Geschichte von Stefanie
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Geschichte von Stefanie

Portrait von Steffi


Ich bin

Stefanie


Alter: 58
Beruf: Sängerin und Gesangslehrerin
Mein Motto: Wenn ich singe, bin ich glücklich.
Das wünsche ich mir von meinen Mitmenschen: Ich wünsche mir, dass die Leute mehr Empathie für die dunklere Färbung des Lebens entwickeln.
Das hat mir geholfen: Medikamente und Gesprächstherapie, aber auch Pilates, Jogging und Achtsamkeitstraining.

„Musik hat in meinem Leben schon immer eine sehr große Rolle gespielt. Bereits mit 15 saß ich am Klavier und sang das von Franz Schubert vertonte Goethe-Gedicht „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide“. Hier äußerte sich schon früh eine gewisse Veranlagung zur Melancholie. Viele Jahre später wurden bei mir Depressionen diagnostiziert.“

Stefanie wurde in Köln geboren und verlebte eine sehr geborgene Kindheit, die jedoch von einem Missbrauchserlebnis als kleines Mädchen überschattet wurde. Sie liebte Musik und Kunst und erfüllte sich mit einem Gesangsstudium den Wunsch, Sängerin zu werden. Während sie auf diversen deutschen Bühnen künstlerische Erfolge feierte, war ihr Privatleben von schwierigen und aufreibenden Beziehungen geprägt, die ihr nicht guttaten. Nach der zweiten Scheidung fühlte sich Stefanie erschöpft und leer. Sie beschloss, in ihre Heimatstadt Köln zurückzukehren, wo sie als inzwischen Alleinerziehende mehr Unterstützung durch Familie und Freund:innen erhielt.

„Nach meiner Rückkehr in die alte Heimat brach die Depression erstmals richtig aus. Vielleicht auch, weil ich es endlich zulassen konnte. Meine Ärztin überwies mich in die Uniklinik, wo ich langsam wieder aufgebaut wurde – mit Medikamenten, aber auch mit Gesprächstherapie, Pilates, Jogging und Achtsamkeitstraining.“

Nach dem Klinikaufenthalt ging es Stefanie zunächst besser. In dem Glauben, die Sache sei damit erledigt, stürzte sie sich in ihr neues Leben. Sie hatte wieder Auftritte und sang an der Oper. Da ihre Ansprüche an sich selbst sehr hoch waren und sie – inzwischen über 50 Jahre alt – für ihre Rollen jung und fit bleiben wollte, begann sie, sich immer mehr zu überfordern und ihre Grenzen zu überschreiten, bis sie erneut in die Depression rutschte.

Steffi macht sich vor dem Spiegel mut

„Für mich waren die Depressionen wie die Hölle auf Erden. Es war ein grauenvoller Zustand von Nicht-Leben-Wollen und innerer Leere. Nachts konnte ich nicht schlafen und morgens nicht aufstehen. Allein schaffte ich es nicht einmal, in eine Bahn zu steigen. Auch die Wohnung konnte ich kaum noch verlassen, jede zu erledigende Kleinigkeit war eine Tortur.“

Familie und der Freundeskreis holten sie damals aus der Erstarrung, indem sie immer wieder wie ein Mantra wiederholten, dass sie es schaffe, da wieder herauszukommen und dass alles wieder besser werden würde. Und sie sollten recht behalten.

„Seit dem zweiten längeren Klinikaufenthalt geht es mir deutlich besser. Heute habe ich das Gefühl, ich lebe genau das Leben, das ich leben möchte. Ich liebe meinen Beruf und arbeite wieder mehr. Ich bin glücklich darüber, dass ich einen sehr guten Kontakt zu meinem erwachsenen Sohn habe, der aufgrund der Krankheit in der Vergangenheit oft zu kurz gekommen ist. Außerdem habe ich viele gute Freunde, eine helle Wohnung und eine Katze.“

Stefanie nimmt weiterhin Medikamente und wird von ihrer Psychiaterin und ihrer Therapeutin unterstützt. Sie hat gelernt, sehr achtsam mit sich umzugehen. Heute schrillen bei ihr frühzeitig die Warnglocken, wenn sie bemerkt, dass es ihr schlechter geht. Inzwischen hat sie Mechanismen entwickelt, die ihr dabei helfen, stabil zu bleiben. Sie verbringt dann bewusst viel Zeit allein, geht Spazieren, widmet sich dem Kochen und Essen sowie den Pflanzen auf ihrem Balkon. Auch der Glaube ist ihr dann eine große Stütze.

„Trotz des erfahrenen Leids durch die Depressionen möchte ich diese schwierigen Phasen in meinem Leben nicht missen. Depressionen sind etwas Menschliches. Wichtig ist zu wissen, dass es Hilfe gibt. Ich möchte anderen zeigen, dass es einem auch wieder gutgehen kann.“

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