Internetsucht auf eine ADHS zurückzuführen sein.

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Aufgrund der Ablenkbarkeit und mangelnden Fähigkeit, Gefahren richtig einzuschätzen, steigt die Unfallgefahr. Daher sind Erwachsene mit ADHS häufiger in Haus- und Verkehrsunfälle verwickelt.
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Auch nimmt während der Jugend und beim Übergang ins Erwachsenenalter das Risikoverhalten zu.
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Eine ADHS begünstigt zudem die Gefahr, auf die „schiefe Bahn“ zu geraten: Forscher fanden z. B. einen großen Anteil an ADHS-Betroffenen unter jugendlichen Straftätern von ca. 30%.
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In Familien, in denen ein Elternteil mit ADHS diagnostiziert wurde, haben oft auch deren Kinder ADHS. Das kann einerseits eine große zusätzliche Belastung für das Familienleben darstellen.

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– andererseits liegt darin auch eine Chance: Viele Betroffene setzen sich mit ihrem Leiden erst auseinander, wenn bei ihren Kindern ADHS diagnostiziert wurde: Sie erkennen sich in den Symptomen dann häufig wieder.

Lesen Sie hierzu auch „Ist ADHS erblich?“

Wenn Sie vermuten, dass Sie ADHS haben oder ein Familienmitglied möglicherweise an dieser Störung leidet, ist es gut zu wissen, dass es Unterstützung gibt. Wenden Sie sich am besten an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin und lassen Sie sich ggf. an eine Fachperson für ADHS überweisen. Dazu zählen u. a. Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, für Neurologie, für psychosomatische Medizin sowie Psychotherapeut:innen

Diagnose

Wie wird ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert?

Zerstreutheit, Vergesslichkeit, Impulsivität oder innere Unruhe allein sind noch kein Beweis, dass eine ADHS vorliegt

Die Diagnose bei ADHS

Bei einer ADHS können u. a. Funktionsstörungen in neuronalen Systemen im Hirn vorliegen.

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Dennoch lässt sich die Störung weder mithilfe von Laborwerten noch durch einzelne Untersuchungen des Gehirns sicher diagnostizieren.
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Wichtigste Grundlage für die Diagnose ADHS sind Gespräche und strukturierte Interviews mit einem Facharzt oder einer Fachärztin, die in Diagnostik und Behandlung der ADHS erfahren sind. Zu kompetenten Fachpersonen zählen:

  • Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Fachärzt:innen für Neurologie,
  • Fachärzt:innen für psychosomatische Medizin,
  • Psychotherapeut:innen
    [1]

Dabei nimmt die Lebensgeschichte der Betroffenen einen großen Stellenwert ein, insbesondere deren schulische und berufliche Entwicklung. Diese wird im Rahmen einer ausführlichen Anamnese (das Erheben der Krankengeschichte) erfasst. Oft können die Anwesenheit des Partners oder der Partnerin, einer Bezugsperson aus der Kindheit oder zusätzliche Gespräche mit Angehörigen wertvolle Informationen liefern.

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Spezielle ADHS-Fragebögen können die Diagnostik unterstützen, sind aber niemals allein ausreichend für eine Diagnose. Verschiedene körperliche Untersuchungen dienen dazu, andere Erkrankungen wie z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen als Ursache für die Symptome auszuschließen. Ebenso muss abgeklärt werden, ob weitere seelische Störungen, z. B. Depressionen, Angststörungen oder Abhängigkeitserkrankungen vorliegen.
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Bildgebende Verfahren wie CT (Computertomografie) oder MRT (Magnetresonanztomografie) sowie EEG (Elektroenzephalografie) können zum Ausschluss neurologischer Erkrankungen zum Einsatz kommen.
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Liegt die Diagnose ADHS vor, ist es für die meisten Betroffenen eine große Erleichterung, dass es eine biologische Erklärung für ihre Probleme und Einschränkungen gibt.

Bei Erwachsenen wird ADHS oft übersehen

Viele Erwachsene mit ADHS haben im Laufe der Jahre gelernt, mit ihrer Symptomatik zu leben. Sie halten ihre Probleme für gegeben und haben sie als Teil ihrer Persönlichkeit angenommen. Oft sind es zusätzliche Erkrankungen wie Depressionen oder Alkoholabhängigkeit, die den Leidensdruck so stark erhöhen, dass Betroffene nach professioneller Hilfe suchen. Häufig kommt dazu auch der Anstoß vom Partner bzw. von der Partnerin oder einer anderen Bezugsperson. Da jedoch die Symptome der ADHS anderen psychischen Erkrankungen ähneln, erschwert dies die Diagnose. Auch wird häufig die eigentliche Begleiterkrankung, z. B. eine Depression, als Hauptdiagnose gewertet.

Bei Erwachsenen wird ADHS oft übersehen

In diesen Fällen können viele ADHS-Symptome fälschlicherweise der Depression zugeschrieben und übersehen werden. Das können Gründe dafür sein, dass ADHS im Erwachsenenalter oft fehlinterpretiert oder nicht diagnostiziert wird.

Wenn Sie vermuten, dass Sie ADHS haben oder ein Familienmitglied möglicherweise an dieser Störung leidet, ist es gut zu wissen, dass es Unterstützung gibt. Wenden Sie sich am besten an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin und und lassen Sie sich ggf. an eine Fachperson für ADHS überweisen. Dazu zählen u. a. Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, für Neurologie, für psychosomatische Medizin sowie Psychotherapeut:innen.

Behandlung

Wie kann ADHS bei Erwachsenen behandelt werden?

Es gibt nicht „die eine“ Behandlung, die Erwachsenen mit ADHS helfen kann. Die Behandlung wird individuell auf die Symptome und Probleme des Patienten/der Patientin zugeschnitten. Dabei richtet sich das Vorgehen auch nach der persönlichen Lebenssituation und den Wünschen der Betroffenen. Gemeinsam wird die ärtzliche oder psychotherapeutische Behandlungsperson die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten mit dem/der Betroffenen besprechen.

Bei Erwachsenen mit ADHS steht die Behandlung mit Medikamenten neben der Psychoedukation an erster Stelle.

ADHS wirkt sich auf alle Aspekte des Lebens aus. Daher ist ein umfassender Behandlungsplan, der soziale, pädagogische, psychologische und medizinische Maßnahmen umfasst, der beste Ansatz zur Behandlung von ADHS. Expert:innen sprechen dabei von einem „multimodalen therapeutischen Gesamtkonzept“.

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Grundsätzlich gehört dazu, die Betroffenen und ihre Bezugspersonen über ADHS, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten anschaulich und verständlich aufzuklären.
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Das nennt man auch Psychoedukation. Wie Studien zeigen, konnten Teilnehmende eines Psychoedukationsprogramm nicht nur ihr Wissen über ADHS erweitern, sondern auch die Qualität ihrer Beziehungen und ihr psychisches Wohlbefinden verbessern.
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Neben der Psychoedukation steht bei Erwachsenen mit ADHS die Behandlung mit Medikamenten an erster Stelle – auch bei leichter und mittelschwerer Ausprägung und Beeinträchtigung.

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Voraussetzung ist, dass die Patient:innen damit einverstanden sind.
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Fachgesellschaften empfehlen in ihren Leitlinien verschiedene Wirkstoffe zur ADHS-Behandlung bei Erwachsenen.
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Diese können das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn regulieren. Dadurch können die ADHS-Symptome verringert werden.
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Insgesamt kann sich die pharmakologische Behandlung positiv auf die Lebensqualität von Erwachsenen mit ADHS auswirken.
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Welches Präparat am besten für die individuelle Behandlung der ADHS geeignet ist, bespricht der/die behandelnde Arzt bzw. Ärztin in der Regel ausführlich mit den Betroffenen. Wichtig ist es, die Medikamente genau nach Anweisung einzunehmen und nicht ohne Rücksprache mit der Behandlungsperson abzusetzen.

Im Rahmen eines multimodalen therapeutischen Gesamtkonzeptes kann die medikamentöse Behandlung mit psychosozialen Maßnahmen wie einer kognitiven Verhaltenstherapie kombiniert werden.

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Psychosoziale Maßnahmen können auch sinnvoll sein, wenn Medikamente abgelehnt, nicht vertragen oder unzureichend wirksam sind, oder bei nur ganz leichter ADHS-Symptomatik, mit nur geringer Beeinträchtigung im Alltag.
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  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Die KVT zielt darauf ab, das Selbstmanagement von Erwachsenen mit ADHS zu fördern, um den Alltag mit dieser Störung besser bewältigen zu können. Dabei werden den Betroffenen unter anderem praktische Techniken vermittelt, mit denen sie ihre Emotionen wie Frust oder Wut besser kontrollieren, mit Stress und Ablenkungen besser umgehen und ihre Einstellung zu sich selbst verändern können. Die Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS im Erwachsenenalter kann in einer Gruppe oder in Einzelsitzungen durchgeführt werden. Weitere psychosoziale Maßnahmen, die in der Behandlung von Erwachsenen mit ADHS zum Einsatz kommen können, sind u.a.:

  • Metakognitive Therapie (MKT)

Die MKT ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie, die darauf abzielt, den Umgang mit problematischen Denkmustern zu beeinflussen.

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Die MTK soll u.a. dazu dienen, das Zeitmanagement und die Organisationsfähigkeiten der Betroffenen zu verbessern.
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  • Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT)

Bei der Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie (engl. Mindfulness Based Cognitive Therapy, MBCT) werden Achtsamkeitsübungen vermittelt, die dazu beitragen sollen, das Umherschweifen der Gedanken und die Ablenkbarkeit bei ADHS zu verringern und den Umgang mit Stress zu verbessern.

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Weitere unterstützende Maßnahmen sind Coachings und sogenannte Fertigkeiten-Trainings. Diese sollen Erwachsene mit ADHS dabei unterstützen ihre eigenen Stärken zu erkennen und zu nutzen, um ihre Probleme zu überwinden und mit den Herausforderungen im Alltag besser zurecht zu kommen.

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Wissenswertes über ADHS bei Erwachsenen

Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Was du schon immer über ADHS wissen wolltest

ADHS wird im Standardwerk zur Diagnose von psychischen Erkrankungen, DSM-5* als eine in der Kindheit auftretende neurologische Entwicklungsstörung angesehen.

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Es wird angenommen, dass ADHS im Erwachsenenalter eine Fortsetzung von ADHS in der Kindheit ist. Die diagnostischen Kriterien setzen den Beginn in der Kindheit voraus und berücksichtigen die entwicklungsbedingte Veränderung der Symptome im Laufe der Zeit. Es gibt jedoch Studien, die dies in Frage stellen.
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Allerdings müssen die Ergebnisse dieser Studien mit Vorsicht betrachtet werden, zumal die Diagnosen bei Erwachsenen in erster Linie auf Selbstauskünften beruhen.

Wer mit Betroffenen und deren Familien spricht, wird nicht nur Negatives hören, sondern auch viele positive Aspekte der ADHS erfahren. In einer Studie wurden Personen mit ADHS und deren Bezugspersonen zu Beeinträchtigungen, aber auch zu Fähigkeiten und Stärken befragt.

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Insgesamt nahmen 76 Personen aus fünf verschiedenen Ländern an der Studie teil. Die am häufigsten genannten Stärken im Zusammenhang mit ADHS waren

  • ein hohes Maß an Energie und Antrieb,
  • Kreativität
  • Hyperfokus
  • Verträglichkeit
  • Empathie und
  • die Bereitschaft, anderen zu helfen
    [17]

In einer anderen Studie wurden Interviews mit sechs beruflich erfolgreichen Männern im Alter zwischen 30 und 65 Jahren geführt, bei denen vor kurzem ADHS diagnostiziert wurde.

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Alle Teilnehmer beschrieben die natürliche Neugier als einen positiven Aspekt von ADHS. Neugier steht für Wissbegierde, Offenheit für Erfahrungen und den Wunsch zu lernen. Neugier kann auch ein Triebwerk sein, das es den Menschen ermöglicht, ihre Ambitionen zu verfolgen und einen Sinn im Leben zu finden.
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Die Teilnehmer hatten das Gefühl, dass ihr ADHS sie sensibler macht als andere Menschen, dass sie dadurch aber in der Lage sind, Gefühle bei sich selbst zu erkennen und sich der emotionalen Zustände anderer bewusst zu sein. Ein weiterer positiver Aspekt war die Fülle an Energie, welche die Teilnehmer empfanden.
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Auf die Frage, was sie vermissen würden, wenn ihr ADHS verschwinden würde, gaben alle Teilnehmer an, dass es ihr Sinn für Humor wäre.
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Als Hyperfokus wird die Fähigkeit von Menschen mit ADHS beschrieben, sich intensiv auf Aufgaben oder Aktivitäten zu konzentrieren. Während es für viele junge Erwachsene mit ADHS nahezu unmöglich ist, in einem Hörsaal still zu sitzen oder sich auf das Schreiben einer Hausarbeit zu konzentrieren, können dieselben Personen stundenlang einen neuen Song komponieren, an ihrem Auto basteln oder Computercodes schreiben.

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ADHS-Betroffene berichten von einem Flow-ähnlichen Zustand, der mit Produktivität verbunden ist.
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In der Literatur wird Flow definiert als ein Zustand intensiver Konzentration, energiegeladener Aufmerksamkeit und einem vollständigen Aufgehen in einer Tätigkeit, was intensive Gefühle des Vergnügens erzeugt.
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Die Fähigkeit zum Hyperfokus kann besonders bei kreativen oder künstlerischen Aufgaben von Vorteil sein.

Die beiden Kernsymptome der ADHS, Unaufmerksamkeit und Impulsivität, legen einen Zusammenhang zwischen Kreativität und ADHS nahe.

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Vermutlich führt die Unaufmerksamkeit zu einem Abschweifen der Gedanken, was zu neuen, nützlichen und kreativen Ideen führen kann. Da Menschen mit ADHS zudem impulsiver und somit risikofreudiger sind, trauen sie sich eher als andere, gewohnte Wege zu verlassen und sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Tatsächlich konnte eine Studie zeigen, dass Personen mit ADHS originellere Ideen liefern als Gleichaltrige ohne ADHS: Dazu baten die Forscher:innen eine Gruppe College-Studierender mit ADHS und eine Kontrollgruppe ohne ADHS zwei Kreativitätstests durchzuführen.
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Bei dem ersten sollten sie fiktive, außerirdische Früchte erfinden und zeichnen. Beim zweiten Test galt es Bezeichnungen für neue Produkte zu entwickeln, ohne die vorgegebenen Beispiele zu kopieren. Die Studierenden mit ADHS waren in der Lage, ungewöhnlichere, von irdischem Obst stärker abweichende Früchte und originellere Produktnamen zu erfinden als die Kontrollgruppe. Die Forscher:innen deuteten die Ergebnisse dahingehend, dass Erwachsene mit ADHS beim kreativen Prozess weniger durch vorhandenes und kürzlich abgerufenes Wissen eingeschränkt werden als Personen ohne ADHS.
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Ja, bei Frauen tritt ADHS etwa genauso häufig auf wie bei Männern.

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Jedoch weisen betroffene Frauen im Vergleich zu Männern mit ADHS etwas andere Symptome und Begleiterkrankungen auf.
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Eine weniger ausgeprägte ADHS-Symptomatik kann dazu führen, dass ADHS bei weiblichen Betroffenen häufiger übersehen wird. Es ist aber nicht bekannt, wie oft ADHS bei Frauen nicht erkannt oder fehldiagnostiziert wird.
[2]

Es wurden schon zahlreiche Studien und Meta-Analysen zum Einfluss von Diäten und Nahrungsergänzungsmitteln auf die ADHS-Symptome durchgeführt. Eine Meta-Analyse ist quasi eine „Studie über Studien“. Darin werden die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zur selben Fragestellung zusammengefasst und daraus ein Gesamtergebnis errechnet. Doch die Ergebnisse waren oft von geringer Beweiskraft oder Wirkungen nicht nachweisbar. Zwei Beispiele: Eine aktuelle Metaanalyse deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zucker bzw. zuckergesüßten Getränken und dem Auftreten von ADHS-Symptomen hin.

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Allerdings räumen die Wissenschaftler:innen ein, dass die in der Metaanalyse untersuchten Studien sehr unterschiedlich waren. Daher seien weitere Studien erforderlich, um die Wirkung von Zucker auf ADHS zu bestätigen.
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Eine andere Metaanalyse, die den Einfluss mehrfach ungesättigter Fettsäuren auf die ADHS-Symptome untersuchte, konnte keine Auswirkung auf die von Eltern oder Lehrer:innen eingeschätzten Kernsymptome feststellen.
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Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) stellt in ihrer ADHS-Leitlinie zur Einnahme von Omega-3-/Omega-6-Fettsäuren fest, dass „nach heutigem Stand der Erkenntnis keine Empfehlung für eine Nahrungsergänzung mit diesen Substanzen abgegeben werden kann“.
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    Referenzen

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