Die Behandlung einer Schizophrenie besteht gewöhnlich aus mehreren Bestandteilen. Psychoedukation und Psychotherapie, ermöglichen Ihnen zu erkennen, wie erfolgreich Sie mit Ihrer Krankheit umgehen können und helfen Ihnen, Ihr Leben fortzuführen. Medikamente sind in der Regel erforderlich, um die Symptome der Schizophrenie zu verringern.

Es ist wichtig, dass die Behandlungsziele auf Sie zugeschnitten werden und gemeinsam von Ihnen, Ihren Familienangehörigen und Ihrem Arzt getroffen werden, bevor Ihre Behandlung beginnt. Allgemein sind die Ziele der Schizophreniebehandlung: 4,9,13

  • Beseitigung oder Linderung Ihrer Symptome
  • Verhinderung des Auftretens von Rückfällen
  • Verhinderung oder Verringerung der Notwendigkeit von ambulanten oder stationären Krankenhausaufenthalten
  • Es soll Ihnen ermöglicht werden, normale, alltägliche Aktivitäten, wie Arbeit, Ausbildung, unabhängiges Leben, Reisen und Aufrechterhalten von sozialen Beziehungen wieder aufzunehmen

Ihr Arzt wird mit Ihnen zusammen daran arbeiten, all dies zu erreichen. Dabei wird er die Vermeidung oder Verringerung von unerwünschten Nebenwirkungen anstreben, die bei Ihnen gegebenenfalls durch die Medikamente aufgetreten sind.

Wenn Sie sich Therapieziele setzen, ist es wichtig, dass Sie:

  1. Festlegen, was mit Ihrer Behandlung erreicht werden soll und welche der verfügbaren Therapieoptionen Sie nutzen möchten
  2. Alle medikamentösen Optionen ausführlich besprechen und zusammen mit Ihrem Arzt über eine Therapie entscheiden.
  3. Sicherstellen, dass Sie den Nutzen Ihrer Behandlung sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht verstehen. Zudem sollten Sie verstehen, dass es wichtig ist, Ihre verschriebenen Medikamente wie verordnet einzunehmen bzw. sich verabreichen zu lassen.
  4. Sich einverstanden erklären, Ihren vereinbarten Behandlungsplan einzuhalten
  5. Sich bereit erklären, Ihren Fortschritt regelmäßig zu überprüfen und Ihre Behandlung anpassen zu lassen, um Nebenwirkungen auf ein Mindestmaß zu verringern und einen möglichst großen Nutzen zu erzielen

Die Schizophrenie ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Behandlung erfordert.9 Um die Symptome der Schizophrenie zu kontrollieren und die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen zu verringern, stehen unterschiedliche Arzneimittel zur Verfügung, die jeweils unterschiedliche Vorteile und Nachteile mit sich bringen. Ihr Arzt sollte Ihnen und Ihrer Familie Informationen über die wichtigen Gesichtspunkte aller Behandlungen liefern und diese mit Ihnen besprechen, sodass Sie Ihre Entscheidungen über die Behandlung gemeinsam mit Ihrem Arzt treffen können.

Psychotherapie und psychosoziale Interventionen können Menschen durch die Erarbeitung neuer psychologischer und sozialer Bewältigungsstrategien dabei unterstützen, mit ihrer Krankheit zurechtzukommen.5

Solche Therapien können Patienten anleiten, über sich selbst, andere Menschen und ihr Umfeld nachzudenken. Dies kann die negativen Auswirkungen der Erkrankung auf ihre Fähigkeit, die sozialen Aspekte des Alltags (etwa Einkaufen oder das Zusammentreffen mit anderen Menschen) zu meistern, verringern.

Es gibt viele unterschiedliche Arten der Psychotherapie, unter anderem kognitive (auf Denkprozesse bezogene) oder verhaltensbasierte Ansätze.5 Diese zielen also darauf ab, der Person zu helfen, ihr Denken oder ihr Verhalten zu normalisieren und sollen ihre Fähigkeit stärken, in diversen Umgebungen wie etwa zuhause, bei der Arbeit, in einem bestimmten Umfeld oder im Krankenhaus sozial angemessen zu agieren. Psychotherapie kann in Einzelsitzungen mit Fachkräften für psychische Gesundheit oder in Gruppensitzungen zusammen mit den Angehörigen des Patienten erfolgen.5

Psychotherapie

In der Psychotherapie werden emotionale und psychische Störungen behandelt, allerdings eher durch Gespräche als durch körperliche Maßnahmen oder Arzneimittel. Der Erfahrungsaustausch mit einer qualifizierten und einfühlsamen Person und die Gelegenheit für den Patienten, mit einem Außenstehenden über seine Welt zu sprechen, kann Menschen mit Schizophrenie helfen, sich selbst allmählich besser zu verstehen und Wege zu finden, mit ihrer Erkrankung umzugehen.

Rehabilitation

Vielen Menschen mit Schizophrenie gelingt es, ihre Schwierigkeiten zu überwinden, unterstützt durch diverse Programme zur Förderung ihrer Problemlösungsfähigkeiten, ihrer Lebenskompetenzen, ihrer Fähigkeit, mit Geld umzugehen sowie Hilfe bei der Fortsetzung der Ausbildung oder der beruflichen Tätigkeit. Für viele ist es auch eine große Hilfe, andere Menschen mit Schizophrenie kennenzulernen, die ebenfalls auf dem Wege der Besserung sind.

Psychotherapeutische Einzelsitzungen

Psychotherapeutische Einzelsitzungen sind regelmäßig vereinbarte Gespräche zwischen dem Patienten und einem Psychiater, Psychologen, Sozialarbeiter oder einer psychiatrisch ausgebildeten Pflegekraft. Die Behandlungen können verschiedene Schwerpunkte setzen, wie z. B. derzeitige oder frühere Probleme, Erfahrungen, Gedanken, Gefühle oder Beziehungen. Es gibt viele unterschiedliche Therapieformen. Diese sind nicht für jeden gleich gut geeignet. Nicht alle Menschen mit Schizophrenie finden diese Optionen hilfreich. Darum ist es wichtig, fachlichen Rat einzuholen, welcher Ansatz für den jeweiligen Patienten, u.a. auch in Kombination mit anderen eventuellen Behandlungen, am besten geeignet ist.

Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft Menschen dabei, darüber nachzudenken, wie sie sich selbst, andere Menschen oder ihr Umfeld wahrnehmen. Dabei wird auch darauf eingegangen, wie Gedanken und Gefühle durch Handlungen beeinflusst werden. KVT kann dazu beitragen, eine Veränderung des Denkens („kognitiv“) und des Verhaltens und somit eine Verbesserung des Befindens herbeizuführen. Im Gegensatz zu anderen Behandlungsformen, bei denen der Schwerpunkt auf der Erörterung von Themen liegt, die mit der Krankheit in Verbindung stehen, konzentriert sich KVT auf gegenwärtige Probleme und Schwierigkeiten, im „Hier und Jetzt“. Sie sucht nach Wegen, die derzeitige Gemütsverfassung einer Person zu verbessern.

Aufklärung der Angehörigen

Es kommt häufig vor, dass Menschen mit Schizophrenie nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus von Angehörigen betreut werden. Es ist wichtig, dass die Angehörigen oder Betreuungspersonen so viel wie möglich über Schizophrenie wissen, um die Schwierigkeiten und Probleme zu verstehen, die mit der Krankheit einhergehen. Außerdem ist es für Familienmitglieder hilfreich zu wissen, wie das Risiko für einen Rückfall des Patienten minimiert werden kann:

  • Interventionen durch Angehörige können der ganzen Familie helfen, Verhaltensmuster zu entwickeln, die zu einem besseren Verständnis des Patienten führen und so dessen Unterstützung erleichtern.
  • Aufklärungsprogramme können Menschen helfen, zu lernen, mit ihren Problemen umgehen, und sie über die verschiedenen verfügbaren Möglichkeiten der medizinischen und sozialen Betreuung sowie über betreute Wohnmöglichkeiten zu informieren.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente sind sehr wichtig für die Behandlung der Schizophrenie, zusätzlich sind jedoch auch Psychotherapie und psychosoziale Interventionen hilfreich. Beispiele für Behandlungsarten, die möglicherweise in Betracht kommen, sind:

  • Medikamente zur Behandlung möglicher Nebenwirkungen von Antipsychotika
  • Andere Medikamente, die zur Bewältigung Ihrer Erkrankung beitragen
  • Antipsychotika zur Behandlung schizophrener Symptomatik (positiv und negativ)

Wie wirken antipsychotische Arzneimittel?

Antipsychotika scheinen psychotische Episoden hauptsächlich durch die Hemmung der Wirkung der chemischen Stoffe im Gehirn zu beeinflussen. Die älteren konventionellen (typischen) Antipsychotika bewirkten die Reduktion eines chemischen Stoffes namens Dopamin, was, wie man annahm, zur Linderung der Positivsymptome führte. Dies bedeutete jedoch auch, dass diese Arzneimittel nicht in gleichem Maße wirksam gegen Negativsymptome waren. Ferner wurden sie mit unangenehmen Bewegungsstörungen, den so genannten extrapyramidalen (EPS) Störungen, in Verbindung gebracht. Die atypischen (neueren) Antipsychotika greifen ebenfalls in den Dopaminhaushalt ein, beeinflussen jedoch auch einen anderen chemischen Botenstoff – und zwar das Serotonin. Diese zweifache Wirkung bedeutet, dass sie ein breiteres Spektrum an Symptomen beeinflussen; außerdem scheinen diese Arzneimittel weniger Nebenwirkungen in Form von Bewegungsstörungen auszulösen.

Der Nutzen fortgesetzter medikamentöser Behandlung

Wie bei allen chronischen Krankheiten, ist es äußerst wichtig, dass Sie Ihre Medikamente genauso einnehmen bzw. sich verabreichen lassen, wie es Ihnen von Ihrem Arzt mitgeteilt wurde. Antipsychotika verringern das Risiko von Rückfällen bei Patienten, die eine Symptomkontrolle erreicht haben. Ein wichtiger Grund für Rückfälle ist, dass Medikamente nicht wie verordnet eingenommen werden. Studien zeigen, dass drei Viertel der Patienten, die ihre medikamentöse Therapie abgebrochen haben, einen Rückfall erlitten.15 Ihr Behandlungsplan sollte einen Plan zur Vorbeugung von Rückfällen enthalten. Dieser sollte Ihnen helfen, Ihre vereinbarte Behandlung einzuhalten und in dem Plan sollte festgelegt sein, dass Sie Unterstützung erhalten, um sicherzustellen, dass Sie Ihre vereinbarten Arztbesuche einhalten.

Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel können auch antipsychotische Arzneimittel neben ihren nutzbringenden Wirkungen unerwünschte Nebenwirkungen haben.  

Die älteren Arzneimittel zur Behandlung der Schizophrenie werden mit Bewegungsstörungen in Verbindung gebracht, insbesondere den so genannten extrapyramidalen Symptomen (EPS), wie z. B. Muskelkrämpfe und -steifheit, Zittern und Nesteln. Patienten müssen zur Bekämpfung dieser Bewegungsstörungen möglicherweise zusätzliche Medikamente einnehmen. Die langfristigen Nebenwirkungen, insbesondere die tardive Dyskinesie (TD), stellen möglicherweise ein größeres Problem dar. TD ist durch unwillkürliche Bewegungen, insbesondere des Mundes und des Gesichts, gekennzeichnet, die oftmals irreversibel sind. Das Risiko dieser Nebenwirkungen ist bei den neueren Arzneimitteln zwar wesentlich geringer, besteht aber dennoch. Mit neueren Antipsychotika treten Bewegungsstörungen und TD mit geringerer Wahrscheinlichkeit auf. Einige der neueren Behandlungen führen jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Gewichtszunahme oder Problemen mit der Libido. Nebenwirkungen können ein Grund dafür sein, dass Patienten die Arzneimittel nicht einnehmen, was zu einem erneuten Auftreten der Symptome der Schizophrenie führen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Patienten ihre Behandlung und mögliche Nebenwirkungen, die ihnen Sorgen bereiten, mit ihrem Arzt besprechen.

Missverständnisse über die medikamentöse Behandlung

Viele der sich im Umlauf befindlichen Missverständnisse im Zusammenhang mit der medikamentösen Behandlung von Schizophrenie, können Patienten und ihren Familienangehörigen Anlass zur Sorge geben. Neben Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen, machen Sie sich auch Gedanken, ob solche Arzneimittel zu einer Abhängigkeit führen könnten. Antipsychotische Arzneimittel machen die Personen, die diese einnehmen, jedoch weder süchtig noch „high“ (sie lösen keine Euphorie aus). Eine andere Fehlmeinung über antipsychotische Arzneimittel ist, dass diese eine Art Gedankenkontrolle ausüben oder als ‚chemische Zwangsjacke‘ fungieren.

In der geeigneten Dosis wirken antipsychotische Arzneimittel allerdings nicht als „KO-Keule“ und berauben die Patienten nicht ihrer Fähigkeit, selbstständig zu denken. Manche dieser Arzneimittel können zwar beruhigend/dämpfend wirken und die Patienten schläfrig machen, diese Wirkung kann aber zu Beginn der Behandlung durchaus hilfreich sein, vor allem wenn ein Patient sehr angespannt oder unruhig ist. Sobald die Symptome ausreichend unter Kontrolle gebracht wurden, kann die Dosierung angepasst oder auf ein anderes Arzneimittel umgestiegen werden. Die medikamentöse Behandlung bildet die Grundlage der Behandlung von Schizophrenie und ist ein wirkungsvoller Weg, um die Symptome der Krankheit in den Griff zu bekommen. Dies versetzt die Patienten in die Lage, andere Therapieformen in Anspruch zu nehmen und wieder in ihr normales Leben zurückzufinden.

Manchmal ist es schwer zu bewerten, wie Sie sich in Bezug auf Ihre Medikamente fühlen und warum. Die Beantwortung der unten aufgeführten Fragen kann hilfreich sein, sich auf das nächste Gespräch mit Ihrem Arzt vorzubereiten.

  1. Nehmen Sie Ihre Medikamente wie verschrieben ein?
  2. Setzen Sie Ihre Medikamente ab, wenn es Ihnen besser geht?
  3. Setzen Sie Ihre Medikamente ab, wenn Sie sich krank fühlen?
  4. Behaupten Sie, Ihre Medikamente eingenommen zu haben, selbst wenn dies nicht der Fall ist?
  5. Glauben Sie, es macht nichts aus, wenn Sie hin und wieder vergessen, Ihre Medikamente einzunehmen?
  6. Sind Sie positiver gestimmt, wenn Sie Ihre Medikamente einnehmen?
  7. Verlassen Sie sich darauf, dass andere Menschen, wie Familienmitglieder und Freunde, Sie daran erinnern, Ihre Medikamente einzunehmen?
  8. Glauben Sie, dass Ihre Medikamente verhindern, dass Sie krank werden?
  9. Was halten Sie von der Art und Weise, wie Ihr Medikament verabreicht wird?
  10. Glauben Sie, dass Ihre Medikamente Nebenwirkungen bei Ihnen verursachen?
  11. Glauben Sie, über die für Sie verfügbaren Arten von Medikamenten gut informiert zu sein?
  12. Was halten Sie von Ihrem Behandlungsplan und was würden Sie gern verändern?

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