Geschichte von Francesca
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Geschichte von Francesca

Portrait von Francesca


Ich bin

Francesca


Alter: 32
Beruf: Studiert Biotechnologie im Master
Mein Leitsatz: Ich lasse mich nicht unterkriegen.
Das wünsche ich mir von meinen Mitmenschen: Besser und genauer hinhören, wenn jemand sagt, dass es ihm schlecht geht, und das nicht mit einer Floskel abtun oder bagatellisieren. Aufklärung ist dabei sehr wichtig und sollte schon im Schulalter beginnen.
Das hat mir geholfen: Durch die Therapie habe ich gelernt, schädliche Verhaltensmuster zu durchbrechen. Heute lege ich den Fokus auf die Menschen und Dinge, die mir guttun und mich weiterbringen. Um meine Balance zu halten, hilft mir viel Sport, vor allem Joggen.

„Als Kind habe ich mich viel allein gefühlt. Ich musste schon früh selbstständig sein, weil meine Mutter als Alleinerziehende sehr viel arbeiten musste, damit wir über die Runden kamen. Mit 14 habe ich das erste Mal an Suizid gedacht. Meine Mutter fand jedoch den Abschiedsbrief. Das hat mich damals gerettet.“

Trotz dieses Vorfalls sprachen Francesca und ihre Mutter nicht weiter darüber. Das Thema blieb tabu. Als Jugendliche durchlebte Francesca dann oft depressive Phasen. Sie fühlte sich antriebslos und begann, sich selbst zu verletzen. Später kamen Panikattacken hinzu, die immer häufiger auftraten, insbesondere in Kombination mit Alkohol, auf den Francesca mehr und mehr zurückgriff, um ihre Gefühle und Ängste zu bekämpfen – ein Teufelskreis. Mit Mitte zwanzig zog sie schließlich die Reißleine und suchte sich professionelle Hilfe.

„Zu dieser Zeit lebte ich als Studentin in einer anderen Stadt. Um mir mein Studium leisten zu können, musste ich nebenher arbeiten. Außerdem befand ich mich in einer Beziehung, die mir gar nicht gut tat. So bin ich ganz schnell in eine Überforderung reingerutscht, die in einer Depression endete. Als dann auch noch meine Mutter krank wurde, war mein Tiefpunkt erreicht.“

Francesca schaut aus dem Fenster

In der Therapie lernte Francesca, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen. Sie eignete sich individuelle Skills an, die ihr dabei halfen, den Teufelskreis zu durchbrechen und nicht in alte schädliche Muster, wie z. B. das selbstverletzende Verhalten oder das übermäßige Trinken von Alkohol, zurückzufallen. Dies war kein leichter Weg, der sich für sie aber gelohnt hat. Mit Hilfe der Therapie konnte Francesca ihr Leben Schritt für Schritt zum Positiven verändern. Inzwischen ist sie Mutter eines kleinen Sohnes und befindet sich in der finalen Phase ihres Masterstudiums der Biotechnologie. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann, der sehr gut mit der Situation umgehen kann, wenn es Francesca mal schlechter geht. Francesca hat ein super Verhältnis zu ihrer Mutter, die in der Rolle als Oma völlig aufblüht. Den Alkohol sowie das Stechen von unzähligen Tattoos und Piercings, die sie jahrelang als Ventil benutzte, um ihre emotionalen Schmerzen zu betäuben, braucht sie heute nicht mehr.

„Ich habe kein Problem damit, über meine Krankheit zu sprechen. Ich denke, es ist wichtig, dass die Leute Bescheid wissen, was in einem vorgeht. Vielen ist auch nicht klar, dass eine Depression eine echte Erkrankung ist, die behandelt werden muss. Das Schwierigste ist oft, sich selbst einzugestehen, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

Deshalb ist es Francesca auch so wichtig, über die Krankheit zu reden und aufzuklären, damit auch andere Betroffene, die eventuell im Verborgenen leiden, ihre Hemmungen und Ängste überwinden und sich aktiv Hilfe suchen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch das Thema Prävention. Schon Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig darüber aufgeklärt werden, was seelische Gesundheit bedeutet und wie man psychischen Problemen begegnen kann. Gerade Heranwachsenden würde sie raten, insbesondere soziale Medien achtsam zu nutzen, denn neben der Möglichkeit des Austauschs bergen diese auch das Risiko, einen hohen Druck aufzubauen, dem gesellschaftlich vorherrschenden Bild zu entsprechen, ständig glücklich, erfolgreich und schön sein zu müssen. Dies könne mitunter dazu führen, dass sich Betroffene eingeschüchtert fühlen und sich nicht trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Damit ich stabil bleibe, widme ich mich heute bewusst Dingen, die mir guttun. Ich konzentriere mich auf meine Familie und mein Studium. Um Kraft zu tanken, treibe ich viel Sport. Das hilft mir, die Balance zu halten.“

Weitere Erfahrungsberichte von Betroffenen

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